Home
http://www.faz.net/-gsc-14w4p
Mehr Angebote
| Abo|Hilfe
Sonntag, 12. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Doppelausstrahlungen Warum kommen viele gute Filme zuerst bei Arte?

22.01.2010 ·  Es ist ein Geschäft zu beiderseitigem Nutzen: Doppelausstrahlungen bei den Sendern Arte, ARD und ZDF erstaunen nur auf den ersten Blick. Denn dahinter steckt System, auch bei Dieter Wedels „Gier“.

Von Michael Hanfeld
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (5)

Das war schon ein bisschen komisch am vergangenen Sonntag in der SWR-1-Sendung „Leute“. Da sprach der Moderator Jens Hübschen mit dem Regisseur Dieter Wedel über dessen Film „Gier“. Dessen große Premiere finde am Mittwoch in der ARD statt, hieß es. Dabei hatte es die doch gerade zuvor gegeben - am vergangenen Freitag bei Arte.

Derart verschämt aber müsste die ARD - in anderen Fällen das ZDF - mit der Doppelausstrahlung eigentlich nicht umgehen. Sie folgt einem seit Gründung des deutsch-französischen Kulturkanals erprobten Prinzip: Arte steigt bei Kino-, Fernseh- und Dokumentarfilmproduktionen als Partner ein, gibt Geld, darf unter Umständen inhaltlich mitreden und erhält dafür das auf sechs Monate befristete Recht der Erstausstrahlung. Auf 200.000 Euro beläuft sich die Summe in der Regel, die Arte für Fernsehfilme mitbringt, bei großen Stücken kann es sogar bis zu eine Million Euro sein, auf solche Summen dürfen Dokumentarfilmer allerdings nicht hoffen.

Ungeteilte Aufmerksamkeit

Was für die Fernsehkritiker - deren Texte zur ersten, aber weniger beachteten Ausstrahlung bei Arte erscheinen - ein wenig misslich ist, sehen die Beteiligten als Vorteil für alle - für sich selbst und für das Publikum. „Als Zuschauer würde ich doch sagen: Das ist doch wunderbar, da gibt es zwei Gelegenheiten, den Film zu sehen“, meint Andreas Schreitmüller, der Filmredaktionschef von Arte. Er ist bei den Kollegen von ARD und ZDF ein gerngesehener Gast, nicht nur des Geldes wegen, das Arte beisteuert. Und die Liste der Filme, an denen Arte beteiligt war, ist lang, sie reicht von Dutzenden von Fernsehspielen bis zu Kinoerfolgen wie „Das Leben der anderen“, „Lola rennt“ oder „Good Bye, Lenin“. Zu Friktionen kommt es kaum, denn „wenn ein Sender es nicht will, ist Arte auch nicht dabei“, wie Schreitmüller sagt.

Der Fernsehspielchef des SWR, Carl Bergengruen, pflichtet dem bei. „Das ist unser freier Wille“, sagt er und meint damit, dass die Sender sich ganz genau ansehen, zu welchen ihrer Stücke Arte passt und zu welchen nicht. „Wenn man sich auf die richtigen Filme einigt, ist das zum beiderseitigen Nutzen.“ Wer die Premiere eines außergewöhnlichen Films alleine vorbereiten und für sich verbuchen will, muss dann nur eben auch tiefer in die Tasche greifen. Wobei die Beiträge von Arte nicht zu verachten sind: Einige Dutzend Millionen Euro steuert der Sender pro Jahr zu deutschen Produktionen bei, der französische Arm von Arte produziert sogar selbst und sucht sich seinerseits Partner - bei öffentlich-rechtlichen wie bei privaten Sendern. Heike Hempel, Hauptredaktionsleiterin beim ZDF, sieht die Dinge nicht anders als die Kollegen von ARD und Arte. Aufgrund knapper werdender Etats werde der Bedarf an Koproduktionen (mit Arte) sogar noch steigen. Doch gelte es darauf zu achten, dass man sich die Aufmerksamkeit für ein Stück nicht teilt. Große Projekte gelte es als gemeinsame erscheinen zu lassen, nicht als getrennte.

Deshalb sieht man bei der ARD die Ausstrahlung von Dieter Wedels „Gier“ vergangene Woche bei Arte und gestern und heute im Ersten auch eher als Glücksfall - die Aufmerksamkeit bleibt ungeteilt. Wobei zu Wedel zu sagen ist, dass er diese gar nicht verdient - nicht aus künstlerischen Gründen, da sein Stück im zweiten Teil ins Bodenlose abfällt, und mit seinem in etlichen Interviews verbreiteten Lamento über die angebliche Verflachung des Fernsehens auch nicht (Filmkritik Fernsehvorschau „Gier“: Ich betrüge, also bin ich). Soll er es erst einmal besser machen.

Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Eingeführte

Von Gerhard Stadelmaier

Nachhilfe zuerst: Die „Einführung“ nämlich ist republikweit an allen Theatern das meistgespielte Stück. Es dauert ungefähr eine halbe Stunde. Mehr