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Gebührenfinanziertes Internet Die schöne neue Medienwelt von ARD und ZDF

 ·  Die Aufsichtsgremien von ARD und ZDF nicken in dieser Woche die Onlineauftritte der Sender ab. DasErste.de und der Kika sind schon durch. Die Einwände der Kritiker verhallten. Nur „Jump interaktiv“, Onlineradio vom MDR, steht still.

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Die Onlineangebote von ARD und ZDF haben eine weitere Hürde des Dreistufentests genommen, mit dem ihre Zulässigkeit und Angemessenheit überprüft wird. Der Rundfunkrat des Bayerischen Rundfunks billigte - mit kleinen Einschränkungen - am Montag das Portal „DasErste.de“, der Rundfunkrat des MDR gab grünes Licht für den Auftritt des Senders und die Angebote des Kinderkanals Kika. Der Rundfunkrat des BR billigt DasErste.de inhaltlich und was die Verbreitung anbelangt. Das Erste soll online auf allen Wegen verfügbar sein, auf Handys, mit Apps auf iPhone und iPad, bei Facebook, Youtube und Twitter.

Lange hat das Verfahren gedauert, und niemand wird behaupten, dass es sich die Rundfunkräte leicht machten - 169 Seiten umfasst der Abschlussbericht des BR-Rundfunkrats zu DasErste.de, das Konvolut, das an die Rechtsaufsicht - die Bundesländer - geht, ist rund 4000 Seiten dick. Und doch lässt sich das Fazit kurz fassen: Die ARD kann im Internet auftreten, wie sie es sich wünscht, nur bei den Laufzeiten fiktionaler Programme muss sie sich ein wenig einschränken, ansonsten haben die Einwendungen der Kritiker nichts genutzt. Der BR-Rundfunkrat hält DasErste.de für publizistisch angezeigt und wertvoll und - trotz der Textmengen - nicht für „presseähnlich“. Die „marktlichen“ Auswirkungen auf private Wettbewerber werden für hinnehmbar erklärt. Und auch sämtliche Nebenstränge - Chats, Gewinnspiele, Ratgeberangebote, Beiträge von Dritten - halten die Rundfunkräte für vertretbar, solange sie sendungsbezogen oder „journalistisch veranlasst“ sind - den Definitionsrahmen dafür ziehen sie denkbar weit.

„Presseähnliches“ gibt es nicht

Die Aufgabe von DasErste.de, schreiben die Rundfunkräte, sei es laut „Telemedienkonzept“, also laut Selbstdefinition, die „Erlebniswelten aus dem Fernsehen ins Internet“ zu verlängern. Die Kritik der Verleger, ARD und ZDF betrieben Online-Presse, kontern die Rundfunkräte mit einem Argument, das der im Sinne der öffentlich-rechtlichen Sender formulierte Rundfunkstaatsvertrag vorgibt. Demnach ist „presseähnlich“ nur, was aussieht wie eine gedruckte Zeitung oder Zeitschrift - so aber sehen nicht einmal die Webangebote der Verlage selbst aus. So fällt es den Rundfunkräten leicht, DasErste.de als „nicht presseähnlich“ einzustufen, etwas „Presseähnliches“, wie es der Rundfunkstaatsvertrag beschreibt, gibt es nämlich nicht. Online geht bei DasErste.de, was „journalistisch-redaktionell“ veranlasst ist, Veranlassung ist gegeben, wenn der „bearbeitete Gegenstand öffentliche Relevanz aufweist“. Solche Relevanz haben auch Ratgeberportale, bei denen, mahnen die Rundfunkräte, man sich mehr „um einen thematischen Sendungsbezug“ kümmern müsse. Bei den Online-Spielen der ARD stellen die Rundfunkräte fest, dass nur wenige den notwendigen Bezug zum Programm aufweisen. Die Einbußen, die private Konkurrenten durch den Videoabruf bei der ARD-Mediathek erlitten, beziffern die Räte auf 2,3 bis 6,1 Millionen Euro pro Jahr. Der Beitrag von DasErste.de „zum publizistischen Wettbewerb in qualitativer Hinsicht „überwiege jedoch die „marktlichen Auswirkungen auf private Wettbewerber“.

Die Rechtekosten - also die Summe, die etwa für die Beiträge freier Mitarbeiter anfällt - betragen „null“, wie es schon in der Vorlage (siehe Online-Offensive der ARD: Über drei Stufen müssen sie gehen) hieß, will heißen: Die Freien gehen leer aus. Harte Kritik üben die Rundfunkräte allein an den Laufzeiten des fiktionalen Programms, da fehle es an einem Konzept. Für sinnvoll halten sie, tägliche Serien sieben Tage lang online vorzuhalten, wöchentliche Serien bis zu sechs Wochen, sonstige Unterhaltungsserien und Filme bis zu drei Monate - die ARD hätte das gern alles drei bis sechs Monate gehabt. Die Kosten für DasErste.de lagen 2009 bei rund 2,5 Millionen, sind in diesem Jahr bei vier Millionen und 2011 bei rund 4,5 Millionen Euro - was der BR-Rundfunkrat für vertretbar hält, über Kostensteigerungen möchte er aber informiert werden. Zur Erinnerung: Insgesamt geben ARD und ZDF in den nächsten Jahren 611 Millionen Euro für Online und Digitalisierung aus. Michael Hanfeld

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Das, was der Kinderkanal Kika im Internet treibt, nennt sich unter anderem „Feuerfurzen mit Gumpers“. Mit diesem, nun ja, einfachen Geschicklichkeitsspiel, sollen Kinder in öffentlich-rechtlicher Obhut ihre Zeit verbringen. „Mit der Leertaste kannst du Gumpers furzen lassen. So verbrennst du harte Wurfgeschosse“, heißt es in der Anleitung. „Pass auf, dass Gumpers genug Feuer und Gas im Hintern hat, um ordentlich herumzufurzen.“

Als jüngst der Fernsehrat des ZDF seinen Dreistufentest besprach, gehörten zu den Themen auch solche abenteuerlichen Online-Inhalte. Helmut Verdenhalven vom Bundesverband Deutscher Zeitschriftenverleger erzählte von jenem Spiel. ZDF-Intendant Markus Schächter wollte damit jedoch nicht in Verbindung gebracht werden - und schob die Verantwortung von sich. „Ihr Negativbeispiel war bei der ARD“, sagte er. Aber Verdenhalven wollte eben zeigen, was alles im öffentlich-rechtlichen Internet geschieht. Und so fügte er hinzu, dass dies auch beim ZDF möglich sei. Auch das stritt Schächter ab.

Zwanzig Online-Spiel für „Wetten, dass ...?“

„Das Problem ist, dass alle Sender von ihren Räten einen Blankoscheck für alle Arten von Diensten haben wollen“, sagt Helmut Verdenhalven dieser Zeitung. „Wenn beim MDR mit Rundfunkgebühren Nutzergalerien mit Erotikfotos entstehen, der HR eine Nutzergruppe der Cannabisbauern bereithält oder es allein zu ,Wetten, dass ..?' mehr als zwanzig Onlinespiele gibt, kann von einer Begrenzung nicht mehr gesprochen werden.“

Wie weit sollen sich also öffentlich-rechtliche Sender im Internet ausbreiten? Sie bieten dort viel mehr als ihre Sendungen an oder was an Begleitmaterial erforderlich sein könnte: Chats, Foren und eben Spiele gibt es in Hülle und Fülle. Beim Kika heißen solche Spiele nicht nur „Feuer furzen mit Gumpers“, sondern auch „Die Missionen von Raumfahrer Jim“, „Eier sammeln“ oder „Emilys Beerenernte“. An was sollen Kinder damit herangeführt werden? Gibt es so etwas wie ein pädagogisches Konzept?

„Die vom Kika im Internet angebotenen Spiele tragen insbesondere zur Wissensvermittlung, zum Training sozialen Verhaltens sowie zur Entwicklung von komplexen Lösungsstrategien bei“, sagt Kika-Programmgeschäftsführer Steffen Kottkamp dieser Zeitung. Die Spiele schulten vielerlei, die visuelle und auditive Wahrnehmung, die Präzision, die Auge-Hand- und Hand-Hand-Koordination, die räumliche Orientierung, das logische Denken, das Gedächtnis sowie die Feinmotorik der jungen Nutzer.

Irgendwas mit Medien

Als so weitgefächert sehen die Macher demnach ihre Netzwelt an - und das hält auch der Rundfunkrat des MDR, der federführend für den Kinderkanal zuständig ist, für überlebenswichtig. Er genehmigte die Konzepte für kika.de, für MDR-Online und für deren Texte sowie das Onlineradio Figarino. Das Internetradio „Jump interaktiv“ wird dagegen zum 1. Juli eingestellt. Vor längerem genehmigte der Rat zudem mit kikaninchen.de und KI.KAplus zwei neue Internetauftritte.

„Der Kika macht Kinder kompetent“, schreiben die Macher auf der Internetseite: „Ob Fernsehen oder Internet, bei uns lernen Kinder, wie Medien funktionieren.“ Die Öffentlich-Rechtlichen scheinen zu glauben, dass dazu auch Spiele gehören - und zwar Spiele wie „Feuerfurzen mit Gumpers“. Jan Hauser

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Jahrgang 1965, Redakteur im Feuilleton, zuständig für „Medien“.

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