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Fernsehvorschau: „Polizeiruf“ Ein Anschlag kommt selten allein

29.11.2009 ·  Habemus Papen, doch leider nur für einen Fall: „Klick gemacht“ mit dem verstorbenen Jörg Hube als Hauptkommissar Friedl Papen zeigt, was der „Polizeiruf“ hätte gewinnen können.

Von Hannes Hintermeier
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Oberleutnant Rolf Darkow ist ein ganz Schneidiger, einer, der von sich sagt, er sei ein Elitesoldat. Er hat in Afghanistan einen Einsatz geleitet, bei dem drei seiner Kameraden zu Tode kamen. Darkow hatte eine angeblich sichere Route für die Einsatzfahrzeuge befohlen, die sich als tödliche Falle erwies. Bei einem Heimaturlaub wird er von Vermummten verschleppt und steht alsbald mitten in der Nacht in Uniform auf einer Mine in einem Wald bei München. Eine Videokamera zeichnet sein Leiden auf. Wenn er den Fuß hebt, detoniert die Mine. So soll sein Geständnis erpresst werden, warum er den fatalen Befehl erteilte. Wie lange steht das einer durch?

Es ist die Nacht, in der Hauptkommissar Friedrich "Friedl" Papen als Nachfolger Taubers seine neue Dienststelle besucht, um sein Büro einzurichten - und stattdessen als erste, vorgezogene Amtshandlung einem alten Mann, der seine Frau mit einem Kissen erstickt hat, mit einem berührenden Trick ein Geständnis entlockt, indem er die Fragesituation umkehrt. "Sie stellen die Fragen", sagt er einfach so. Das ist ein Auftakt nach Maß für den "Polizeiruf: Klick gemacht" (BR).

Die Panzerfaust aufs Auge

Der am 19. Juni verstorbene Jörg Hube spielt den Papen: schwarzlederbejackt, zusammengepresste Lippen, in einem Faltengebirge Augen, die viel gesehen und gelernt haben, wie man mit Leid umgeht. Damit hapert es bei seinen Kollegen und auch bei seinem neuen Gegenüber, Feldjäger-Hauptmann Ulrike Steiger (zackig, aber lernfähig: Stefanie Stappenbeck). Sie ermittelt im Fall Darkow, und weil es auf jede Minute ankommt - im Verteidigungsministerium ist ein Video aufgetaucht, das den Entführten auf der Mine zeigt -, muss sie mit Papen kooperieren. Verdächtige sind schnell eingekreist: die Hinterbliebenen und die traumatisierten Kameraden des Afghanistan-Einsatzes.

Der Film passt wie die Panzerfaust aufs Auge zum aktuellen Schlamassel, in dem der ehemalige, der neue Verteidigungsminister und ganz Deutschland stecken: Afghanistan ist nicht umsonst ein medialer Dauerbrenner, der Einsatz dort kostet Menschenleben, eine Lösung ist nicht in Sicht, und die Spuren, die dieses "Engagement" auch in der Heimat hinterlässt, drängen immer stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit. Der "Polizeiruf" ist nicht der erste Film, der dieses gewachsene Interesse dokumentiert; auch hat er für die seelischen Verwüstungen der Kriegsheimkehrer noch keine anderen als die üblichen schnellen Rückblenden parat. Dass er dennoch zu den besseren Filmen des Genres gehört, hat mehrere Gründe.

Seitenblick auf München

Besonders stark ist der Film in der Regie von Stephan Wagner immer dann, wenn er sich Zeit nimmt, das Leiden Darkows zu zeigen. Dirk Borchardt wächst in dieser Rolle über sich hinaus, er spielt hier wirklich glänzend um sein Leben. Das Suchkommando wird in seinem Wettlauf gegen die Zeit kurz und schmerzhaft dazwischengeschnitten, das beschleunigt und schafft Raum für atmosphärische Zwischentöne wie den verschrobenen Polizisten Unterkofer, durch dessen Körper eine Pistolenkugel wandert, von der er glaubt, sie wäre gerade in seinem Hirn angekommen. Sigi Zimmerschied in einer feinen Miniatur: "München", sagt er. "Gegen Schlafstörungen gibt's nix Besseres."Dazu sehen wir den in seiner jovialen Verschlagenheit sehr bayerischen Staatsanwalt Karras (Heinz-Josef Braun), unverhohlen auf sein Fortkommen bedacht.

Schwächer ist der Film an den Stellen, wo es um die Vater-Tochter-Beziehung geht. Oberst Steiger (Paul Faßnacht), Ulrikes Vater, ist nämlich noch schneidiger und eiserner als Darkow. Er ist der ein wenig schematisch geratene große Vertuscher, der Unsere-Freiheit-am-Hindukusch-Verteidiger, der etwas von "Geheimhaltung" knarzt, die er nicht aufheben könne, von Auftrag und Mission. Dass er darüber die Liebe seiner Tochter verspielt, bemerkt er erst, als diese der Kaserne den Rücken kehrt. Verantwortungsfragen tauchen auf, wie so oft in Soldatenköpfen, wenn es zu spät ist.

Die Entführer rächen den Tod der Kameraden mit Folter, Zahn um Zahn, aber die Gleichung dieser verwundeten Hirne geht nicht auf, sie kann gar nicht aufgehen. Befehl ist Befehl, und Befehle kommen immer von oben, manchmal von ganz oben. Aber nie von unten. Dem Freidenker Papen fällt gegenüber dem Hauptmann Steiger dazu lapidar ein: "Befehl? Denken Sie doch selber." Am Ende reicht es nicht zu einem großen Fernsehfilm, aber die Minderleistungen der jüngsten "Tatort"-Generation stellt dieser "Polizeiruf" spielend in den Schatten.

Polizeiruf: Klick gemacht am Sonntag um 20.15 Uhr im Ersten.

Quelle: F.A.Z.
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