Ob das die Wende der Geschichte ist? Die suspendierte Fernsehspielchefin des Norddeutschen Rundfunks, Doris Heinze, hat dem Sender gegenüber eingeräumt, dass sie sich selbst hinter dem Pseudonym „Marie Funder“ verbirgt. Eine entsprechende Bestätigung ihres Rechtsanwalts Gerd Benoit sei eingegangen, teilte der Sender mit. Bis dato hatte der Anwalt dies in Abrede gestellt und darauf verwiesen, dass allein Heinzes Ehemann Claus Strobel unter dem Pseudonym „Niklas Becker“ auftrat.
Doris Heinze, so der NDR, habe unter Pseudonym über externe Produktionsfirmen zwei Drehbücher und ein Treatment geschrieben. Nun sei belegbar, um welche Produktionen es sich handelte: die Bücher für „Die Freundin der Tochter“ und den nicht realisierten Film „Dienstage mit Antoine“ sowie ein Treatment für den „Polizeiruf 110: Die armen Kinder von Schwerin“. Heinzes Anwalt habe signalisiert, dass alle in diesem Zusammenhang erfolgten Zahlungen offengelegt würden.
Spaß am Rollenspiel
Damit kämen die Ermittlungen einen Schritt weiter und damit ist endgültig bestätigt, dass die Agentin Inga Pudenz, deren Name zwischenzeitlich ins Spiel kam, nicht „Marie Funder“ ist. Inga Pudenz, sagte ihr Anwalt zudem, habe nie ein Drehbuch geschrieben und außer normalen Agenturprovisionen kein Geld erhalten. Sie habe an anderweitigen Konstellationen nie partizipiert.
Derweil darf man wohl davon ausgehen, dass Doris Heinze und die ebenfalls von ihrer Aufgabe entbundene Produzentin Heike Richter-Karst an dem Rollenspiel mit Pseudonymen sogar Spaß hatten, mit dem der NDR, die Firma AllMedia und die Zuschauer an der Nase herumgeführt worden sind. Denn da gibt es zum Beispiel zwei vielsagende Rollennamen: Nina Becker und Niklas Tremsaal.
Was für ein Verwirrspiel
So hießen die Hauptfiguren der Komödie „Heiraten macht mich nervös“. Zieht man den ersten Familiennamen und den zweiten Vornamen zusammen, ergibt sich ein dritter, der Berühmtheit erlangte: Niklas Becker. So nannte sich bekanntlich Claus Strobel, der Ehemann von Doris Heinze. Und genau die hat den Film betreut. „Heiraten macht mich nervös“ wurde von der Produzentin Heike-Richter-Karst erstellt. In Auftrag gegeben wurde der Film von der „Buyout-Gruppe“ der ARD-Filmtochter Degeto, dort saß Doris Heinze am Drücker.
Was für ein Namedropping, was für ein Verwirr- und Suchspiel. Sieben Drehbücher und ein Treatment sind bekannt, die unter falschen Namen geschrieben wurden, vier Pseudonyme gibt es: Niklas Becker alias Claus Strobel, Marie Funder alias Doris Heinze und Markus Benz und Monika von Lüdinghausen alias - das ist die Frage, als echte Besetzung kommt Doris Heinze in Frage oder die Produzentin Heike Richter-Karst. Das Gesamtwerk der beiden wird vom NDR und von der Produktionsfirma AllMedia umgewälzt. Es geht auch um den „Polizeiruf“ des NDR, und dabei muss der Sender noch einige fragwürdige Rechnungen prüfen.
Eine ganze Branche in Abhängigkeit gezwungen
Der Verband Deutscher Drehbuchautoren hat derweil den vom NDR erhobenen Vorwurf zurückgewiesen, Wissen über den Fall Heinze zurückgehalten zu haben. Das Vorstandsmitglied Pim Richter habe von „Hinweisen“ gesprochen, dem Verband seien Gerüchte bekannt gewesen. Versagt habe die Kontrolle im Sender, diesem seien „die Gerüchte bekannt wie uns“. Vor einigen Jahren schon habe es den Versuch gegeben, den Machtmissbrauch in den öffentlich-rechtlichen Sendern anzuprangern, wobei auch der Name Doris Heinze gefallen sei. Doch habe es eine „geschlossene Verteidigungslinie der Sender“ gegeben. Ein „System der unkontrollierten Machtfülle der leitenden Redakteure in der ARD“ habe die Branche in Abhängigkeit gezwungen. Was beim NDR passiere, sei „ein Super-GAU des öffentlich-rechtlichen Fernsehens“.
Die ersten beiden Episoden des neuen NDR-„Polizeirufs“ aus Rostock, die bislang bei der AllMedia lagen, soll auf Bitten des NDR übrigens die ebenfalls zu der Firma MME Moviement zählende Tochtergesellschaft Filmpool übernehmen mit der Produzentin Iris Kiefer. Darauf haben sich das Management und der Norddeutsche Rundfunk verständigt. Die Dreharbeiten beginnen in zwei Wochen.
Kriminelle Bande !
Dr. Uwe Reinking (idoc)
- 02.09.2009, 19:51 Uhr
Und die ÖR-Sender machen sich schleunigst weiße Füße
Paul Fischer (HHeureka)
- 02.09.2009, 21:24 Uhr
Strukturelle Kriminalität ist allgemein akzeptierte Methodik
Fredericus Secondo (FredericusSecondo)
- 02.09.2009, 22:00 Uhr
@Secundo
Rolf Huchthausen (huchthausen)
- 02.09.2009, 22:52 Uhr
Unglaublich
Uwe Harms (Uweharms)
- 02.09.2009, 22:56 Uhr