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Gespräch mit Anne Will Es gab keine Einflussnahme von außen

16.01.2009 ·  Anne Will hat am letzten Sonntag nicht über den Krieg in Gaza, sondern über das Thema Freitod diskutiert. Nun machen Gerüchte von einer ausgeladenen palästinensischen Aktivistin und tollste Theorien die Runde. Die Moderatorin weiß es besser.

Von Michael Hanfeld
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Anne Will hat am letzten Sonntag nicht über den Krieg in Gaza, sondern über das Thema Freitod diskutiert. Nun machen Gerüchte von einer ausgeladenen palästinensischen Aktivistin und tollste Theorien die Runde. Die Moderatorin weiß es besser.

Zu Ihrer Sendung am vergangenen Sonntag hatten Sie ursprünglich das Thema „Krieg in Gaza“ vorbereitet. Dann ging es kurzfristig um das Thema Freitod. Wieso haben Sie das eine Thema gegen das andere getauscht?

Wir haben wie jede Woche mehrere Themen parallel vorbereitet - ein ursprüngliches Thema gab es also gar nicht. Senden können wir aber immer nur eines und haben uns aus guten Gründen und nach intensiver Abwägung für das Thema Freitod entschieden.

Wie fiel die Entscheidung? Haben Sie das allein bestimmt, mit der Redaktion, nach Rücksprache mit dem Chefredakteur des NDR, dem Sender, der Ihre Talkshow betreut?

Wir diskutieren unsere Themenwahl die ganze Woche über in enger Abstimmung mit dem NDR und so fiel auch diese Entscheidung wie üblich gemeinsam mit der Redaktion und dem NDR.

Wäre der kriegerische Konflikt zwischen Israel und Hamas aber nicht wichtiger als alles andere gewesen?

Der Gaza-Konflikt ist ohne Zweifel ein wichtiges politisches Thema, aber auch das von uns gesendete Thema Freitod bewegt - wie wir aus unzähligen Reaktionen erfahren haben - viele Menschen. Deshalb hat auch die F.A.Z. ausführlich darüber berichtet und der Spiegel hat sogar damit getitelt.

Ihnen wird vorgeworfen, Sie hätten das Gaza-Thema auf politischen Druck hin - mutmaßlich aus Israel - abgesetzt. In einem von dem aus dem Iran stammenden Politologen Mohsen Massarat, Emeritus der Universität Osnabrück, initiierten offenen Brief ist die Rede von einem „harten Schlag gegen die Pressefreiheit und die Demokratie in Deutschland“, ein evangelisches Forum hat sich ebenfalls mit Protest zu Wort gemeldet. Im Internet kursieren Verschwörungstheorien, am Ende habe gar der Mossad seine Hände im Spiel.

Dass das Internet bei solchen Fragen gelegentlich als fataler Beschleuniger wirkt, sehe ich durchaus mit Sorge. Die Verschwörungstheorien sind allerdings völlig abwegig. Es gab keine einzige Einflussnahme von außen, nicht einmal den Versuch. Hier wird im Nachhinein eine freie, redaktionelle Entscheidung diskreditiert und unter Annahme falscher Tatsachen ideologisiert. Das halte ich für einen sehr merkwürdigen Umgang mit der Pressefreiheit.

Bei den Kritikern spielt auch die Frage eine Rolle, wann das Thema gewechselt wurde. Die Kritik knüpft daran, dass Gäste am Donnerstag ausgeladen wurden, die palästinensische Aktivistin Sumaya Farhat-Naser, sei vergebens nach Deutschland gereist, um an Ihrer Debatte teilzunehmen. Das war doch zumindest ungeschickt.

Das Thema wurde nicht gewechselt. Am Donnerstag fiel die Entscheidung für das Thema Tabu Freitod, weil wir an dem Tag die endgültige Zusage einiger bis dahin angefragter Gäste hatten. Am Freitag wurde das Thema wie üblich final bestätigt und veröffentlicht. Leider war Frau Farhat-Naser wegen der komplizierten Reisemodalitäten am Donnerstag schon auf dem Weg zu uns und wir konnten sie nicht mehr rechtzeitig über unsere Entscheidung informieren. Das bedauern wir sehr, aber hier kamen mehrere unglückliche Umstände zusammen.

Wird der Krieg in Gaza Thema einer Ihrer nächsten Sendungen sein?

Das kann sein, wir entscheiden Woche für Woche aktuell über unser Thema. Fest steht aber: An diesem Sonntag wird es um die Hessen-Wahl als Auftakt zum Superwahljahr 2009 gehen.

Die Fragen stellte Michael Hanfeld.

Quelle: F.A.Z.
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Jahrgang 1965, Redakteur im Feuilleton, zuständig für „Medien“.

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