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Dexter, der Soziopath : Er handelt nach seinem eigenen Kodex

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Kommt der freundliche Mörder von nebenan doch davon? Dexter (Michael C. Hall) landet zwischenzeitlich hinter Gittern. Bild: Sky

Michael C. Hall spielt den provokantesten Charakter des Fernsehens: den Forensiker und „sympathischen“ Mörder „Dexter“. Wie rechtfertigt er das vor sich selbst? Und was sagt uns der anhaltende Erfolg der Serie?

          Schön ist das nicht, wie dieser Mann die Bösewichte richtet, die er schnappt: Dexter Morgan (Michael C. Hall) betäubt sie, wickelt sie in Folie und befördert sie ins Jenseits. Er versteht sein Handwerk, denn bei Tage arbeitet er als freundlicher Forensiker - genauer: Blutspurenanalytiker - bei der Polizei von Miami. „Dexter“, das kann man gefahrlos behaupten, ist die verstörendste Figurenkonstellation des amerikanischen Serienfernsehens. Und der womöglich spannendste Krimi der Fernsehszene.

          Dass man überhaupt eine seltsame Sympathie für den Racheengel hegt, der mit seiner grausigen Selbstjustiz einem dunklen Trieb aus einer ebenso dunklen Kindheit folgt, ist den Autoren und dem subtilen Spiel von Michael C. Hall geschuldet, der „Dexter“ seit fünf Staffeln darstellt. „Das Schlupfloch für die Zuschauer ist, dass Dexter nicht wahllos mordet“, sagt Hall. „Seine Opfer sind zutiefst verabscheuungswürdige Menschen.“

          Dexter Morgan arbeitet nach dem „Code Harry“ seines Stiefvaters, dem zufolge die Hingabe an seine dunklen Triebe gerechtfertigt ist, sofern ihnen Verbrecher zum Opfer fallen, die dem Justizsystem durch die Maschen gegangen sind. Mit dieser Prämisse, glaubt Hall, der zuvor als von Selbsthass erfüllter schwuler Sohn der Bestatterfamilie Fisher in „Six Feet Under“ zu sehen war, kann man sich auch als gesetzestreuer Bürger identifizieren. „Wir leben doch in einer Welt, in der wir uns immer machtloser fühlen, und Figuren, die die Dinge in die eigene Hand nehmen, ziehen uns an. Ihre Methoden mögen ethisch fragwürdig sein, aber wir bewundern Leute, die ihren eigenen Regeln folgen, weil das ein Stück Kontrolle suggeriert.“ Nur ist Dexter kein selbstgerechter Racheengel, sondern ein Mann, den seine eigene Emotionslosigkeit - und die Leichtigkeit, mit denen er anderen Gefühle vorspielt - zutiefst verwirrt. „Das verleiht ihm eine fast kindliche Unschuld“, sagt Hall. „Aber er ist ein Soziopath. Es ist ziemlich verdreht.“

          Verkompliziert die Dinge logistisch und moralisch: In der vierten Staffel wird Dexter Vater

          Mörderische Partnerschaft mit dem Staatsanwalt

          Auch die erzählerische Konstellation der Serie ist kompliziert. Als Forensiker ist Dexter einer der Ersten am Tatort und belesener Experte, was die Entdeckung von Spuren betrifft. Da er aber unter ständiger Beobachtung seiner Kollegen steht, muss er sich bald auch an denen vergreifen, die ihm auf die Schliche zu kommen drohen, und er entwickelt einiges Talent, seine Morde einem polizeilich gesuchten Killer in die Schuhe zu schieben. Die Notwendigkeit zur Tarnung nimmt noch andere Formen an. Dexter beginnt ein Verhältnis mit der bequemerweise beziehungsgestörten Rita (Julie Benz), das in eine eigenartige Liebe mündet, er maskiert sein seltsames Verhalten als Drogensucht, und in der vierten Staffel wird der Serienkiller Vater, was die Dinge logistisch und moralisch verkompliziert - auch wenn es ihn keineswegs läutert. „Mich fasziniert, dass Dexters Appetit für das Böse, dass seine Schattenseite nicht etwa schwindet, während er sich zunehmend als Mensch erfährt, sondern im Gegenteil vertieft“, sagt Michael C. Hall.

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