16.06.2010 · Der Fernsehkonzern Pro Sieben Sat.1 trennt sich von seinem Nachrichtensender N24. Wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte, erhält den Zuschlag ein Bieterkonsortium um das N24-Management sowie den früheren „Spiegel“-Chefredakteur Stefan Aust.
Der Verkauf des Nachrichtensenders N24 an ein Konsortium um den ehemaligen „Spiegel“-Chefredakteur Stefan Aust ist abgeschlossen. Die Sendergruppe Pro Sieben Sat. 1 und die neugegründete N24 Media GmbH mit Sitz in Berlin unterzeichneten am Mittwoch den Kaufvertrag, wie beide Unternehmen mitteilten. Die neue N24-GmbH wird demnach bis Ende 2016 die Nachrichten für Sat.1, Pro Sieben und Kabel eins liefern, für das Sat.1-Frühstücksfernsehen „bis mindesten Mitte 2014“. Die „qualitativ hochwertige Nachrichtenversorgung“ der Privatsender sei somit langfristig gesichert, betonte Pro Sieben Sat.1-Chef Thomas Ebeling.
Nach Angaben von Pro Sieben Sat.1 kostet die Abgabe des Senders bis zu 41 Millionen Euro, dazu kommen Abschreibungen auf Anlagegüter von bis 12 Millionen Euro. Zum 1. September 2010 sollen nach heutigem Stand 218 Vollzeitstellen bei N24 besetzt sein, von denen voraussichtlich dann 72 durch Vertragsaufhebungen oder Kündigungen abgebaut werden sollen. Die Moderatoren der Nachrichten von Sat.1, Pro Sieben und Kabel eins sollen künftig bei den Sendern angestellt sein.
Aust zuständig für „News Business“
Ebeling hatte Ende 2009 gesagt, er prüfe den Verkauf von N24. Mit seiner Äußerung, Nachrichten seien zwar „für das Image bei Politikern wichtig, aber nicht unbedingt bei allen Zuschauern“, hatte er viel Kritik bezogen. Medienberichten zufolge gab Pro Sieben Sat. 1 rund 40 Millionen Euro im Jahr für N24 aus.
Chef der neuen N24 Media GmbH ist Torsten Rossmann, der bisherige Geschäftsführer von N24, Aust ist als Geschäftsführer zuständig für das „News Business“. Beide halten einen Anteil von jeweils 26 Prozent an dem neuen Unternehmen. Mit jeweils zwölf Prozent mit im Boot sind auch Thorsten Pollfuß, ehemals kaufmännischen Leiter von Spiegel TV, sowie die beiden N24-Manager Frank Meißner (zuständig für Produktion und Technik) und Karsten Wiest (zuständig für Finanzen).
„Meine Aufgabe wird es vor allem sein, mich ab sofort um zusätzliche Aufträge für neue Reportagen und Dokumentationen zu kümmern“, erklärte Aust. Der 63 Jahre alte Journalist und Gründer von „Spiegel TV“ hatte zuletzt ein neues Nachrichtenmagazin unter dem Arbeitstitel „Woche“ auf den Markt bringen wollen. Der Medienkonzern Axel Springer („Bild“, „Die Welt“) und die WAZ-Gruppe („Westdeutsche Allgemeine Zeitung“), die als Partner dafür im Gespräch waren, zogen sich aus dem Projekt zurück.
Fünfzig Reportagen pro Jahr
N24 will sein Programmschema weitgehend beibehalten, sich aber stärker auf die Politik-Berichterstattung konzentrieren. Bis zum vierten Quartal 2011 will der Sender ein deutsches Netzwerk von Videojournalisten mit 13 Stellen aufbauen. Ein Teil der N24-Magazine, die bisher von der Pro-Sieben-Sat.1-Gruppe zugeliefert wurden, sollen durch Dokumentationen und Reportagen ersetzt werden. Pro Jahr will N24 rund 50 Reportagen in Auftrag geben.
Nachfolger von Peter Limbourg als Chefredakteur wird Arne Teetz, sein bisheriger Stellvertreter. Limbourg, der als Vizepräsident für Nachrichten und politische Information in die Pro Sieben Sat. 1 TV Deutschland GmbH wechselt, präsentiert weiter die Nachrichten bei Sat. 1.
Pro Sieben Sat. 1 war 2009 dank besserer Werbegeschäfte in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt. 2006 war eine Übernahme des Senderverbunds durch Axel Springer am Widerstand des Kartellamts gescheitert. In der Folge ging das Unternehmen mehrheitlich an die Finanzinvestoren KKR und Permira. Nach der von den beiden Haupteigentümern angestoßenen Übernahme der skandinavischen Sendergruppe SBS litt Pro Sieben Sat. 1 unter einer Schuldenlast von mehr als drei Milliarden Euro.