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David Hasselhoff Der Fönwellenreiter

28.07.2010 ·  Er war ganz am Boden, versuchte dort einen Burger zu essen, wodurch er auf YouTube zum Schlager wurde - und jetzt macht er sogar schon wieder Werbung: Der unkaputtbare „Knight Rider“ David Hasselhoff ist wieder da.

Von Oliver Jungen
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Falls man gedacht haben sollte, dass man einen trotz Fönfrisur höchst männlichen Mann, der mit seiner Digitaluhr spricht, nicht ernst zu nehmen braucht: dem ist nicht so. Außerdem hat er auch gar nicht mit seiner Uhr gesprochen, sondern durch die Uhr hindurch mit seinem Auto. Welches brav antwortete. Und wo kommuniziert wird, da versteckt sich ein System, mal so höchst luhmännlich dahingesagt. Schließlich ist Kommunikation laut Bielefelder Weltformel jene Operation, durch die sich soziale Systeme autopoietisch bilden, erhalten und von ihrer Umwelt abgrenzen.

Auto-poietisch! Hat ja auch bestens funktioniert, das Auto vermöbelte die Bösewichte und zur Belohnung gab es Pamela Anderson im Badeanzug. Da irgendwann, während der „Baywatch“-Zeit (immerhin die erfolgreichste amerikanische Fernsehserie des zwanzigsten Jahrhunderts), muss in David Hasselhoff der Vibrationsalarm losgegangen sein: Was da draußen gerade entstand, dieser gigantische Kommunikationsraum, dieses Mail-Chat-SMS-Twitter-Facebook-Ungetüm, war das nicht eigentlich seine Welt? Es war! Nicht zu Unrecht erklärte sich Hasselhoff vor vier Jahren in einem Werbespot des britischen Breitband-Anbieters Pipex zum „King of the Internet“. Keine andere Person soll laut Pipex so oft gesucht worden sein wie er.

Duschen mit einem Wendy-Burger

Nun gut, jedenfalls kann man von wenigen Personen so viel über das Internet lernen. Zur selben Zeit nämlich, als sich „The Hoff“ krönen ließ, wurde sein analoges Double alkoholisiert am Londoner Flughafen Heathrow abgeführt. Die Aufbereitung für die Netzgemeinde besorgte wenig später seine Tochter, die mit Hasselhoffs Einverständnis jenes vielmillionenfach angesehene Video bei YouTube einstellte, in dem der volltrunkene Vater auf dem Fußboden einen Wendy-Burger zu verspeisen versucht und sich würdelos damit einsaut. „Versprich mir, mit dem Trinken aufzuhören,“ bittet die Tochter. Dieser Stern ist erloschen, dachte man naiv. Und jetzt das: Fröhlich tanzt der eben noch Gebrochene in zwei Werbespots für die Sendung „The Roast of David Hasselhoff“ auf Comedy Central durch das Netz.

Als Autowäscher seift er statt K.I.T.T. vor allem seine Brust ein, aber was er zuletzt benutzt, ist kein Schwamm, sondern – ein Cheeseburger. Auch im zweiten Spot kommt ein solcher Burger vor, der ihm nun im Edelrestaurant ebenso zwischen den Händen zerfällt wie im Trunkenheitsvideo. Gleichzeitig beginnt eine „Comeback-Tour“ als Sänger. Und wer jetzt immer noch nicht verstanden hat, dass hier der König der Aufmerksamkeit seine Muskeln spielen lässt, dem sei der Originaltitel von Hasselhoffs Autobiographie zugeraunt, welche er dieser Tage vermarktet: „Making waves“. The Hoff und wir, ein fönfrisiertes soziales System, das unsinkbar über die Wellen schippert. Fehlt nur noch, dass er 1989 mit „Looking for Freedom“ den Fall der Berliner Mauer nicht aus ritterlichem Knight-Rider-Altruismus herbeigesungen hat, sondern bloß, um noch bekannter zu werden. Und wir, wieder darauf reingefallen, haben das Ding wirklich abgerissen.

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