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„Das A-Team“ kommt ins Kino Acht Fäuste und ein Halleluja

19.10.2009 ·  In den achtziger Jahren zählte „Das A-Team“ zu den populärsten Serien, die das Fernsehen zu bieten hatte: Nun, nach über zwei Dekaden, werkelt Hollywood an einem Kino-Remake. Doch lässt sich das alte Erfolgs-Konzept überhaupt aktualisieren?

Von Christian Heger
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Im Jahr 1972 tauchten vier Vietnamveteranen in den Untergrund ab – verurteilt für ein Verbrechen, das sie nicht begangen hatten. Auf der Flucht vor ihren Häschern ließen sie sich im Großraum von Los Angeles nieder und sorgten dort als philanthropische Selbstjustizgruppe für Aufsehen: Wem immer Unrecht getan wurde, ohne mit der Hilfe des Gesetzes rechnen zu können, suchte vertrauensvoll Rat und Schutz bei den Helden vom „A-Team“.

Innerhalb der Gruppe waren die Aufgaben klar verteilt: Colonel John „Hannibal“ Smith führte das Kommando, rauchte unentwegt Zigarre und liebte es, wenn ein Plan funktionierte. Lieutenant Templeton ‚Faceman‘ Peck becircte als Schönling die Damenwelt und trieb die technischen Hilfsmittel auf, die von dem muskelbepackten und goldkettenbehängten Mechaniker Bosco Albert Baracus zu den abenteuerlichsten Gadgets umgebaut wurden. Dessen Kurzname „B.A.“ stand zugleich programmatisch für schlechtes Benehmen („bad attitude“) und hitzige Impulsivität – Charaktereigenschaften, die vor allem der exaltierte, halbverrückte Bruchpilot Howling Mad Murdock stets aufs Neue aus seinem Freund herauszukitzeln wusste. Gemeinsam schossen, flogen und prügelten sich die vier durch fast hundert Abenteuer, bei denen in den besten Zeiten mehr als zwanzig Millionen Amerikaner zuschauten. Parallel dazu rollte eine riesige Merchandising-Welle über die gesamte westliche Welt hinweg und machte speziell aus B.A.-Darsteller Mr. T. einen umjubelten Star.

Eine seltsam anachronistische Moral

Heute zählt die NBC-Serie „Das A-Team“ (1983–1987) zu den Fernsehklassikern der achtziger Jahre. Wohl niemand, der in dieser Zeit Kind war, konnte sich den rauhbeinigen Helden entziehen, die zu Leitbildern für Jungs im Grundschulalter avancierten. Fünfundzwanzig Jahre später ist die Fan-Gemeinde nach wie vor groß – so groß, dass 20th Century Fox jetzt ankündigte, die Serie fürs Kino zu adaptieren. Angesichts lukrativer Leinwand-Neuauflagen der Fernsehklassiker „Starsky & Hutch“ (2004), „Miami Vice“ (2006) und „Star Trek“ (2009) scheint das konsequent. Nach langjähriger Planungsphase ließ das Studio Anfang des Jahres verlauten, dass die renommierten Filmemacher Tony und Ridley Scott das Remake produzieren. Als Regisseur wurde der Actionspezialist Joe Carnahan verpflichtet, die Rolle des Hannibal Smith spielt Liam Neeson. Die Frage aber ist, ob sich an den Erfolg gerade dieser Serie anknüpfen lässt, ohne auf die stilistische Unverbindlichkeit eines 08/15-Actionabenteuers zu verfallen: „Das A-Team“ ist nicht „The Fast and the Furious“.

Tatsächlich muss die Moral der legendären vier Haudegen seltsam anachronistisch scheinen in Zeiten des präsidialen Teamplayers Barack Obama, war sie doch seinerzeit tief verankert im bipolaren Weltbild der Reagan-Ära. Wie schon Clint Eastwood in den Dirty-Harry-Filmen vertraten die vier Action-Renegaten den Leitsatz eines verantwortungsethischen Faustrechts, das den eigenen Gerechtigkeitssinn dem schwerfälligen, korrupten und bürokratisch gehemmten Ermittlungsapparat des Staates entgegenstellte. Die letzte wahre Sendung für Männer sei es gewesen, äußerte Faceman-Darsteller Dirk Benedict einmal: Man habe geraucht, geschossen, schnelle Autos gefahren und mit hübschen Damen geflirtet – wann immer man die Lust dazu verspürt habe.

Ein pubertäres Spielzeuguniversum

Die Welt, die „Das A-Team“ zeigte, war ein pubertäres Spielzeuguniversum, das Gewaltpotential fing die manichäische Märchen-Mentalität der Serie mit ihrer Cartoon-Ästhetik auf. Ständig explodierten Gebäude, flogen Autos durch die Luft und zerschellten Hubschrauber an Felswänden, ganze Magazine wurden in die Landschaft verballert, doch Verletzte oder gar Tote gab es kaum.

Das Phantasma des unversehrbaren Körpers, von den Italo-Vorläufern Bud Spencer und Terence Hill übernommen, geriet zur Prämisse für eine wertkonservative Siegesgewissheit mit Massen-Appeal. Nach den quälenden, wahnsinnumwitterten Vietnamkriegs-Dramen der siebziger Jahre wie Michael Ciminos „Die durch die Hölle gehen“ (1978) und Francis Ford Coppolas „Apocalypse Now“ (1979) repräsentierte das A-Team die chauvinistische Zuversicht eines unbezwingbaren Amerika. Als Fernsehvariante jener surreal übersteigerten Körperbilder, mit denen Arnold Schwarzenegger und Sylvester Stallone in jener Zeit das Actionkino dominierten, schien in der Serie kein Problem unlösbar, solange Hannibal seine grauen Zellen und B.A. seine Muskeln spielen ließ.

Das alles ist lange her: Seit dem Ende der Serie, die in den Zeiten von Glasnost und Perestrojka einen rapiden Zuschauerverlust erlitt und nach fünf Staffeln eingestellt wurde, hat sich Nostalgie über die vier Gesetzlosen gelegt. Genau die aber wird das neue, im Internet vorab rezensierte Kinofilm-Drehbuch pulverisieren, wenn es das das Team in neuer Besetzung in den Irak-Krieg versetzt, einen der Gefährten zum Verräter stempelt und die selbstironische Slapstick-Action durch blutiges Gemetzel ersetzt. Es wäre sicher angemessener, Hannibal, B.A. & Co. bleiben zu lassen, was sie sind: Relikte aus der guten, alten Fernsehzeit. Viele treue Fans tun das denn auch, wie die Quote des deutschen Lizenzinhabers RTL 2 belegt: Durchschnittlich eine Million Zuschauer schalten jeden Samstag ein, wenn die ikonischen Fab-Four auf Schurkenfang gehen. Als hätten die achtziger Jahre nie aufgehört.

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