04.02.2011 · ARD und ZDF haben nicht verstanden, was an ihren Berichten zu Ägypten falsch wirkt. Die Kritik daran parieren sie mit Hinweisen auf die schwierige Lage vor Ort. Es fehlt das Gespür für historische Momente.
Von Michael HanfeldRichtlinien für Lesermeinungen
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Kabarett ist eine niveauvolle Unterhaltung, auch wenn man nicht immer die dort vorgetragende Meinung vertritt. Es geht mir ähnlich, da ich mich als Erzliberaler kaum wiederfinde. Die Sendung "Neues aus der Anstalt" ist ein Highlight.
FAZ-Berichterstattung zur "Ägyptenkrise" und FAZ "Parkettgespräch"
Wenn Sie in der Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen ein gewisses "Gespür für historische Momente" vermissen, liebe FAZ-Redaktion, fassen Sie sich einmal selbst an die Nase:
Heute steht schwarz auf weiß in ihrer Zeitung, was Sie aus dem Dürre-in-China-Thema gemacht haben:
FAZ vom 04.02.2011:
Das Parkettgespräch
Wichtige Getreide bleiben knapp
Schlechtes Wetter hat die Weizenqualität gedrückt
Die Proteste in Ägypten werden auch von den Anlegern auf den Agrarmärkten genau verfolgt, denn der Nil-Staat gehört zu den größten Weizenimporteuren der Welt. Wenn die Unruhen eskalieren und der Regierungsapparat in Kairo zusammenbrechen ...
Und hier steht, was die BBC - übrigens schon im Januar - gebracht hat:
Crop warning over China drought
http://www.bbc.co.uk/news/world-asia-pacific-12266435
Also nicht rot werden...
Der öffentlich-rechtliche Sender Phoenix berichtet gut und durchgehend, mit Experten, die sich in Ägypten auskennen. Zur Zeit grummelt dort Peter Scholl-Latour.
Fehleinschätzungen der politischen Situation ...
... , insbesondere in der Einschätzung der momentanen Situation in der arabischen Welt, wie derzeit in Ägypten sind bei den Öffentlich Rechtlichen an der Tagesordnung. Zwar sind bei den Tagesthemen und Heute Journal noch die besseren politischen Berichterstattungen angesiedelt, weit besser als bei den Privaten, dennoch kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, daß das journalistische Niveau immer mehr in Richtung Aktionsjournalismus abgleitet. Besonders die politische Lage in Ägypten ist gewissermaßen einem Wunschgedanken aufgesessen, die da heißt Demokratie. Nach meiner Einschätzung ist die Hoffnung auf einen demokratischen Wandel nicht zu erkennen und realitätsfremd für den arabischen Raum. Anders wie im Westen, ist in islamisch geprägten Länderen kaum vorstellbar, daß sich Staat und Religion teilen. Meine Befürchtung geht dahin, daß sich leider die Hoffnung der jungen intellektuell gebildeten Schicht, aber auch der vom autokraten System Mubarak unterdrückten Volk zerbricht, und die Muslim Brüder letztendlich die Oberhand gewinnen. Das wäre vom Regen in die Traufe.
Hier geht es doch ganz offensichtlich nicht um Ägypten,
hier wird doch auf unterster Ebene (Kollegenschelte übelster Art) die schon länger laufende FAZ Kampagne gegen die öffentlich-rechtlichen Programme fortgeführt.
Man sollte die Leser nicht für dumm verkaufen,
für mich jedenfalls sind öffentlich-rechtliche, politisch unabhängige Informationen mit dem dazugehörigen aufwendigen Korrespondentennetz ebenso wichtig wie die FAZ-Lektüre, soweit sie sachlich bleibt.
Der Autor hat nicht kapiert, dass ein Scharmützel zwischen ARD/ZDF und FAZ sicher kein historischer Moment ist.
Peter Sippel, Frankfurt am Main
@Alex Zunker:
Im Prinzip gebe ich Ihnen Recht, aber "Qualitätsfernsehsendungen wie das Kabarett"?! Ich war mir eine Zehntelsekunde lang sicher, dass sie das ironisch gemeint hatten. Leider hat der Zusammenhang mich dann sofort eines Besseren belehrt.
Vorhersehbares Schnarchnasenkabarett in den Öffis, bei dem seit 40 Jahren dieselben Spießer ihre "subversiven" Texte runterleiern, über die vermutlich zuletzt 1970 jemand gelacht hat. Die Sendung mit der Maus habe ich schon immer lieber gesehen.
Bei allem Verständnis für kritische Kommentare und auch wenn ich mich mit meinen Anmerkungen hier unbeliebt mache:
Mir scheint, hier tobt ein Journalist unter dem Deckmäntelchen der Kritik seinen Frust an GEZ und den öffentlich-rechtlichen Sendern aus.
Ganz klar: Auch mir gefällt bei weitem nicht alles, was bei ARD und ZDF passiert oder gesendet wird. Und an dem gestrigen Beitrag war das ein oder andere auch berechtigt. Aber dieser "Nachschlag" heute ist endgültig völlig überzogen und geht an der Sache völlig vorbei.
Ich verfolge seit Tagen die Berichte, in ARD, ZDF, Phoenix und auch auf den Web-Seiten der Sender. Da gibt es Sondersendungen, in allen Magazinen - sogar den "Boulevard"-Magazinen gibt es aktuelle Berichte, Hintergründe, Einspieler. Illner, Hart aber fair usw. usw. - alles im Zeichen der Entwicklung in Ägypten. Die Mediatheken sind voll. Ich fühle mich absolut umfassend informiert. Und ein "Gaffer-Livebild" vom Tahrir-Platz wie sich Menschen gegenseitig mit Steinen bewerfen brauche ich nicht 24 Stunden lang.
Und mal abgesehen davon: Wie war denn die FAZ-Berichterstattung zu Ägypten bis vor wenigen Tagen und wie ist ihre heutige Titelseite aufgemacht?
Weg von relativierender Berichterstattung
In der FAZ wird nicht mehr und nicht weniger gefordert, als dass sich die Nachrichteninhalte an den Wünschen der "Bürger" orientieren sollen. Nachrichten als Show. Nun müssen auch die Nachrichten dem Zuschauer "entgegen kommen", aber die Hauptaufgabe bleibt es, zu informieren.
Bisher ist es so, dass in den Nachrichten das vorkommt, was als relevant eingestuft wird. Weiterhin gibt es ein paar Regeln. So wird nicht über Dinge positiv berichtet die es nicht sind. Der Berichterstattungsumfang soll der Bedeutung der Meldung entsprechen usw.. Zusätzlich gibt es diverse politische Restriktionen, so werden unliebsame Politiker "ignoriert".
Zu diesen Regeln kann man stehen wie man will, allerdings verleihen sie Sendern wie der ARD oder ZDF eine Leitfunktion. In all den Unsicherheiten wird ein in sich stimmiges Bild der Welt geliefert, keine Kakofonie. Deshalb werden die Sender auf die Kritik wohl reagieren, an den Prinzipien aber nichts ändern.
Die Bedeutung der Rede Mubaraks wird deutlich hinter den geschürten Erwartungen zurückbleiben. Mubarak wird im posiitven Fall durch eine Person ersetzt werden, die sich genau wie Mubarak verhält. Im schlechten Fall wird es ein zweites Iran geben. Kein Grund zur Freude also.
Während BBC, CBS, CNN und z.T. AL DJEZEERA Nachrichten "gewinnen" und als Agen- turen (Händler) an Sender verkaufen, sind die deutschen ÖR quasi Staats-fernsehen. Deshalb auch die GEZ als eine Art Sondersteuer-Amt. Das ZDF ist auf Bestreben Kon. Adenauers als direkter pol. Nachrichtensender gegründet worden. Die Progr. werden durch sog. Fernsehräte mitbestimmt. Die Räte sind nach Partei-Proporz besetzt. Ich glaube, sogar DGB-Vertreter mischen mit. Und so ist immer diese Linkslastigkeit zu erklären. Jetzt z.B. kein Wort dazu, dass Obama die Politik G.W.Bushs weiter verfolgt, der Mubarak bereits vor 10 Jahren die gelbe Karte öffentlich (!) gezeigt hatte. Bush war ein schnellerer Entscheider als Obama, mit klaren Ecken und Kanten. Das Deutsch-TV hat Bush im Auftrag von ROTGRÜN diffa-mieren lassen. Deshalb die Verwunderung zur US-Wahl 2002, als Bush klar siegte.
@Max Bernhard – Weitgehende Zustimmung.
Zappen Sie tatsächlich noch in die privaten Sender ? Für mich existieren die schon gar nicht mehr. Und seien wir mal ehrlich – das Programm der Privaten richtet sich nach der Quote und was folgern wir daraus ? Diesem Trend können sich auch die ÖR Anstalten nicht entziehen und richten ihr Angebot entsprechend aus, was zu dem inzwischen reichlich unsäglichen Hauptprogramm um 20:15 führt mit einem Inhalt, den man mit den Wortbestandteilen
Traum – Quiz – Volks – Liebe – Berg – Afrika - Fest schon vorab identifizieren kann. Aber: im gesamten digitalen Programmangebot des ÖR sollte eigentlich jederzeit etwas zu finden sein, wenn man zu einer bestimmten Zeit unbedingt fernsehen will – auch wenn es eine Sendung aus der Dose ist.
Daneben kann man sich mit der heutigen Technik (Digital Empfänger, PVR Funktion, Timeshift, EPG) doch bequem sein eigenes Programm zusammenstellen.
Manchmal bin ich ganz froh, nicht auf allen Kanälen ständig mit der gleichen Nachricht bombardiert zu werden. So wichtig das und andere Ereignisse sind, nimmt der Nachrichtengehalt über den Tag ständig ab, da oft einfach nicht mehr passiert. In purem Aktivismus selbsternannte Experten zu befragen und nur halb recherchierte Hintergründe abzugeben zeugt auch nicht von Qualität. Da bin ich lieber glücklich, wenn mein Blick auch noch auf anderes gelenkt wird. Meine Welt besteht aus viel mehr als jetzt gerade nur Ägypten.
Eine andere und wichtigere Frage ist: Warum haben diese Sender nicht schon viel früher den Ernst der Lage erkannt? Aber das war damals mit Jugoslawien auch nicht anders. Mir drängt sich da manchmal der Eindruck auf, dass unsere staatlichen Medien den "Stabilitätsauftrag" haben. Um so überraschter kann sich jeder Politiker in der Öffentlichkeit über die vermeintliche Unvorhersehbarkeit der Ereignisse geben.
Ein anderer Aspekt dieses Artikels und eine berechtigte Kritik: Diese Sender produzieren mit Quasi-Steuergeldern Sendungen wie Tatort und Wetten dass... oder Bundesligaübertragungen. Aber wenn es darum geht, die Öffentlichkeit und das Wahlvolk zu informieren (wie hier zum Beispiel), dann ist das Versagen da.
Über Revolutionen ungefiltert zu berichten ist deshalb gefährlich, weil sich die Deutschen daran ein Beispiel nehmen könnten. Deswegen wird nur ein bisschen berichtet und ständig fallen Wörter wie "Islamisten" und "Muslimbrüderschaft", um noch ein bisschen Angst zu machen.
Die Dauerberieselung mit Unterhaltungsformaten gehört auch in dieses Konzept. Carmen Nebel hat noch nie Probleme bekommen, weil sie überzogen hat. Sie überzieht ständig ihre Sendung. Promiquiz, Tierquiz mit Frank Elstner, Tierquiz mit Frank Elstner und Promis, mittwochs gibt's immer eine Schnulze, dauernd diese Kochsendungen... das ist doch kaum zu ertragen. Da sollen die Massen verblödet werden.
Es wäre doch schlimm, wenn ARD und ZDF eines ihrer prächtigen Unterhaltungsformate (Rosamunde Pilcher, Promiquiz etc.) ausfallen lassen müsste, während Qualitätssendungen (Kabarett, Maus) und Kindersendungen (Maus) für jeden Blödsinn ausfallen dürfen.
Fehlendes Gespür für den historischen Moment?
Der Blog zeigt bei einigen Kommentaren, dass Michael Hanfeld wieder einmal seinen Blick verstellt hat, wenn er gegen die Öffentlich-Rechtlichen polemisiert. Die Privaten nerven mit ihren monotonen Einspielungen über den ganzen Tag. Freilich hecheln inzwischen die Ö.R. mit ihren dauernden "Specials" hinterher. Es gibt genügend Sendeplätze und Sender, um sich s a c h l i c h und f u n d i e r t zu imformieren "Geplärre ums Getöse" macht den Zuschauer inzwischen taub!
Vorbildliche journalistische Arbeit, Herr Hanfeld - mutig, präzise und zutreffend. es ist gut zu lesen, dass Sie dem Druck von ARD und ZDF nicht nachgeben.
Ist die Motivation für diesen Artikel nicht einfach die Konkurrenz
zwischen Zeitungen und den öffentlich rechtlichen Sendern, die
man hier ja immer wieder schön sieht, wenn es um die Online
Angebote geht?
Die Selbstgefälligkeit der FAZ ist unerträglich - kein Wort darüber dass die FAZ gestern falsch berichtet hat. Das ARD-Mittagsmagazin hat entgegen der FAZ-Berichterstattung aktuell, umfassend und hintergründig berichtet. Die Stellungnahme der Redaktion , die dies belegten, wurden unter dieser Rubrik nicht wiedergegeben - schade eigentlich.
Klemens Hübner, ARD-Mittagsmagazin
Alles eine Frage der Informationsquelle
Lassen wir mal die Butter auf dem Brot: Die ARD muss keine für Grenzdebile konzipierte Daily-Soap für wichtige Nachrichten unterbrechen, weil die Zuschauer ohnehin nicht wissen, wo man dieses Ägypten kaufen kann.
Dafür sind auf dem Online-Portal der Tagesschau die Proteste in Ägypten seit einer Woche fast immer Top-Thema.
Und wo bleibt der historische Moment bei n-TV und N24?
Dort wird über die Erde nach dem Ende des Menschen sinniert und das der Mond verschwinden könnte. Zur besten Sendezeit. Auch wenn Mubarak gerade redet. Da gibts doch auf dem ZDF-Infokanal zumindest Al Arabiya mit deutscher Übersetzung. Auch über Antenne und überall. Sogar in Frankfurt...
Die haben das nicht notwendig, die bekommen ihr Geld in Form einer Zwangsabgabe. Da spielen sie lieber Seifenopern und spielen die Heile Welt vor. Der informations- und Bildungsauftrag wird zurückgestellt, wen wunderts bei den Verwaltungsräten.