http://www.faz.net/-gqz-35t6

Medien : Al-Dschasira: Mit verbundenen Augen zum Interview

  • Aktualisiert am

Reporter verteidigt die Entscheidung von Al-Dschasira, das jüngste Interview mit Bin Ladin nicht gesendet zu haben.

          Der arabische Reporter, dessen Interview mit Usama bin Ladin von Al-Dschasira zurückgehalten, dann aber letzte Woche von CNN veröffentlicht wurde, hat die Entscheidung von Al-Dschasira verteidigt.

          Al-Dschasira-Reporter Tayseer Alouni hat auf einer Pressekonferenz CNN vorgeworfen, sich das Band auf dubiosen Wegen verschafft zu haben. Er sagte, sein Sender sei mit dem amerikanischen Nachrichtenkanal in Kontakt, um zu erfahren, wie CNN an die sechzigminütige Aufnahme herangekommen sei.

          Der Nachrichtensender aus Qatar hatte die Nicht-Ausstrahlung damit begründet, dass das Interview unter Druck zustande kommen sei und die Fragen dem Reporter diktiert worden seien. Damit sei das „Minimum an Objektivität und Professionalität“ nicht gewährleistet gewesen.

          CNN hatte die Ausstrahlung damit begründet, dass eine Vereinbarung mit Al-Dschasira CNN das uneingeschränkte Recht gebe, derartige Bilder auszustrahlen. "Das einzige Fernsehinterview mit Usama bin Ladin seit dem 11. September ist nicht etwas, was wir ignorieren und unter den Teppich kehren konnten", sagte CNN-Nachrichtenchef Eason Jordan.

          Die Fragen lagen schon bereit

          Al-Dschasira hat jetzt auch zum ersten Mal berichtet, wie das Interview zustande kam. Alouni, Al-Dschasira-Korrespondent in Kabul, sei aus dem Umfeld Bin Ladins angerufen worden, um über ein „wichtiges“ Ereignis zu berichten. Ihm seien die Augen verbunden worden. Dann sei er von bewaffneten Männern zu dem Interview-Termin mit Bin Ladin gefahren worden.

          Der Korrespondent habe dort eine Liste von Fragen erhalten, die ihm aufgezwungen worden seien. Eine professionelle Interview-Führung sei nicht möglich gewesen. Die Männer hätten Alouni aufgefordert, das Interview in voller Länge zu senden, sonst werde es ihm schlecht ergehen.

          Al-Dschasira habe das Interview am 21. Oktober 2001 bekommen. Der Sender habe beschlossen, es wegen fehlender Objektivität nicht auszustrahlen.

          Der Nachrichtensender Al-Dschasira erreicht 35 Millionen Zuschauer. Eigentümer des Senders ist die Regierung Qatar. Dennoch steht die Berichterstattung des Senders in dem Ruf, unabhängig zu sein.

          Quelle: ap

          Weitere Themen

          Polizei findet Waffen Video-Seite öffnen

          Razzia gegen Hells Angels : Polizei findet Waffen

          Neun Motorräder, 15 Kutten, 13 Messer, ein Gewehr, ein Revolver, eine Armbrust und mehr als 60.000 Euro Bargeld sind bei der Großrazzia in Nordrhein-Westfalen beschlagnahmt worden. Festnahme gab es keine.

          Trolle gegen Clinton

          Einmischung in Wahlkampf : Trolle gegen Clinton

          Die amerikanischen Geheimdienste sind schon lange überzeugt, dass der Kreml in die Präsidentenwahl 2016 eingegriffen hat. Nun gibt es auch Beweise aus Russland selbst. Sie führen zu alten Bekannten.

          Dogan Akhanli bei Rückkehr nach Deutschland bedroht Video-Seite öffnen

          Düsseldorf : Dogan Akhanli bei Rückkehr nach Deutschland bedroht

          Der deutschtürkische Schriftsteller Dogan Akhanli ist bei Rückkehr nach Deutschland am Flughafen in Düsseldorf beschimpft und bedroht worden. Am Ausgangsbereich rief ihm ein unbekannter Mann auf türkisch zu, er sei ein Landesverräter. Auch dieses Land, gemeint war wohl Deutschland, könne ihn nicht beschützen.

          Topmeldungen

          Jamaika-Sondierung : Zwölf Themen, sie zu binden

          Jetzt wird es ernst: Am Nachmittag beginnen die Jamaika-Sondierungen in großer Runde, mit allen Parteien. Die zentralen Punkte für eine Einigung sind identifiziert – von den Bäumen runter sind die Unterhändler deshalb aber noch lange nicht.
          Auf den Zahn gefühlt: Fast alle Parteien leiden unter Phantomschmerzen

          Fraktur : Nervtötende Sondierung

          Die geplante Mesalliance aus Union, FDP und Grünen ist doch im Grunde ein einziger wunder Punkt.
          Ludwig Erhard (1897 bis 1977) sah in der Sozialen Marktwirtschaft nie ein in Stein gemeißeltes Dogma.

          Koalitionsverhandlungen : Mehr Ludwig Erhard wagen

          Schon zehn Jahre nach Einführung der Sozialen Marktwirtschaft forderte der legendäre Wirtschaftsminister Ludwig Erhard eine Weiterentwicklung. Geklappt hat das bis heute nicht. Ein Auftrag für die nächste Regierung!

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.