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„5 gegen Jauch“ bei RTL Gut gezockt ist halb gewusst

05.09.2009 ·  In der neuen RTL-Show „5 gegen Jauch“ treten Kandidaten gegen Günther Jauch an, der verhindern muss, dass sie den Jackpot knacken. Zur Premiere gestern war das ein großer Spaß. Nicht mal Oliver Pocher als Spielleiter hat genervt.

Von Peer Schader
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Mit diesem Mann legt man sich besser nicht an: Günther J., 53 Jahre alt, Fernsehmoderator aus Potsdam. Der weiß einfach zu viel. Und darf es jetzt endlich auch mal zeigen. „5 gegen Jauch“ heißt die neue Sendung, in der sich Kandidaten bei RTL bewerben können, wenn sie eine besonders knifflige Frage haben, die sie dem „Wer wird Millionär?“-Moderator stellen wollen. Wenn sie es damit ins Studio schaffen, können sie 50.000 Euro gewinnen und haben die Chance, den Jackpot abzuräumen, in dem all das Geld zusammenfließt, dass die gescheiterten Konkurrenten zuvor erspielt haben.

Aber diesen Triumph konnte Jauch in der Premierensendung am Freitag niemandem gönnen: Drei Kandidaten scheiterten bereits in der zweiten Fragerunde, weil der Herausgeforderte wusste, wie die Dellen im Golfball heißen (Dimples), dass Wagner seine eigene Tuba erfand und - mit Hilfe eines Telefonjokers - mit wem Romanfigur Harry Potter das erste Mal knutschte. Zum Schluss, als der letzte Kandidat kurz davor stand, mit 140.000 Euro nach Hause zu gehen, erschloss sich Jauch unter Einsatz der verbliebenen Joker auch noch, wie Robinson Crusoe mit eigentlichem Nachnamen hieß: Kreutznaer. Das war ein Start, wie er besser nicht hätte laufen können - jedenfalls für Jauch. Immerhin musste der erst mal beweisen, dass das wirklich kein Spaziergang ist, gegen ihn zu bestehen. Mission erfüllt.

Dank an Raab

Und schönen Dank auch an Stefan Raab: Der hat mit „Schlag den Raab“ überhaupt erst die Idee gehabt, ganz normale Kandidaten gegen einen Fernsehmoderator (also: sich) antreten zu lassen. Jetzt hat Jauch das Prinzip einfach auf das übertragen, worin er am besten ist - das Quiz. Das funktioniert hervorragend, zumal er nach 10 Jahren „Wer wird Millionär?“ sehr gut weiß, dass es manchmal reicht, die falschen Antworten auszuschließen, um sich zur richtigen vorzutasten. Und gar nicht unbedingt alles wissen muss, wenn man klug kombinieren kann.

Anders als „Schlag den Raab“ lebt „5 gegen Jauch“ allerdings nicht so sehr von der Spannung, ob die Kandidaten letztlich gewinnen oder nicht - dafür sind die Summen im Vergleich zu anderen Sendungen (vor allem „Wer wird Millionär?“) geradezu ein Taschengeld. Aber das schadet der Show kaum - die zumindest in der ersten Ausgabe vor allem deshalb großen Spaß machte, weil alle Beteiligten im Studio selber welchen hatten: nicht nur Jauch, sondern auch die gut gecasteten, schlagfertigen Kandidaten, die ihm mit frechen Sprüchen zusetzten und dabei von Oliver Pocher, der sich als hervorragend als Spielleiter eignete, unterstützt wurden.

Lange macht der's nicht mehr

„Och, jetzt reden Sie mir hier rein!“, beschwerte sich Jauch bei einem Kandidaten, der gleich nach der ersten Frage meinte: „Ich geb Ihnen 'nen Tipp: Fragen Sie Herrn Pocher.“ Worauf Jauch frech entgegnete: „Wem hat der in seinem Leben schon mal geholfen?“ Und eine Abiturientin meinte, gefragt nach ihrem Berufswunsch, sie wolle Fernsehmoderatorin werden - so wie Jauch eben. „Lange macht der's nicht mehr“, frotzelte sie. Und ihr Gegenüber grinste in Anspielung auf die Aufregung um sein Gespräch mit dem „Zeit Magazin“ vor kurzem: „Der Eindruck verfestigt sich in der Öffentlichkeit.“

Wie beim Ping-Pong lieferten sich alle ständig Vorlagen für freche Bemerkungen, schon bei der allerersten Frage, in der es um Vornamen ging, witzelte Jauch in Richtung Pocher, der bald Vater wird: „Wie würden Sie denn rein hypothetisch ein Kind nennen?“ Und als im Publikum einmal partout keiner helfen wollte, Jauch mit seinem Joker auf die richtige Fährte zu führen, beschwerte der sich: „Wo bin ich denn hier reingeraten?“

Ein paar Schwachstellen

Ein paar Schwachstellen hat die Sendung trotzdem: Dass Kandidaten sehr schnell wieder rausfliegen können, ist zwar Teil des Spiels, aber schade, weil das Fünfer-Prinzip dadurch zügig wieder aufgebrochen ist und es relativ bald dann eben nur noch heißt: „2 gegen Jauch“ - oder „Der Letzte gegen Jauch“, was ein bisschen der Abwechslung schadet. Und dass einfach fünf neue Kandidaten ins Studio gesetzt werden, wenn die anderen durch sind, aber noch Zeit übrig ist, wird bei „Wer wird Millionär?“ vielleicht genauso gemacht, versagt „5 gegen Jauch“ aber einen richtigen Abschluss. Eigentlich müsste es vorbei sein, sobald feststeht, ob Jauch geschlagen wurde oder nicht - nur lässt sich das eben schwer vorherberechnen.

6,69 Millionen Zuschauer sahen die Premiere am Freitagabend, der Marktanteil in der werberelevanten Zielgruppe lag bei fantastischen 28,9 Prozent - damit dürfte relativ sicher sein, dass RTL die Show fortsetzt. Die Frage ist nur: mit Pocher - oder ohne ihn? Schließlich ist der inzwischen beim RTL-Konkurrenten Sat.1 unter Vertrag. Toll wäre, wenn er dabeibliebe - denn die kleinen Neckereien, die er mit Jauch austauschte, passten bei „5 gegen Jauch“ perfekt und man hatte den Eindruck, Pocher hätte besser kein Showpraktikum bei Harald Schmidt machen, sondern gleich mit Jauch in den Ring steigen sollen.

Das Schönste aber ist, dass RTL endlich mal sieht, dass es sich sehr wohl noch lohnt, neue Shows auszuprobieren, weil die Zuschauer offen für Innovationen sind und dann neugierig einschalten. Für „5 gegen Jauch“ ist es die Chance, genauso zackig weiterzumachen. Hoffentlich.

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