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Heute im Fernsehen: „Die Minensucherin“ : Ihr werdet Dreck fressen

  • -Aktualisiert am

Bei jeder Mine in die Hose machen? Christine Neubauer als Minensucherin Nina Schneider Bild: dapd

Marcus O. Rosenmüller hat in Namibia einen Fernsehfilm über das gebeutelte Angola gedreht: „Die Minensucherin“ zeigt Christine Neubauer bei einem lebensgefährlichen Versuch, mit der Schuld aufzuräumen.

          Sieben Monate vor ihrem Unfalltod durchschritt Prinzessin Diana in Helm und Schutzweste ein angolanisches Minenfeld. Ihr Einsatz trug entschieden dazu bei, dass noch im Jahr 1997 die Ottawa-Konvention zum Verbot von Antipersonenminen unterzeichnet wurde. Doch der südwestafrikanische Staat leidet nach wie vor unter dem Fluch, der im Boden lauert. Siebenundzwanzig Jahre Bürgerkrieg haben nicht nur die Infrastruktur weitgehend zerstört, sondern auch Millionen von Minen hinterlassen. Einhunderttausend Angolaner müssen mit Amputationen leben, ein Drittel davon sind Kinder. Fast eine Dekade nach Ende des Konflikts um Macht und Bodenschätze sind noch immer weite Teile des Landes minenverseucht.

          Mit „Die Minensucherin“ wagt sich das ZDF mit einem Fernsehfilm an das heikle Thema heran. Nina Schneider (Christine Neubauer), eine beurlaubte Bauingenieurin und Berufsschullehrerin um die vierzig, reist zusammen mit ihrem Kollegen Jo (Mark Simpson) ins ostangolanische Luena. Die Hauptstadt der Provinz Moxico hat besonders unter dem Bürgerkrieg gelitten. Zahlreiche Minen liegen innerhalb der Stadt oder unmittelbar an ihren Rändern verstreut, die meisten Bewohner sind Vertriebene aus anderen Teilen Angolas. Ninas naive Vorstellungen werden gleich nach ihrer Ankunft erschüttert: Alte Panzer verrosten zwischen den Wellblechhütten, die Trockensavanne ist mit Bombenkratern übersät. Schockiert bemerkt sie, dass viele ihrer Schüler Prothesen tragen oder wegen abgetrennter Beine auf Gehhilfen angewiesen sind.

          Das schlechte Gewissen hat jetzt einen Namen

          Regisseur Marcus O. Rosenmüller, der zusammen mit Susanne Beck und Thomas Eifler auch das Drehbuch schrieb, ist ein sensibler Film gelungen. Gleichwohl schreckt er nicht davor zurück, mit eindringlichen Bildern die Heimtücke der Situation zu verdeutlichen: Einem Dummy, dessen Schuh bewusst auf eine Mine gesetzt wird, reißt es den Unterschenkel ab. Gedreht wurde im Nachbarland Namibia, viele der Darsteller müssen auch im wirklichen Leben mit Verstümmelungen leben.

          Im Film ist es der Unfall ihrer Schülerin Mumbi, der Ninas Leben schlagartig verändert. Das Mädchen kommt um, als es hinter einem verlassenen Haus auf eine Mine tritt. Die verkohlte Sandale, die Nina vor die Füße fällt, ist ein Fanal. „Mein schlechtes Gewissen hat jetzt einen Namen und ein Gesicht“, erwidert sie ihrem Kollegen Jo, der sich der Situation nicht gewachsen fühlt und zurück nach Deutschland möchte.

          Geduld und ein kaltes Herz

          Um ihre Schuldgefühle zu bekämpfen, bewirbt sich Nina bei dem Südafrikaner Mike Mason (Hannes Jaenicke) als Minensucherin. Sie durchläuft mit zehn weiteren eine zweiwöchige Grundausbildung, will den undankbaren Job unbedingt. Die Räumung einer einzigen Mine kostet eintausend Dollar, die mutigen Idealisten müssen sich mit der Hälfte als Monatslohn zufriedengeben. Voraussetzungen: Geduld und ein kaltes Herz. „Ihr werdet Dreck fressen, schwitzen, euch bei jeder Mine in die Hose machen vor Angst“, warnt Mason seine Leute.

          Zusammen mit dem alkoholkranken Arzt Fabian (Heikko Deutschmann) rückt die Gruppe zu ihrem ersten Auftrag an: Sie soll um einen Kupferstollen im Zentrum des Landes Tretminen sowie tödliche Splitterminen aufspüren, entschärfen und entsorgen. Angolanische Soldaten, die das verhindern wollen, und persönliche Rivalitäten zwischen den Minensuchern machen die Sache nicht leichter. Und dann steht Nina plötzlich mit einem Fuß auf einer Sprengfalle.

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