12.12.2007 · Mazedonien heißt fast überall in der Welt Mazedonien, nur nicht beim übermächtigen Nachbarn Griechenland. Die Namensfrage kostet viel Geld und beschert Politikern graue Haare. Wir hätten da einen Vorschlag.
Von Dirk SchümerIrgendwann nach Weihnachten werden sich in der Klosterstadt Ohrid am Ohridsee Unterhändler der Nachbarländer Griechenland und Mazedonien treffen, um über den endgültigen Namen eines seit 1991 unabhängigen Folgestaates Jugoslawiens zu beraten. Ein balkanisches Kuriosum der Linguistik? Eine Fußnote europäischer Diplomatie? Weit gefehlt – es handelt sich hier um Weltpolitik.
Die Namensfrage Mazedoniens beschert seit über fünfzehn Jahren Politikern graue Haare, kostet viel Geld und ist den lokalen Medien ein Dauerbrenner. Auf den ersten Blick scheint alles ganz einfach: Mazedonien heißt bereits fast überall in der Welt Mazedonien, nur nicht beim übermächtigen Nachbarn Griechenland. Dort heißt eine Nordprovinz gleichfalls Mazedonien, und diese Namensgleichheit betrachten die Griechen als feigen Angriff auf ihre nationale Integrität. Übrigens sehen sie das ebenso, wenn der Flughafen von Skopje nach dem makedonischen Großkönig Alexander (333 – bei Issos Keilerei) getauft wird.
Viel zu unsexy
Darum läuft Mazedonien in Griechenland und bei den internationalen Behörden zur Strafe unter dem Akrostichon FYROM. Das bedeutet Former Yugoslav Republic Of Macedonia und ist den Mazedonen viel zu unsexy. Weil sie aber in die EU und in die Nato streben, müssen sie gemeinsam mit dem Vetoland Griechenland irgendwie den gordischen Knoten aufdröseln. Das funktioniert seit Jahren nicht, obwohl die Mazedonier nach Griechenland reisen und die Griechen fleißig in Mazedonien investieren und alle einander ganz gern haben. Nur eben nicht unter dem richtigen Namen.
„Mazedonien-Skopje“ sollte nach griechischer Sicht der Nachbar mindestens heißen. Dass es auch anderwärts in Europa grenzüberschreitende Gebietsnamen gibt, will den Griechen, bei denen die Namensfrage die Staatsräson antastet, nicht einleuchten. Wenn sich also die nominalistischen Gegenspieler partout nicht einmal auf „Paionien“ (so der antike Name der mazedonischen Landschaft und nicht zu verwechseln mit Pannonien oder gar Päonien) einigen wollen, dann hier eine Idee zur Güte: Im Comic „Tim und Struppi“ gibt es die sympathische Balkanmonarchie Syldavien, die von König Ottokar regiert wird, Geigenspieler und Mineralwasser exportiert, aber leider auf keiner Landkarte mehr zu finden ist.
Wie wäre es mit einer Umbenennung Mazedoniens in Syldavien? Griechenland bekäme dafür König Ottokar, der unter dem Namen Rehhagel dort ja ohnehin schon länger regiert. Ehrwürdige Gebiete wie Galizien, Transleithanien, Rumelien oder Maghrebinien könnten in die Realität dazustoßen, sobald zwischen Montenegro und Brüssel mal wieder ein paar herrenlose Gebiete frei werden.