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 ·  Weil er einen "blasphemischen" Leserbrief abgedruckt hat, ist ein Journalist in Pakistan zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

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Weil er einen "blasphemischen" Leserbrief abgedruckt hat, ist ein Journalist in Pakistan zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Munawar Mohsin, Redakteur der Tageszeitung "Frontier Post", hatte am 29. Januar 2001 eine Zuschrift in der Rubrik "Your Views" veröffentlicht mit angeblich abfälligen Bemerkungen über den Propheten Mohammed. Am darauffolgenden Tag hatten Hunderte aufgebrachter Islamisten das Redaktionsgebäude in der westlichen Provinzhauptstadt Peshawar - nebst einem Kino - gestürmt und die Druckmaschinen in Brand gesetzt. Mohsin wurde gemeinsam mit anderen Kollegen festgenommen.

Die Anwälte des Redakteurs, der seit jenem Tag im Gefängnis sitzt, hatten während des langwierigen Prozesses nicht auf das Recht zur freien Meinungsäußerung gepocht, sondern auf verminderte Schuldfähigkeit plädiert, weil ihr Mandant, unter Drogeneinfluß stehend, den Gehalt des Briefes nicht habe erkennen können. Die Richter des Distriktgerichtes wollten dem aber nicht folgen und belegten Mohsin zwar nicht mit der auf Blasphemie stehenden Höchststrafe - dem Tod -, verschärften aber die lebenslängliche Haftstrafe mit einem Bußgeld in Höhe von umgerechnet 850 Euro. Zwei Kollegen Mohsins sprach das Gericht frei, während gegen den flüchtigen Chefredakteuer der Zeitung, Afridi, ein Haftbefehl erlassen wurde. Ein Anwalt Mohsins kündigte an, in die Revision zu gehen.

Die "Frontier Post", die in Pakistan als kritische, eher linke Zeitung mit nationalistischen Untertönen gilt, hatte sich in den vergangenen zweieinhalb Jahren in religiösen Fragen zurückgehalten. Unmittelbar nach dem Vorfall war der Chefredakteur Afridi mit ganzseitigen Anzeigen in den großen pakistanischen Tageszeitungen an die Öffentlichkeit getreten, um sich für den Abdruck des Leserbriefs zu entschuldigen. Die "Frontier Post" blieb dennoch einige Monate lang zwangsweise geschlossen. Seit den Parlamentswahlen vom vergangenen Jahr wird die an Afghanistan grenzende Provinz "North-West Frontier Province" mit ihrem Verwaltungssitz Peshawar von Islamisten regiert, welche die Scharia als Rechtsordnung eingeführt haben. Deren Ergebnis ist ein Urteil wie jenes gegen den Journalisten Mohsin, der, weil er einen Leserbrief abgedruckt hat, lebenslang in Haft bleiben soll.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.07.2003, Nr. 158 / Seite 38
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