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Fritz Wepper zum Siebzigsten Die allererste Rolle bleibt

17.08.2011 ·  Publikumsliebling Fritz Wepper wird am heutigen Mittwoch siebzig Jahre alt. Anlass, an seinen Anfang als Schauspieler vor zweiundfünfzig Jahren zu erinnern - in Bernhard Wickis Film „Die Brücke“.

Von Dieter Bartetzko
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„Komm doch heim, komm doch heim“, stammelt weinend und sabbernd der blutende Kindersoldat und schleppt seinen toten Freund mit sich, wahnsinnig geworden über dem Wahn des Hitlerkriegs. Noch heute, zweiundfünfzig Jahre nach der Erstaufführung, treibt die Schlussszene aus Bernhard Wickis „Die Brücke“ jedem, der sie sieht, die Tränen in die Augen. Was zuvor die legendäre Fotografie des weinenden blonden Wehrmachtsbuben, der vor amerikanischen Soldaten die Arme hebt, über den teuflischen Mißbrauch der Nationalsozialisten an Kindern und Jugendlichen dokumentiert hatte, war nun gleichsam lebendig geworden, für immer nacherlebbar, hörbar, fühlbar.

Wie schafft ein knapp Siebzehnjähriger derartige Intensität, wie hat er ein Spielen verkraftet, das ihn sichtlich an den Rand der Selbstaufgabe drängte? Nicht wenige werden sich das noch erstaunter fragen, wenn sie erfahren, dass dieser blutjunge Schauspieler Fritz Wepper war, bis 1998 bekannt als Assistent Harry Klein in der legendären Serie „Derrick“, und seit 2002 ein sogenannter Publikumsliebling als Bürgermeister Wolfgang Wöller im Dauerbrenner „Um Himmels Willen“.

Mit fuchsroter Haartolle und Strohhut

Fritz Wepper, der virtuose, mit allen Wassern der Routine gewaschene Seriendarsteller, soll identisch sein mit diesem genialen jungen Darsteller bei Bernhard Wicki? Dass er es ist, und dass er sein Können nicht auf die hohe Kante eines Langzeitangestellten in Sachen leichter Fernsehkost legte, erkennt, wer Fritz Wepper in Bob Fosses 1972 gedrehtem Musicalfilm „Cabaret“ in der tragikkomischen Rolle des Fritz Wendel (wieder)sieht. Wie Wepper mit fuchsroter Haartolle, strichschmalem Oberlippenbart und Strohhut den Parvenü gibt, der sich rettungslos in eine bildschöne Berliner Millionärstochter verliebt, sie erst um des Geldes, dann um ihrer selbst willen umwirbt, und dennoch zaudert, weil sie, - es ist das Jahr 1932 - Jüdin ist, und wie er zuletzt gesteht, selbst Jude zu sein - das ist von einer so hinreißenden Lockerheit, verhaltenen Komik und unterschwelligen Melancholie, wie man sie seinerzeit allenfalls einem Dustin Hoffmann oder Mathieu Carriére zugetraut hätte.

Er hat sein Bestes gegeben

„Forget it“ bekam er zu hören, als er einem amerikanischen Agenten, der ihm wegen des „Cabaret“-Erfolgs Theater- und Filmrollen in New York und Hollywood anbot, erklärte, er müsse erst noch einen Fernsehvertrag in Deutschland erfüllen. Irgendetwas Unvergessliches hat er seither in Deutschland nicht mehr gedreht.

Aber vieles, dem Achtung gebührt: Seien es einzelne Szenen seiner Bürgermeister-Rolle, in denen er die Gelegenheit nutzt, im Klischee einen Charakter zu zeigen, sei es, wenn er in „Zwei Brüder“ gemeinsam mit seinem Bruder Elmar darstellerisch dem Affen Zucker gibt. Dass Fritz Wepper ein Verkannter wäre, ein Alleskönner, dem kein Regisseur die Chance gegeben hätte, seine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen, kann man nicht sagen. Dazu hat der Schauspieler wohl zu bereitwillig Rollen angenommen, die ihn auf bestimmte Genres festlegten. Aber er hat sein Bestes gegeben. Und wer weiß, was ihm, der heute seinen siebzigsten Geburstag feiert, vielleicht noch einmal angeboten werden wird. Gleichviel, ob oder ob nicht - seine Darstellung in Wickis „Brücke“ bleibt.

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Jahrgang 1949, Redakteur im Feuilleton.

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