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Ein Gespräch mit Thomas Gottschalk Naomi hat mich längst vergessen

13.02.2011 ·  Mit der Entscheidung aufzuhören hadert Thomas Gottschalk auch einen Tag nach der Bekanntgabe nicht. Allen Umstimmungsversuchen zum Trotz: Er verlässt „Wetten, dass ..?“ als sei es nichts, wenn auch aus fatalem Anlass.

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Sie haben sich entschlossen, nach der Show im Sommer mit „Wetten, dass ..?“ aufzuhören. Sie sagten, seit dem Unfall des Wettkandidaten Samuel Koch liege ein „Schatten“ auf der Sendung. Doch Sie trifft ja keine Schuld. Warum also jetzt das Ende?

Thomas Gottschalk: Der Unfall hat eine Entscheidung vorgezogen, die ohnehin auf mich zukam. Ich habe Samuel bei meinem Besuch eindrücklich klargemacht, dass er genauso wenig „schuld“ an meinem Abschied ist, wie er eine Schuld für sein Unglück bei mir sieht. Aber es gibt im Leben schicksalhafte Begegnungen und das war so eine.

Das Publikum aber will doch ganz offensichtlich, dass Sie weitermachen – wie anscheinend überhaupt alle. In der Show am Samstag war keiner auf der Bühne, der nicht gesagt hätte, Sie sollten nicht aufhören. Für Naomi Campbell sind Sie sogar eine „Institution“.

Naja, wenn alle begeistert geklatscht hätten, als ich gesagt habe, ich höre auf, wäre ich wahrscheinlich ein bisschen beleidigt gewesen. Und Naomi sitzt gerade in Paris beim Kaffee oder in Moskau bei Champagner und hat mich längst vergessen.

Oder wäre in diesem Jahr ohnehin der richtige Zeitpunkt für den Absprung gewesen: Dreißig Jahre „Wetten, dass ..?“, 25 Jahre mit Thomas Gottschalk.

Wenn mir so ein Unglück am Anfang meiner Karriere passiert wäre, hätte ich das vielleicht wegmoderiert. Selbst jemand, dem der Ernst der Lebens beruflich nie begegnet ist, macht privat und als Mensch einen Reifeprozess durch. Ich habe Kinder im gleichen Alter wie Samuel. Sein Leben hat sich dramatischer verändert als meines, ich musste nur eine Show aufgeben, er die meisten seiner Träume.

Sie haben gesagt, im Nachhinein betrachtet, komme Ihnen manche Wette gefährlich vor. Haben wir das alle kollektiv ignoriert? Wirkt das nach dem Unfall alles anders? Kaum eine andere Show erscheint zumindest so familienverträglich und im positiven Sinne „harmlos“ wie „Wetten, dass..?“

Wir haben natürlich angefangen an den Wetten designermäßig herumzubasteln, um sie einer Erwartung anzupassen, wie es sie bei dem, wie ich meine zu Unrecht verhätschelten Publikum der Dreizehn- bis Neuunddreißigjährigen gibt. Schauen sie sich mal an, was bei „Jackass“ passiert. Und meine Söhne zeigen mir dauernd irgendwelche Clips bei Youtube „wo es wirklich abgeht“. Und wir müssen jetzt auf Kindergeburtstag zurückschrauben, wo Mutti nicht aus dem Raum geht.

Den Kritikern konnten Sie es all die Jahre nie Recht machen.

Das ist mein großer Trost. Nachdem ich gesagt habe, dass ich aufhöre, lese ich erstmals Kritiken, über die ich mich richtig freue. Fast möchte man weitermachen!

Die Fragen stellte Michael Hanfeld

Quelle: F.A.Z.
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