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Medien : Al-Dschasira: Mit verbundenen Augen zum Interview

  • Aktualisiert am

Reporter verteidigt die Entscheidung von Al-Dschasira, das jüngste Interview mit Bin Ladin nicht gesendet zu haben.

          Der arabische Reporter, dessen Interview mit Usama bin Ladin von Al-Dschasira zurückgehalten, dann aber letzte Woche von CNN veröffentlicht wurde, hat die Entscheidung von Al-Dschasira verteidigt.

          Al-Dschasira-Reporter Tayseer Alouni hat auf einer Pressekonferenz CNN vorgeworfen, sich das Band auf dubiosen Wegen verschafft zu haben. Er sagte, sein Sender sei mit dem amerikanischen Nachrichtenkanal in Kontakt, um zu erfahren, wie CNN an die sechzigminütige Aufnahme herangekommen sei.

          Der Nachrichtensender aus Qatar hatte die Nicht-Ausstrahlung damit begründet, dass das Interview unter Druck zustande kommen sei und die Fragen dem Reporter diktiert worden seien. Damit sei das „Minimum an Objektivität und Professionalität“ nicht gewährleistet gewesen.

          CNN hatte die Ausstrahlung damit begründet, dass eine Vereinbarung mit Al-Dschasira CNN das uneingeschränkte Recht gebe, derartige Bilder auszustrahlen. "Das einzige Fernsehinterview mit Usama bin Ladin seit dem 11. September ist nicht etwas, was wir ignorieren und unter den Teppich kehren konnten", sagte CNN-Nachrichtenchef Eason Jordan.

          Die Fragen lagen schon bereit

          Al-Dschasira hat jetzt auch zum ersten Mal berichtet, wie das Interview zustande kam. Alouni, Al-Dschasira-Korrespondent in Kabul, sei aus dem Umfeld Bin Ladins angerufen worden, um über ein „wichtiges“ Ereignis zu berichten. Ihm seien die Augen verbunden worden. Dann sei er von bewaffneten Männern zu dem Interview-Termin mit Bin Ladin gefahren worden.

          Der Korrespondent habe dort eine Liste von Fragen erhalten, die ihm aufgezwungen worden seien. Eine professionelle Interview-Führung sei nicht möglich gewesen. Die Männer hätten Alouni aufgefordert, das Interview in voller Länge zu senden, sonst werde es ihm schlecht ergehen.

          Al-Dschasira habe das Interview am 21. Oktober 2001 bekommen. Der Sender habe beschlossen, es wegen fehlender Objektivität nicht auszustrahlen.

          Der Nachrichtensender Al-Dschasira erreicht 35 Millionen Zuschauer. Eigentümer des Senders ist die Regierung Qatar. Dennoch steht die Berichterstattung des Senders in dem Ruf, unabhängig zu sein.

          Quelle: ap

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