12.09.2009 · Als deutscher Kommissar in Schweden spielt Walter Sittler groß auf. Doch ist die Liebe, deretwegen er gen Norden zog, dahin. Und die Sehnsucht endet - mit einem Mord. Die Verdächtigen wechseln in diesem sehenswerten Krimi wie die Perspektiven.
Von Arne LeyenbergKurz nachdem die Geliebte ihren verheirateten Architekten vergiftet auffindet, zieht sie Bilanz: „Ich bringe den Männern nur Unglück.“ Das trifft umgekehrt genauso zu. Die Männer auf der Insel Gotland setzen Sylvia Lindström (Regina Lund) ganz schön zu, körperlich wie emotional.
Vater und Sohn sind hin und weg
Dass sie überhaupt so lange standhaft bleibt, grenzt an ein Wunder. Der in die Jahre gekommene Vamp mit den eisblauen Augen, der auf Vater wie Sohn gleichermaßen anziehend wirkt, ist nicht nur der wasserstoffblond gefärbten Haare wegen der Fixpunkt des Films „Schwarzer Engel“, des sechsten Teils der Krimireihe „Der Kommissar und das Meer“, die von dem deutschen Kommissar Robert Anders (Walter Sittler) handelt, den es der Liebe wegen nach Schweden verschlagen hat.
Sylvia Lindström verbindet die Figuren miteinander, bei ihr sammeln sich die Tatmotive. Stecken hinter dem Mord an Viktor Algard (Johan Hedenberg) dessen Frau und ihr cholerischer Bruder, der schon dadurch verdächtig ist, dass er Apotheker ist? Wollte sich Algard tatsächlich Sylvia Lindström zuliebe scheiden lassen? Selbst die Polizei auf der schwedischen Insel Gotland steht nicht nur in einem professionellen Arbeitsverhältnis zu ihr. Der Gerichtsmedizinerin Ewa, gespielt von Inger Nilsson, hat Sylvia einst, noch in der Schule, den Freund ausgespannt. Die Geschichte wird die beiden näher zusammenbringen, als zumindest einer von ihnen recht sein kann.
Der Kommissar starrt aufs Meer
Der Film des Regisseurs Anno Saul nach einer Romanvorlage von Mari Jungstedt erzählt unaufgeregt eine Geschichte von der Sehnsucht nach Liebe, falscher Zuneigung und tödlicher Rachsucht. Wo Tempo aufkommt, wird es von Kommissar Anders wieder herausgenommen. Dann steht er am Meer und lässt seinen Blick gedankenverloren über das Wasser streifen. Der Kommissar und das Meer eben. Der Kumpeltyp Sittler wirkt erstaunlich souverän in seiner Rolle als Kommissar, geht ihm doch zu Hause jegliche Autorität ab. Es kriselt in der Ehe, am Leben seiner Tochter hat er kaum noch Anteil. Seine Frau wünscht sich einen Tapetenwechsel, schließlich streicht sie die Wände im Haus bunt an. Es scheint nur eine Frage der Zeit, bis auch Anders ausgewechselt wird. Das wäre dann einen ganz besonders langen und melancholischen Blick hinaus auf das Meer wert.
Die Kamera ist nahe dran an den Figuren des Films, nimmt sie nur aus der Ferne auf, um die melancholische Weite der Ostseeinsel einzufangen. Die Rollen sind durchweg gut besetzt, vom verschuldeten Sohn des Opfers, den James Dean von Gotland, über Anders’ ständig unpassend grinsenden Assistenten Kommissar Thomas Wittberg, bis hin zum jungenhaften Aushilfspathologen Mats Östlund (Martin Wallström), der schlichtweg am besten spielt. Die Verdächtigen wechseln wie die Perspektiven, bis zum Schluss bleibt der Ausgang offen. Nur das Motiv des überraschenden Täters wirkt konstruiert.