15.10.2009 · Ehrung für einen Chefredakteur, der manchem Politiker ein Dorn im Auge ist: Vor der Garde öffentlich-rechtlicher Fernsehmacher ist Nikolaus Brender mit dem Hanns Joachim Friedrichs-Preis für Fernsehjournalismus ausgezeichnet worden.
Von Andreas RossmannAm Pförtner vorbei durch die – summ! – elektromagnetisch gesicherte Tür neben der Toreinfahrt mit dem Rollgitter, über den Innenhof in den Seiteneingang, an dem ein Security-Man auf der Gästeliste den Namen abhakt, dann zwei Stockwerke treppab, durch zwei Türen und einen schmalen Gang voller Warnschilder – „Achtung Baustelle!“ – entlang: Tief in die labyrinthische Unterwelt des Kölner WDR-Komplexes musste am Mittwochabend hinunter gestiegen werden, um einer Manifestation beizuwohnen, welche die allergrößte Öffentlichkeit verdient gehabt hätte und sie anschließend, mit einer Fernsehzusammenfassung kurz vor Mitternacht, auch halbwegs bekam: Im TV-Studio B, wo „Quarks & Co.“ oder „Hart, aber fair“ aufgenommen werden, aber auch in der Adventszeit die „Lebkuchen-Sitzungen“ der Gremien abgehalten wird, wurde Nikolaus Brender vor der fast komplett erschienenen Garde öffentlich-rechtlicher Fernsehmacher mit dem Hanns Joachim Friedrichs-Preis für Fernsehjournalismus ausgezeichnet.
Die Ehrung war nicht so sehr ein „Heimspiel“ für den Chefredakteur des ZDF, zu dem die stellvertretende WDR-Intendantin Eva-Maria Michel ihren langjährigen Auslandschef, Chefredakteur und Programmchef Fernsehen begrüßte, als vielmehr ein Auswärtssieg des Mainzer Senders beim stärksten ARD-Wettbewerber. Denn auch der Förderpreis ging auf den Lerchenberg, an Astrid Randerath und Christian Esser, Redakteure und Reporter bei „Frontal 21“, die für ihre Dokumentation „Das Pharmakartell – Wie Patienten betrogen werden“ ausgezeichnet wurden. Das, so die Jury, „herausragende Beispiel von investigativem Journalismus“ war auch Ausweis für Brenders Personal- und Programmpolitik: Glanzstück eines Formats, das unter seiner Ägide beim ZDF entwickelt wurde. Dass Markus Schächter der Preisverleihung beiwohnte, war insofern mehr als eine Geste: Auch der ZDF-Intendant durfte er sich an diesem Abend doppelt geehrt fühlen.
„Vorbildhafte, journalistische Haltung“
Einen solchen Förderpreis hätte der junge Brender einst auch verdient gehabt: Etwa für den Beitrag, den er als Südwestfunk-Reporter über einen DKP-Briefträger im badischen Gaggenau gemacht hat. Noch der kleine Ausschnitt, der daraus gezeigt wurde, vermittelte mehr als eine Ahnung des Unmuts, den er sich damals von Politik und Rundfunkrat zugezogen hat. Heute, mehr als dreißig Jahre später, wird Brender, als Chefredakteur dem Alltagsgeschäft enthoben, „für seine vorbildhafte, journalistische Haltung“ geehrt. Bewiesen hat er sie nicht erst an jenem denkwürdigen Abend des 18. September 2005, als er die Unterstellungen eines sich machtgierig daneben benehmenden Nicht-mehr-Bundeskanzlers Gerhard Schröder zurückwies und ihm in die Parade fuhr: „Herr Schröder, ich nenne Sie jetzt nicht mehr Herr Bundeskanzler, sondern Herr Schröder. Sie haben uns nichts zu unterstellen, wie wir Ihnen nichts unterstellen.“
Doch war es dieser entscheidende Augenblick, so Frank Schirrmacher, Mitherausgeber dieser Zeitung, in seiner Laudatio, der Brenders Auftritt zu einer „Manifestation von Unabhängigkeit“ und ihn zum „Zeugen journalistischer Autonomie“ gemacht hat: In einem „Musterbeispiel von Delegitimation“ habe er die Lehre von den zwei Körpern des Königs, zwischen denen Ernst Kantorowicz in seiner Studie zur politischen Theologie des Mittelalters unterscheidet, in die Medienwelt des einundzwanzigsten Jahrhunderts übertragen. Eben diese Souveränität habe die Politik herausgefordert, „die Instrumente zu zeigen“, und so gehe es bei seiner anstehenden Wiederwahl um nicht weniger als um „die Demarkationslinie zwischen Journalismus und politischer Macht“.
„Es geht da ja nicht nur um mich“, sagte denn auch Brender. Die Auszeichnung nehme er, was in Köln ja, wie er schmunzelnd hinzufügte, bei Fernsehpreisen nicht immer so sei, sehr gerne an. Doch sprach er auch an, was daran schwierig sei für einen Chefredakteur. Denn die Haltung, für die er prämiert werde, sei für ihn eine Selbstverständlichkeit. Dass sie ausgezeichnet wird, ist so auch ein Indiz dafür, dass das Selbstverständliche nicht (mehr) selbstverständlich ist. Was das für ihn bedeuten kann, sprach der ZDF-Chefredakteur gelassen aus: „Wenn du Glück hast, kriegst du einen Tritt in die Freiheit“, habe „jemand“, so erzählt er, die Möglichkeit, dass er nicht wiedergewählt wird, kommentiert. „Was ich aber nicht hoffe“, ergänzte Brender, und das Plenum der Preisverleihung stimmte ihm zu. Der Tritt würde das ZDF, würde die Unabhängigkeit des Journalismus in Deutschland beschädigen.
Inzucht
Stefan Uhlig (printul)
- 15.10.2009, 14:45 Uhr
Ich nehme doch an, dass
Gustav Mahler (GustavMahler)
- 15.10.2009, 14:58 Uhr
Abschaffen
Karl Meier (KarlMeier)
- 15.10.2009, 15:18 Uhr
Brender ein "Egozentriker"?
Wilhelm Westerkamp (Ralf128)
- 15.10.2009, 19:59 Uhr
Worum gehts denn dann?
joachim karl (karlallendorf)
- 17.10.2009, 19:36 Uhr