Einige Tage nach seiner Vorstellung auf dem „Filmfest München“ strahlt Arte an diesem Freitag das neue Fernsehdrama von Matti Geschonneck aus. In „Jenseits der Liebe“ verliebt sich Jan, ein deutscher Professor, in die Engländerin Helen. Sie ist die Tochter eines deutschen Kriegsverbrechers, der unter anderen auch Jans Vater auf dem Gewissen hat. Das Drehbuch nach einem Roman von Bernd Sülzer („Vaterflucht“) stammt von Hannah Hollinger.
Der Film handelt von Liebe, Enttäuschung, Vergebungsbereitschaft - und diese Gefühle, gespiegelt in den Gesichtern der Hauptdarsteller, bleiben beim Zuschauer weit über die Dauer des Films hinaus haften.
Eindringliche Momente
Entsetzt, doch ohne Hass betrachtet Jan (Robert Atzorn) auf dem heimischen Monitor die Anlagen einer gerade eingegangenen E-Mail. Es sind Filmausschnitte aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs, welche die Ermordung seines Vaters wiedergeben.
Gefasst, doch voller Enttäuschung blickt Helen (Martina Gedeck) auf ihre Mutter. Zeitlebens weigerte sich diese, über die Vergangenheit zu sprechen. Jetzt aber braucht die Mutter die Unterstützung ihrer Tochter, weil sich ein Deutscher (Jan) plötzlich für einen ehemaligen Kriegsgefangenen namens Werner Voigtländer interessiert, mit dem die Mutter nach dem Krieg ein Verhältnis hatte.
Schmerzvolle Aufarbeitung
Helens Mutter erlebt die restlose Aufklärung der von ihr totgeschwiegenen Vergangenheit nicht mehr. Ihr Herz versagt, kurz vor Jans Ankunft in England. Jan und Helen begegnen sich erstmals auf der Beerdigung. In den nächsten Tagen wird Helen mit Jans unfreiwilliger Hilfe schmerzlich bewusst, wer ihr Vater war: der Kriegsverbrecher Werner Voigtländer.
Jan fährt zurück nach Berlin, Helen reist ihm nach: sie haben sich verliebt. Unterstützt und gleichzeitig gedrängt von einem Nazi-Jäger kommen sie Voigtländer, der eine überraschende Identität angenommen hat, auf die Spur. Der Schluss ist ein wahrer Showdown.
Intelligente Verknappung
Es ist erstaunlich, welch komplexe Handlung Matti Geschonneck in 90 Minuten zu erzählen vermag. Selbst einige erhellende Nebenhandlungen bringt er in der knappen Sendezeit unter. Geschonneck bezwingt die Stoff-Fülle durch intelligente Verknappung. Es wird nichts umständlich erzählt, was man den Zuschauer sehen lassen kann.
Geschonnecks Filme sind immer wieder eine Herausforderung für Zuschauer und Darsteller. Motive und Impulse werden oft nur durch das Spiel der Schauspieler angedeutet. Robert Atzorn und Martina Gedeck nehmen die Herausforderung gekonnt an - wenn der ein oder andere bedeutungsschwangere Blick auch überzogen erscheint. Den Beteiligten gelang ein erstaunlicher, spannender Film zu einem immer noch brisanten Thema.