27.11.2007 · Martin Heidegger wird, schließlich schreibt man das Jahr 1969, nach der Veränderung der Welt gefragt. Und zeigt, dass auch der Denker, der das Denken ganz neu denken wollte, mal am bereits Gedachten gründlich vorbeidenkt.
Martin Heidegger sitzt in seinem Freiburger Arbeitszimmer wie der sympathische Opa von nebenan. Seine Hose geht weit über das runde Bäuchlein fast bis ans Brustbein. Seine berühmte Zipfelmütze hat er im Youtube-Clip leider nicht auf. Sein Accessoire für diesmal ist ein Band der Marx-Engels-Gesamtausgabe, derjenige mit den Feuerbach-Thesen, den er griffbereit und aufgeschlagen auf der richtigen Seite vorsorglich im Regal deponiert hat. Denn man schreibt das Jahr 1969, und so stellt Heideggers Gesprächspartner die unvermeidliche Frage nach der Veränderung der Welt - so wie sich der Philosoph 1933 diese Frage stellte, als er sich als Reichsphilosoph, ja als Reichsphilosophenführer imaginierte.
Aber nicht danach fragt ihn der Interviewer, was doch immerhin auch eine typische 68er-Frage wäre, sondern nach der Veränderung der Welt hier und jetzt. Mit einem verschmitzten, knabenhaften, koketten Lächeln zieht er das Buch aus dem Regal, er wolle schließlich fehlerfrei zitieren, und liest: Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert; es kömmt darauf an, sie zu verändern. Und jetzt kömmt etwas Erstaunliches: Der Denker alles Hohen, das im Sturme steht, denkt zielstrebig an Marx vorbei. Die Weltveränderung setze eine Weltvorstellung voraus, diese das Interpretieren der Welt, also beruhe Marx' Satz auf einem „unfundierten“ Halbsatz. Aber Marx wollte doch gerade einen Schlusspunkt der Debatten setzen und die revolutionäre Tat preisen! Es handelt sich doch um einen polemischen Satz! Youtube beweist: Der Denker, der das Denken ganz neu denken wollte, denkt auch mal am bereits Gedachten gründlich vorbei.
Video: Martin Heidegger auf youtube.com
kaum unbekannt
Rud Haller (rodolfissimo)
- 27.11.2007, 14:47 Uhr
Marx
Christian Lischka (Lisch)
- 27.11.2007, 23:21 Uhr