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Fernsehvorschau: Eine Nacht in Kairo Zwischen Bangen und Hoffen

 ·  Rafi Pitts, der Filmemacher aus Iran, hat seinen ägyptischen Kollegen Marwan Hamed durch das nächtliche Kairo begleitet. Sie treffen auf Menschen zwischen Zuversicht und Angst, und entdecken eine von Veränderung beseelte Stadt.

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Die neueste Folge der so bemerkenswerten Dokumentationsreihe „Durch die Nacht mit ...“ spielt genau an jenem Ort, der uns Anfang des Jahres so viele schlaflose Nächte bereitete: in Kairo, dem Synonym für den arabischen Protest. Dort stehen momentan die Zeichen auf Veränderung, auch wenn unklar ist, wer den Kampf zwischen revolutionären und reaktionären Kräften am Ende für sich entscheiden wird.

In der Dokumentation nimmt der iranische Filmemacher Rafi Pitts die Rolle des verblüfften Besuchers ein: Aus dem Pariser Exil herbeigeflogen, besucht er seinen ägyptischen Kollegen Marwan Hamed, den Regisseur des erfolgreichsten ägyptischen Films „The Yacoubian Building“, um zu erfahren, wie sich die Stadt der arabischen Hoffnung verändert hat. Dabei kommt der Iraner mit einem Fragenkatalog angereist, der ihm helfen soll, zu verstehen, was seine Landsleute aus dem ägyptischen Umsturz lernen können. Die Frage, die er sich immer wieder stellt, interessiert auch uns: Ist das, was in Ägypten passiert, in allen repressiven Staaten der Welt möglich?

Die beiden Filmemacher setzen sich auf einer kaum vierundzwanzig Stunden währenden Tour mit der kurzen Geschichte der Revolution auseinander. Sie sprechen mit Menschen, die den Mut aufbrachten, auf die Straßen zu gehen, die Stimme zu erheben und gegen Mubarak zu protestieren - ohne sich über den Erfolg des Protests sicher zu sein. Man sieht das Land in einem entscheidenden Moment, in dem die ganze Welt sich fragt, welche Richtung Ägypten einschlagen wird: den eines säkularen Verfassungsstaates oder den einer repressiven Theokratie? Das will auch Marwan Hamed wissen: „Wird Ägypten so enden wie Iran oder Iran wie Ägypten?“

Demokrat und Muslim zugleich?

Beide Regisseure kamen Ende Mai nach Berlin, um diesen Film dem deutschen Publikum vorzustellen - und auch hier fiel immer wieder die Frage nach der undurchsichtigen Zukunft des Landes: Werden die Muslimbrüder, wie viele befürchten, als die am besten organisierte politische Gruppe im Land, die Macht an sich reißen? Wird es zu einer reaktionären Verkettung kommen, die sowohl für Israel als auch für die westlichen Demokratien ein Schritt zurück bedeuten würde?

Obwohl in den vergangenen Wochen viel von postrevolutionärer Katerstimmung die Rede war: Wenn Marwan Hamed zu sprechen beginnt und von jenen Nächten erzählt, in denen er mit seinen Freunden gegen die Ungerechtigkeit Mubaraks protestierte, sich bewaffnete und den ägyptischen Schlagstockmilizen die Stirn bot, dann spürt man den aufgeheizten, ungebrochenen Optimismus, von dem der junge Mann beflügelt ist. Marwan Hamed ist zuversichtlich, dass vor den Wahlen im September eine Verfassung verabschiedet wird, die den Menschen einen laizistischen Staat garantiert. Nur so kann sich das multikulturelle Ägypten in eine tolerante Republik verwandeln.

Auch im Film diskutieren beide Regisseure fortwährend über die Rolle der Religion, während sie durch die engen Gassen des nächtlichen Kairo spazieren. Dabei fallen auch beruhigende Worte: „Es gibt viele sehr religiöse Menschen, die trotz ihres Glaubens eine Trennung von Staat und Kirche wollen. Nur weil jemand an den Islam glaubt, heißt das nicht, dass er nicht auch an die Demokratie glauben kann. Das Wort religiös macht mir keine Angst“, sagt Hamed. Und doch weiß er genau, dass eine islamische Revolution alle freiheitlichen Errungenschaften vernichten würde.

Gründe für die Eskalation

Demokratie - nur dieses eine Wort wollen die meisten jungen Menschen jetzt hören. Die Notwendigkeit dafür dringt vor allem dann ins Bewusstsein, wenn man die beiden Filmemacher an einem Platz vorbeifahren sieht, auf dem sich eine für Kairo symptomatische Szene ereignet: Die Kopten, die ägyptischen Christen, sind auf der Straße, um gegen die islamische Unterdrückung zu demonstrieren. So bekommt man einen Eindruck davon, wie angespannt die Stimmung ist - eine Mischung aus Zuversicht und Angst.

Vor allem die zwischenmenschlichen Begegnungen vermitteln den emphatischen und doch ambivalenten Geist des Protests. Etwa dann, wenn das Zweiergespann auf einen jungen Mann trifft, der ihnen erzählt, dass es nicht nur ökonomische Gründe waren, die ihn und seine Freunde auf die Straße trieben (siebzig Prozent der Ägypter sind jünger als dreißig): Der Fußballfan, der sich in den Stadien politisiert hat, erwähnt, wenn er nach den Gründen für seinen Zorn befragt wird, an erster Stelle den Palästinenserkonflikt: „Viele Ägypter fühlen Solidarität mit den Palästinensern. Auch das ließ die Stimmung im Land eskalieren.“

Gut genug für einen schlechten Sendeplatz?

Auf dem Tahrir-Platz drängen und schlängeln sich die Autos wieder so chaotisch im Kreis, als ob nie eine Revolution stattgefunden hätte. Aber nein, es gibt doch einen Unterschied, sagt Hamed. Die Ordnungshüter auf den Straßen verhielten sich zivilisierter, drohten nicht sofort mit Gefängnis, wenn man in eine Ausweiskontrolle gerate. Die Zurückhaltung der Autorität - das sei die größte Verbesserung nach der Revolution. Alle hoffen, dass die positive Stimmung nicht ins Gegenteil kippt.

Aber noch überwiegt der Optimismus - und dieser Optimismus überträgt sich auch auf den Zuschauer. Nach fünfzig turbulenten Minuten möchte man deshalb nur einen Einwand gelten lassen: Schade, dass Arte dieses Sendeformat so spät in der Nacht zeigt. Die Bilder hätten die Aufmerksamkeit einer breiten Öffentlichkeit verdient - gerade jetzt, wenn in Kairo, diesem mythischen Ort, über das Schicksal Ägyptens entschieden wird. Marwan Hamed sagt einmal: „Kairo ist eine Stadt, in der man nie weiß, was einen erwartet.“

Durch die Nacht mit Rafi Pitts und Marwan Hamed läuft um 0.45 Uhr bei Arte.

Quelle: F.A.Z.
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