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Schauspieler Matthias Koeberlin : Nichts geplant und alles richtig gemacht

Braucht keine Macken und Ticks um aus der Kommissarlandschaft hervorzustechen. Koeberlin als Marthaler in „Partitur des Todes“. Bild: dpa

Matthias Koeberlin wollte nie Schauspieler werden. Aber er ist zu gut, um etwas anderes zu tun. Sein Kommissar Marthaler ist ein Eigenbrötler, er selbst ist es nicht. Eine Begegnung in Berlin.

          Eigentlich war das alles hier nicht so geplant, aber dann ist es auch wieder okay, ziemlich in Ordnung sogar, wie Matthias Koeberlin sagt, als er sich zum Interview auf eine Bierbank setzt. Drehpause in einem Berliner Hinterhof, durch den alle halbe Stunde der nächste Regenschauer fegt, gleich geht es weiter mit Szenen für die neuen „Kommissar Marthaler“-Folgen.

          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

          Zweimal schon hat Koeberlin für Arte und das ZDF den eigenbrötlerischen Polizisten gespielt, es ist eine der besten Rollen des Darstellers, der sich in den vergangenen Jahren beeindruckend unauffällig in die erste Reihe deutscher Fernsehschauspieler vorgearbeitet hat. Und das, obwohl Matthias Koeberlin eigentlich Journalist hatte werden wollen, also einer, der Fragen stellt, statt sie beantworten zu müssen, obwohl das mit der Schauspielerei eher ein Zufall für ihn war und es Jahre brauchte, bis er sich richtig mit dem Job angefreundet hatte. Und obwohl Koeberlin mit der Öffentlichkeit abseits seiner Rollen so gar nichts am Hut hat.

          Nicht auf bestimmte Rollen fixiert

          Was nicht heißt, dass er ein schweigsamer Typ wäre oder schlechte Laune beim Interview hätte, im Gegenteil. Kurze dunkelblonde Haare, ein Bart wie ein leicht verwahrloster Musketier: Der Vierzigjährige trägt den dicken Strickpulli mit Reißverschluss, den Kommissar Marthaler immer trägt, und scherzt, jetzt, wo es so gekommen sei, wie es unweigerlich kommen musste - „es gibt einfach wahnsinnig viele Krimis, da kommt man um die Rolle des Kommissars fast nicht herum“ -, schnappe vielleicht bald auch das andere Rollenextrem zu, und er spiele den Landadeligen in einer Rosamunde-Pilcher-Verfilmung. Dann gebe er eben nicht den Ermittler, der sich eine seelische Blessur nach der anderen bei der Suche nach dem Mörder holt, sondern fahre im offenen Wagen eine Steilküste entlang, das Tweedsakko lässig über die Schulter geworfen, und heiße Ian.

          Koeberlin lacht, es liegt keine Bosheit darin, dann steckt er sich die Zigarette an, die er zwischen den Fingern gedreht hat, wird ruhig und sagt: Warum nicht, vielleicht mache es ja sogar Spaß, Ian zu spielen, er sehe das nicht so eng. „Ich kann meinen Beruf immer noch mit einem Augenzwinkern sehen.“ Was nicht heiße, dass er ihn nicht ernst nehme oder sich nicht bei jedem neuen Rollenangebot die Frage stelle: Bringt mich das weiter?

          Einen seiner ersten Fernsehauftritte hatte er 1998 in einer „Schimanski“-Folge, für 35 Folgen war er Sebastian Maier in der Arztserie „In aller Freundschaft“. Mit seiner ersten Hauptrolle im Sat.1-Liebesfilm „Ben und Maria - Liebe auf den zweiten Blick“ holte Koeberlin den Günter-Strack-Fernsehpreis. Von da an ging es munter weiter, als Westentaschen-Indiana-Jones in „Das Jesus-Video“ etwa, Mann im „Bootcamp“ und Jung-Meteorologe im Auge des Sturms. „Tornado - Der Zorn des Himmels“ brachte Koeberlin den deutschen Fernsehpreis ein. 2007 war das, und die Schublade, in die man den Schauspieler da gern steckte, trug die Aufschrift: sympathischer Typ für physische Rollen. Wobei der Deutsche Comedy-Preis im selben Jahr für seinen Part in der Serie „Kinder, Kinder“ schon nicht recht dazu passte.

          Der ermittelt einfach nur

          Was Matthias Koeberlins Spiel in seinen jüngeren Filmen auszeichnet, ist vor allem das, was er alles weglässt. „Mir liegt das kleine, reduzierte Spiel, nicht so sehr das Theatralische“, sagt er von sich selbst. Man sieht es in der Nervosität des Fotoschmugglers im Wendedrama „Wir sind das Volk“, der auch körperlichen Schwäche eines Mannes, der seine Ehe nur noch vortäuscht, in „Stille Nächte“, der Undurchschaubarkeit eines Typen, von dem man nicht weiß, ob er ein Gewalttäter ist, in „Gefährliche Nähe“. Die große Geste sucht man vergebens. Auch bei „Kommissar Marthaler“.

          Neben Matthias Koeberlin löffeln inzwischen seine Schauspielerkollegen und ein paar Leute von der Crew ihr Mittagessen von Plastiktellern, der Regen klatscht schon wieder auf den Schirm über den Bänken, was nicht dramatisch ist, denn die nächsten Aufnahmen werden in einer hergerichteten Fahrradwerkstatt gedreht. Koeberlin sagt, er könne während des Drehs nicht essen, das mache ihn nur schwer und müde, dann legt er die Arme auf die Bierbank, lehnt sich etwas vor und geht ins Detail.

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