20.05.2009 · Kommentarlos hatte Stefan Raab das Gruselkabinett des Eurovision Song Contests in seiner Sendung noch einmal Revue passieren lassen. Wenn er jetzt mit der ARD gemeinsame Sache machte, wäre es eine Sensation und ein Wagnis zugleich.
Von Michael HanfeldBei Stefan Raab konnten wir uns am Montag das ganze Elend noch einmal ansehen. Den quietschfidel quiekenden Norweger, der den European Song Contest gewonnen hat, den Kopulationstanz der Georgier und den Softpornoballermannhit „Miss Kiss Kiss Bang“ von „Alex sings, Oscar swings, Deeta strips“, mit dem Deutschland verdientermaßen unter ferner liefen auf Platz zwanzig der Veranstaltung landete. Welch ein Gruselkabinett ist da zu besichtigen, da braucht es keinen Kommentar, nur einen Stefan Raab, der auf den Abspielknopf drückt und den Wahnsinn noch einmal Revue passieren lässt.
Gespannt haben wir allerdings darauf gewartet, ob er dazu noch etwas in eigener Sache sagen würde, nach dem Motto: Im nächsten Jahr mache ich das übrigens alles besser, gemeinsam mit der ARD. Auf dass Pro Sieben und das Erste im Verein wenigstens für einen Achtungserfolg bei der europäischen Schlagerparade sorgen, so wie es Raab einst selbst tat oder der von ihm geförderte Guildo Horn. Man kann bei Raab eine Menge vermissen, halbwegs geistreichen Humor zum Beispiel, in Sachen Musik aber hat er etwas los und - jetzt wird es pathetisch - für Deutschland auf der internationalen Fernsehmusikbühne mehr geleistet als Ralph Siegel mit seinen geschätzt 102 Retortenliedern, die stets so klangen, als habe er das Melodienblatt bei Dieter Bohlen aus dem Papierkorb gefischt.
Nihct auszudenken: Diese Publikumsverjüngung!
Raab und die ARD, das wäre eine Sensation und ein Wagnis zugleich, würden doch beide über ihren Schatten springen. Raabs Spontankraft, mit der er berserkerhaft das Programm von Pro Sieben stemmt, träfe auf die Bedenkenträgerkultur der ARD, die in solchen Fällen wie eine Rundfunkbürokratie mit angeschlossenen Sendehäusern wirkt. Die könnte am Ende den Plan des NDR-Unterhaltungschefs Thomas Schreiber noch verhindern, es gemeinsam mit Stefan Raab zu versuchen.
Am Dienstag hätte es schon so weit sein können, die neue Ära zu verkünden, doch es gab noch Bedenken. Bis sich alle Unterhaltungsabteilungsleiter und Programmdirektoren auf einen solchen Schritt, der nur von ihrer Warte aus kühn erscheint, verständigt haben, braucht es seine Zeit. Und dann gibt es ja noch die „Gremlins“ in den Gremien, wie Günther Jauch sie nannte, als sein Übertritt ins Erste scheiterte. Vielleicht aber sind wir an diesem Mittwoch schon schlauer. Wir hoffen. Nicht auszudenken, wie sehr die ARD ihr Publikum verjüngte, käme es zu dem privat-öffentlich-rechtlichen Senderpakt. Eines ist sicher: So etwas wie „Miss Kiss Kiss Bang“ wäre „Wadde-Hadde-Dudde- Da“-Stefan Raab nicht passiert.
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