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Emmy-Verleihung Dichter bepackt und schneller vorbei

21.09.2009 ·  Viele alte Bekannte und ein paar neue Gesichter bei der 61. Vergabe der Emmys: Volle drei Stunden währte die Schau, und dass sie nicht ihre vorgesehene Sendezeit überschritt, war vielleicht ihre größter Trumpf und Triumph.

Von Jordan Mejias
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Einer wurde vergessen. Und der hatte erst am Morgen eine TV-Parforcetour hingelegt, wie sie überhaupt nur ihm zuzutrauen ist. Präsident Obama machte die Runde durch die drei maßgeblichen politischen Talkshows von ABC, NBC und CBS, schaute zwischendurch bei CNN vorbei und vergaß auch nicht Univision, den spanischsprachigen Kanal. Karl Rove, der Architekt der schließlich zusammengekrachten Präsidentschaft George W. Bushs, höhnte zwar vorbeugend im „Wall Street Journal“, Obama solle lieber für die Unterstützung seiner Landsleute beten, aber wie er dann Stunde um Stunde und Kanal um Kanal vor allem für seine Gesundheitsreform Stimmung machte, war nicht zuletzt auch darstellerisch eine Glanzleistung. Er hätte dafür wahrlich einen Emmy verdient.

Gut, vergeben wurden am Abend zum einundsechzigsten Mal die Preise für die besten Fernsehsendungen in Primetime, aber auch da fehlt Obama ja selten. Zu David Letterman macht er zum Beispiel Montagabend einen Abstecher, wieder in der hochdramatischen Rolle des Gesundheitsreformers. Er wäre also im Nokia Theatre in Los Angeles, wo dieses Jahr die Emmys vergeben wurden, sicher nicht nur am richtigen Platz zur richtigen Stunde gewesen, sondern auch begeistert gefeiert worden. Nebenbei hätte er einen Schwachpunkt der Veranstaltung beseitigt, nämlich ihre Berechenbarkeit, über die schon im voraus endlos Klage geführt wurde.

Der Moderator als erster Joker

Allzu oft gehen die Emmys an die Stars und Shows, die bereits viele Emmys vorrätig haben. Die Quittung des Fernsehpublikums war letztes Jahr besonders eindrucksvoll, als die Preisverleihung weniger Zuschauer hatte als je zuvor in den vergangenen zwanzig Jahren.
Die Academy of Television Arts & Sciences kam folglich nicht darum herum, sich etwas einfallen zu lassen, und ihr erster Joker war Neil Patrick Harris, der im Hauptberuf in der Serie „How I Met Your Mother“ das von der Werbung begehrte Jungvolk vor die Mattscheibe lockt. Harris, ungeniert schwul und trotzdem im amerikanischen Mainstream willkommen, hatte die Verleihung der Tonys, der Theaterpreise des Broadway, virtuos moderiert und witzig besungen und den chronischen Zuschauerschwund mit Erfolg rückgängig gemacht. Denselben Trick sollte er auch bei den Emmys wiederholen. Vielleicht hat er's geschafft.

Im Gegensatz zur vorjährigen Gala hatte die Show Drive und Flair, war dichter bepackt und schneller vorbei, unterschied sich aber auch nicht wesentlich von den Abenden, an denen Oscars und Tonys glamourös von Hand zu Hand gehen. Wie immer bleibt für Gewinner in ihren Kabelnischen der Trost: Sollten auch künftig nicht viel mehr Zuschauer sich eine preisgekrönte Sendungen ansehen, so ist ihr zumindest ein Prestigegewinn sicher.

Preise an die üblichen Verdächtigen

An der Verteilung der Preise konnte Harris freilich auch nichts ändern. Die gingen in den Hauptkategorien meist wieder an die üblichen Verdächtigen, auch wenn sie nicht ganz so heftig mit Emmys überschüttet wurden wie letztes Jahr und hier und da sogar einigen Newcomern weichen mussten. Wie eh und je galt die Regel, dass Sendungen nicht unbedingt viele Zuschauer anziehen müssen, aber ganz bestimmt bei den Insidern des TV-Showbiz gut ankommen sollten. So war „30 Rock“, die zweifellos coole TV-Comedy über eine TV-Comedy, die in einer guten Woche bescheidene siebeneinhalb Millionen Zuschauer anzieht, gleich zweiundzwanzig Mal nominiert. Ausgezeichnet wurde sie jetzt zum vierten Mal nacheinander als beste Comedy-Serie, die sich auch des besten Hauptdarstellers in Form von Alec Baldwin rühmen darf.

Als beste Hauptdarstellerin nahm allerdings Toni Collette, in „United States of Tara“ als persönlichkeitsgespaltene Mutter in Aktion, die glitzernde Statuette entgegen, worüber Tina Fey, die letztes Jahr gewann, nicht eben in Ekstase geraten mochte. Fey, die Erfinderin von „30 Rock“, bekam indes einen Preis für ihr schon legendäres Doppelgängertum als Sarah Palin, ehemalige Vizepräsidentschaftskandidatin und Gouverneurin von Alaska.

„Family Guy“, die Animationsserie, die ebenfalls im Rennen um den Emmy für die beste Comedy war, ging leer aus. Aber allein die Nominierung wurde als kleines Wunder angesehen. Zum letzten Mal war einer Animationsserie im Jahr 1961 eine solche Ehre widerfahren, und damals blieben auch den „Flintstones“ Sieg und Emmy verwehrt. Das Retrodrama „Mad Men“, hip wie neuerlich die Sixties, wurde abermals zur besten Dramenserie gekürt. Insgesamt war es ein Abend, an dem die Kabelsender wieder die altehrwürdigen Fernsehgesellschaften überrunden konnten und viel von einem Goldenen Zeitalter des Fernsehdramas geschwärmt wurde. „Grey Gardens“, die seltsam faszinierende Geschichte zweier skurriler Verwandter der nach wie vor faszinierenden Jacqueline Kennedy Onassis, soll der beste Fernsehfilm gewesen sein, „Little Dorrit“ nach Charles Dickens die beste Miniserie. „The Amazing Race“ war zum siebten Mal unschlagbar in der Abteilung Reality-TV. Ihren Sieg vom vergangenen Jahr konnte auch Glenn Close als Prozessanwältin in „Damages“ wiederholen. Und gegen die satirische Nachrichtensendung „The Daily News With Jon Stewart“ kam selbst ein David Letterman nicht an.

Volle drei Stunden währte die Schau, und dass sie nicht, wie es der Oscar-Zeremonie immer wieder gelingt, ihre vorgesehene Sendezeit überschritt, war vielleicht ihre größter Trumpf und Triumph.

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Jahrgang 1949, Feuilletonkorrespondent in New York.

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