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Maschadows Tod Tschetscheniens de Gaulle

Wird es ein freies Tschetschenien jemals geben? Der Philosoph André Glucksmann über den einsamen Tod Maschadows, Putins Grausamkeit und den Mangel an Moral der politischen Führer des Westens.

© AP Vergrößern Ein Held? Aslan Maschadow

Aslan Maschadow mochte mich. Während meiner Wanderungen in Tschetschenien im Juni 2000 konnten wir nicht miteinander diskutieren, da unsere Begegnungen dreimal von Bomben unterbrochen wurden.

Ich übermittelte ihm meine Fragen, und er ließ mir auf einer Tonbandkassette eine lange Antwort zukommen, in der er den Islamismus verurteilte. Zum Schluß erklärte er darin: „In einem freien Tschetschenien würde niemals eine tschetschenische Frau gezwungen, den Schleier zu tragen.“

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Putins Grausamkeit

Wird es ein freies Tschetschenien jemals geben? Maschadow, der unter internationaler Kontrolle gewählte Präsident Tschetscheniens, ist tot. Er wurde ermordet. Der Plan der russischen Führung ist aufgegangen. Jetzt hat sie es nur noch mit Schamil Bassajew zu tun, dem von ihr selbst aufgebauten Extremistenführer, den sie immer wieder verschont hat, von Budjonowsk bis Dagestan.

Andre Glucksmann © picture-alliance / dpa Vergrößern „Wir haben unsere Ehre verloren”: André Glucksmann

Wladimir Putin, der sowjetische Geheimdienstmann, der seine Ferien zusammen mit Schröder und Berlusconi verbringt, steht nun seinesgleichen gegenüber, einem Terroristen, der zwar noch nicht seine Härte besitzt, wohl aber seine Grausamkeit. Das Blutbad kann weitergehen, die Attentate können wiederaufgenommen werden.

Für die Werte des Westens

Maschadow hatte einseitig eine Feuereinstellung verkündet und erklärt, er stehe für die Werte des Westens und nicht für die des radikalen Islamismus. Die Feuereinstellung war von allen Bojewiki respektiert worden. Maschadow hatte seine Macht bewiesen. Das war der Augenblick für seine Ermordung. Damit der Geist der „permanenten Revolutionen“, den unser Freund, der Zar, so fürchtet, sich nicht im ganzen Nordkaukasus ausbreitet.

Kein westlicher Führer hat es gewagt, den Kreml zu Verhandlungen mit dem einzigen legitimen Führer eines geschundenen und heroischen Volkes aufzufordern. Man erinnere sich an den Kommandanten Massud. Er hatte gegen die Russen und gegen die Islamisten gekämpft, wurde von den westlichen Demokratien im Stich gelassen und schließlich ermordet, zum Nutzen Bin Ladins.

Keiner widersprach dem Kreml-Chef

Und keiner unserer Repräsentanten widersprach Wladimir Putin, als der den bewaffneten Widerstand der tschetschenischen Unabhängigkeitsbewegung mit dem internationalen Terrorismus gleichsetzte. Im Gegenteil: Chirac und Schröder erklärten den Kreml-Chef wegen dessen Sympathien für Saddam Hussein zum Friedensengel erster Ordnung.

Neben einem Mangel an Moral beweisen unsere politischen Führer auch ein bemerkenswertes Maß an politischer Dummheit. Wer soll nun die Tausenden von Gemarterten besänftigen, die nur von Rache träumen? Wer wird in der Lage sein, mit den Russen zu verhandeln, wenn die den mörderischen Wahn erkannt haben werden, der sie gefangenhält? Wie soll man in dieser jungen Generation, die nur Krieg und Unterdrückung kennt, einen Menschen von der Statur und vor allem der maßvollen Haltung Maschadows finden? Tschetschenien wird noch tiefer in diesem Horror versinken. Und nicht nur Tschetschenien allein.

Er starb einsam

Der tote Jassir Arafat hatte Anspruch auf alle Ehren Frankreichs und Europas. Der tschetschenische Präsident, der niemals zum Mord an Zivilisten aufgerufen hat, starb einsam, wie er gekämpft hatte. Von der Welt im Stich gelassen, isoliert in seinem Unterschlupf irgendwo in den Bergen, sein Volk vor Augen, das inmitten internationaler Gleichgültigkeit niedergemetzelt wurde, verurteilte Maschadow dennoch bedingungslos die Geiselnahme im Moskauer Theater und die schrecklichen Ereignisse in Beslan. Er bot sogar an, nach Beslan zu kommen und die Ermordung Unschuldiger zu untersagen. Ebenso entschieden hatte er die Anschläge vom 11. September 2001 verurteilt.

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