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Günther Jauch Das selbstbewegliche Fernsehmöbel

29.08.2009 ·  Er muss niemandem mehr etwas beweisen, und seine Sorge, bald wieder in Vergessenheit geraten zu sein, ist sicher unbegründet. Aber müsste einer, der so gut ist wie Günther Jauch, nicht ganz andere Sendungen machen?

Von Stefan Niggemeier
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Mei, der Günther. Seit zehn Jahren moderiert er jetzt „Wer wird Millionär?“, seit bald zwanzig „Stern-TV“. Im „Zeit-Magazin“ sorgt er sich sinngemäß, ob er schon ein Fernsehmöbel geworden ist, immer da, immer gleich. Er sorgt sich zu Recht.

Man stelle sich vor, einem Fremden zu erklären, was unser vielleicht bester Moderator und einer der beliebtesten Landsleute überhaupt eigentlich macht im deutschen Fernsehen. Nun: Er moderiert eine Quizsendung, ein Magazin mit Sender-PR, Service- und Boulevard-Geschichten, das in Routine, Zeitschinderei und Beliebigkeit erstarrt ist, einen Jahresrückblick, eine Lottosendung, die zuletzt nur im Internet zu sehen war. Am kommenden Freitag gibt es einen vermutlich einmaligen Quiz-Versuch mit Oliver Pocher, in dem er selbst zum Kandidaten wird, und demnächst ein Ost-West-Quizduell.

Er muss ja niemandem mehr etwas beweisen, und seine Sorge, bald wieder in Vergessenheit geraten zu sein, ist sicher unbegründet. Aber müsste einer, der so gut ist wie er, nicht ganz andere Sendungen machen? Sendungen, in denen etwas passieren kann, die etwas riskieren, die ihn fordern – und nicht nur seine Fähigkeit, relativ lebendig und menschlich zu wirken in monotonen Abläufen? Oder ist das wirklich schon alles, dass einmal im Jahr ein Tor umfällt oder der Schlämmer vorbeikommt oder ihm die Stimme versagt, und sonst ist alles Alltag, professioneller, okayer, uninspirierter Alltag?

Gibt es noch Leben im Fernsehen?

Dass sein Haussender RTL keine spektakulären Dinge mit ihm ausprobiert und es so gar keinen Versuch zu geben scheint, ihn wirklich einmal eine politische Sendung machen zu lassen, nach der er sich öffentlich sehnt, schon um zu sehen, ob er das könnte und vielleicht sogar genau der Richtige wäre, ein paar Leute für diesen Wahlkampf zu interessieren – das ist natürlich auch ein Symbol für die Einfallslosigkeit und Selbstgenügsamkeit des ehemaligen Marktführers RTL, dessen Geschäftsführerin Risikovermeidung und Renditefixierung über alles stellt. „Gibt es ein Leben nach dem Fernsehen?“, hat das „Zeit-Magazin“ über sein Jauch-Gespräch geschrieben. Eine gute Frage wäre auch: „Gibt es noch Leben im Fernsehen?“

Man möchte sich sofort neben Jauch an diesen See setzen, den die „Zeit“ wegen der Privatsphäre nicht nennen darf, von dem aus man aber die Pyramide des Marmorpalais am Heiligen See in Potsdam sehen kann, und mit ihm aufs Wasser schauen und über die Trostlosigkeit des Fernsehens von heute sinnieren. Aber andererseits will man ihn in den Hintern treten: Denn wer soll daran was ändern, wenn nicht er?

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