31.03.2003 · Der amerikanische Kriegsreporter Peter Arnett ist von dem Nachrichtensender NBC wegen kritischer Aussagen zum amerikanischen Vorgehen im Irak-Krieg gefeuert worden. Vor vier Jahren war die Reporterlegende bei CNN rausgeflogen.
Der amerikanische Kriegsreporter Peter Arnett ist wegen kritischer Aussagen zum amerikanischen Vorgehen im Irak-Krieg gefeuert worden. Das amerikanische Netzwerk NBC begründete die Trennung in seinen Morgennachrichten am Montag mit einem Interview, das Arnett dem irakischen Fernsehen gewährt hatte.
Bei dem am Wochenende ausgestrahlten Gespräch hatte der frühere Starreporter des Nachrichtensenders CNN die ursprünglichen amerikanischen Kriegspläne für gescheitert erklärt und gesagt, dies liege am irakischen Widerstand. NBC strahlte eine Entschuldigung Arnetts aus, der mit seiner Berichterstattung vom Vietnamkrieg und von Golfkrieg weltweite Berühmtheit erlangt hatte.
"Es war falsch von Mr. Arnett, dem staatlich kontrollierten irakischen Fernsehen ein Interview zu gewähren, vor allem in Kriegszeiten“, erkärte NBC. „Und es war falsch von ihm, persönliche Beobachtungen und Meinungen in diesem Interview zu diskutieren.“ Daher, schloss eine Erklärung des Netzwerks, „wird Peter Arnett nicht mehr für NBC News und MSNBC berichten.“ Zuvor hatte sich NBC noch hinter seinen preisgekrönten Reporter gestellt und betont, seine Äußerungen seien rein „analytischer Natur“. Arnett zählte als Berichterstatter für NBC sowie „National Geographic Explorer“ auf MSNBC zu einem der wenigen Dutzend noch in Bagdad verbliebenen westlichen Journalisten.
Sturm der Entrüstung
Der 68-jährige beteuerte in seiner ausgestrahlten Entschuldigung, er sei „nicht gegen den Krieg und nicht gegen die Armee“. Sein „aus dem Stand“ gegebenes Interview mit dem irakischen Fernsehen habe in den Vereinigten Staaten einen „Sturm der Entrüstung“ entfacht, den er wirklich bedauere. Es habe sich um „persönliche, analytische Beobachtungen“ gehandelt, die sich seiner Einschätzung nach kaum von der Meinung von Experten unterschieden.
Für den aus Neuseeland stammenden, längst mit der amerikanischen Staatsbürgerschaft versehenen Arnett ist es der zweite Knick in seiner gut vierzig Jahre währenden Karriere. Seine Kriegsberichte aus Vietnam wurden noch mit einem Pulitzer-Preis geehrt, 1991 verkörperte der damals für CNN aus Bagdad berichtende Reporter für viele Menschen den Golfkrieg.
1998 war er aber mitverantwortlich für einen CNN-Beitrag, der die amerikanischen Truppen offenbar fälschlich beschuldigte, 1970 in Vietnam Nervengas eingesetzt zu haben. Arnett kam mit einer Rüge davon. Doch im April 1999 wurde er nach achtzehn Dienstjahren von CNN gekündigt - der Kosovokrieg musste ohne ihn stattfinden.
Am Montag erklärte Arnett, er habe zunächst keine näheren Pläne. Im Südpazifik gebe es eine einsame Insel; dorthin wolle er schwimmen, sagte er lediglich lakonisch.