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Montag, 13. Februar 2012
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Markus Lüpertz' Wiener Lektionen Berlin ist eine hysterische Nutte

09.03.2010 ·  In der Wiener Albertina hat der Maler Markus Lüpertz eine Deutschstunde der markigen Art erteilt: Stilvolle Gegenwartszernichterei, die nichts und niemanden schonte. Man hätte stundenlang zuhören können.

Von Dirk Schümer
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Wenn in Wien „deutsche Motive“ im Museum hängen, dann durchrieselt das Publikum immer ein angenehmes Gruseln. Deutsch oder deutschnational, preußisch gar – das sind historische Projekte, mit denen man hier in Wien keine guten Erfahrungen gemacht hat, deren Verquickung mit der eigenen, österreichischen Geschichte aber schwer zu verdrängen ist. Darum könnte man die Stahlhelme, Militärkappen, Kriegswaffen, die Markus Lüpertz einst so provokant auf seinen Bildern unterbrachte, auch als internationale Zeichen eines Blutjahrhunderts oder – wenn es sich denn partout auf die NS-Zeit beziehen soll – als deutsch-österreichische Motive bezeichnen.

Immerhin ist Lüpertz, wie die Mehrheit der Wiener, der Abkunft nach ein Böhme. Doch wenn die Deutschen nun einmal fürs Martialische zuständig sind, dann bleibt Wien, wo heute in der Albertina eine Lüpertz-Werkschau öffnet, die bis zum 6. Juni zu sehen sein wird, um so etatmäßiger fürs Schöne zuständig. Da ließ sich der Meister nicht hindern, in einem Prunksaal jedwede historisch-gesellschaftliche Vereinnahmung seiner Kunst sich zu verbitten und das Hohelied der autarken, freien Malerei zu singen.

Wo kein Geld, ist auch keine Kunst

Der Mann ließ sich auch in der Albertina mit Provokationen vernehmen: Ein alter Bundesrepublikaner sei er, kein Vereinigungsdeutscher, weil er sich unter lauter alten Stasileuten überwacht und kujoniert fühle. Und überhaupt das neue Kunstmekka Berlin: „Eine kleine hysterische Nutte, die im Ödland verzweifelt versucht, auf Kunst zu machen. Aber wo kein Geld ist, da ist auch keine Kunst.“ Derart warmgeredet, prügelte Lüpertz auf die Achtundsechziger, auf Amerika („Da herrschen die Dilettanten und Dekorateure“) und den Künstlernachwuchs ein: Ein prüdes Häuflein Ungebildeter sei das, das vor der Leinwand ängstlich davonlaufe. Noch nie habe er so viele Analphabeten erlebt wie unter seinen Studenten, die nicht einmal mehr ordentlich prügeln und fremdgehen könnten.

Das regte einen jungen Kollegen auf, und er sprach von „steinzeitlicher Meinung“. Doch in der Stadt von Hans Makart, wo seit dem Tod von Thomas Bernhard die Grantlerrolle sträflich unbesetzt blieb, hätte man Lüpertz noch stundenlang zuhören mögen. Stilvolle Gegenwartszernichterei – solange das als deutsche Kunst durchgeht, kann es um uns so schlecht nicht stehen.

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