http://www.faz.net/-gsb-z6sj

Heute im Fernsehen: „Die Hebamme“ : Das Drama der Geburt

  • -Aktualisiert am

Überragend: Brigitte Hobmeier spielt die Rosa Koelbl, als wäre die Rolle für sie geschrieben worden Bild: ZDF/Christian Hartmann

Bilder, die lange in Erinnerung bleiben: Der hervorragend besetzte Ausnahmefilm „Die Hebamme - Auf Leben und Tod“ erzählt im ZDF von der Unterdrückung der Frauen im frühen neunzehnten Jahrhundert.

          Licht und karg sind die Bilder in Dagmar Hirtz' Fernsehfilm „Die Hebamme“. Nackte, rötlich schimmernde Holzbalken in Nordtiroler Bauernhäusern, schroff aufragende Alpen, weiß getünchte Kreißsaalwände: Mehr brauchen die Regisseurin Dagmar Hirtz und ihre herausragende Darstellerriege nicht als Bühne für einen Ausnahmefernsehfilm, den das ZDF heute zeigt. Die Kulissen, so historisch getreu sie sind, wurden mit Absicht zurückgenommen zugunsten einer Handlung, die sich auf ein Hauptthema konzentriert: die Unterdrückung von Frauen durch Männer in einer historischen Situation, die gesellschaftlich besonders instabil gewesen ist.

          Die Geschichte der Hebamme Rosa Koelbl spielt im frühen 19. Jahrhundert, als Mütter, wenn sie die Geburt überhaupt überlebten, häufig im Kindbett starben. Mehr als dreißig Jahre werden noch vergehen, bis Ignaz Semmelweis in Wien erstmals darauf hinweist, dass mangelnde Hygiene während der Geburtshilfe der Auslöser für das Kindbettfieber ist. Im Jahr 1813 hat die Hebamme Rosa Koelbl in Tirol mit ähnlichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Die Kirche verlangt von den Hebammen, bei schweren Geburten mittels einer Taufspritze Nottaufen der Kinder noch im Mutterleib vorzunehmen. Viele Frauen infizieren sich dabei mit den Keimen aus dem Weihwasser und sterben im Wochenbett.

          Rosa Koelbl (Brigitte Hobmeier) erkennt bald den Zusammenhang. Sie ist eine hochbegabte Frau, Witwe eines Lehrers, gebildet in Fragen der traditionellen Medizin und Kräuterkunde und geschickt mit den Händen. Hausgeburten sind zu der Zeit die Regel, wer es sich leisten kann, schickt nach einer Hebamme, sobald die Wehen einsetzen. Nur die Ärmsten gehen in städtische Gebärhäuser, denn dort wartet oftmals der Tod: Ärzte experimentieren mit neuen Methoden, die den Fortschritt der Medizin voranbringen sollen.

          Stellenweise kaum zu ertragen

          Kaum eine Gebärende überlebt einen Kaiserschnitt. Grotesk wirkt es, wenn die Leiche der Mutter aus dem Kreißsaal getragen wird, während die Ärzte zu ihrer Verteidigung aufbrausen: „Aber das Kind lebt!“ Es ist in eine Welt hineingerettet worden, in der junge Mütter, selbst als Waisen aufgewachsen, davon sprechen, den Säugling lieber eigenhändig zu töten, als ihm das Findelhaus zuzumuten. Rosa Koelbl wird von einem jungen Arzt angeworben, in einer Gebäranstalt zu arbeiten, damit mehr Schwangere Vertrauen fassen und hier entbinden. Sie nimmt das Angebot nur an, weil ihre jüngere Schwester, ledig und schwanger, im Heimatdorf schweren Anfeindungen ausgesetzt ist.

          Der Film „Die Hebamme“ erzählt von einer Welt, in der sich Dorfobere und Pfarrer zusammentun, um Frauen auszuschalten - sei es, weil die Frauen zu selbständig sind wie Rosa Koelbl, sei es, weil sie ein unerwünschtes Kind erwarten. Die Geburt wird zu einem Moment, in dem Männer Zugriff auf das Leben einer Frau haben. Stellenweise ist das kaum zu ertragen - etwa, wenn eine Siebzehnjährige, von den Ärzten festgehalten, in den Wehen um ihr Leben fleht, weil sie weiß, was die Entscheidung zum Kaiserschnitt bedeutet. Das sind Bilder, die lange in der Erinnerung bleiben - auch, weil der Film bis in die Nebenrollen hinein hochkarätig besetzt ist; etwa mit den preisgekrönten Jungschauspielerinnen Pippa Galli und Amelie Kiefer als schwangere Teenager. Überragend: Brigitte Hobmeier in der Hauptrolle. Mit ihrem authentischen und schnörkellosen Spiel füllt sie die Rolle aus, als wäre sie für sie geschrieben worden.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Nach den Kongresswahlen : Die Politik der lahmen Enten

          „Lame Duck Session“ heißt es in Amerika, wenn eine Partei vor Beginn der neuen Legislaturperiode noch schnell versucht, ihre politischen Projekte zu retten. Die Republikaner versuchen das nun in mehreren Staaten.

          Diesel-Fahrverbote : Städte gegen Video-Kontrollen

          Das geplante Gesetz zur Video-Überwachung von Diesel-Fahrverbotszonen erntet Kritik von den betroffenen Städten. Verkehrsminister Scheuer geht seinerseits in die Offensive: Er will die Positionen von Messstationen überprüfen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.