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Markus Lanz Dritte Wahl

 ·  Im dritten Anlauf endlich geschafft: Markus Lanz kommt zu „Wetten, dass...?“ und bringt seine eigene Produktionsfirma gleich mit. Das ZDF mag sich auf seinen anwanzenden Moderationsstil noch etwas einbilden.

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© Cinetext/Haeselich Talkrunde bleibt, Kochtöpfe nicht: Markus Lanz wird nach über einem Jahr als Nachfolger für Thomas Gottschalk gefunden

Das „heute journal“ hatte am Sonntag ein ganz wichtiges Thema. Ein Jahr hatte es gedauert, bis die Sache spruchreif war, eine quälend peinliche Suche für den neuen Intendanten Thomas Bellut ging zu Ende. Hape Kerkeling, der Wunschkandidat Nummer eins, musste vor laufender Kamera absagen, Jörg Pilawa, der Zweite auf der Liste des Zweiten, wollte auch nicht, da blieb im Bunde nur der Letzte und Dritte, einen anderen konnte es nicht mehr geben, das hatten die Spatzen schon seit Tagen von den Dächern gepfiffen: Markus Lanz tritt bei der Show „Wetten, dass..?“ die Nachfolge von Thomas Gottschalk an, der im Februar des vergangenen Jahres seinen Abgang verkündet hatte und sich im Augenblick im Ersten um Quoten müht. Am 6. Oktober legt Lanz los, wahrscheinlich in Düsseldorf.

Lanz oder gar nicht - das schien zuletzt die Alternative zu sein, die dem Moderator eine glänzende Verhandlungsposition bescherte. Denn das Feld der Bewerber um den prestigeträchtigen Job hatte sich gelichtet. Per Handschlag hätten Bellut und Lanz den Kontrakt am vergangenen Donnerstag in einem Mainzer Restaurant besiegelt, heißt es. Doch darf man sich die Sache nicht allzu romantisch vorstellen. Am Ende geht es ums Geld, das Moderatoren vor allem dann verdienen können, wie sie mitproduzieren. So ist denn nun die von Lanz und seinem Kompagnon Markus Heidemanns geführte Firma „mhoch2“ mit von der Partie, die schon Lanzens Talkrunde fürs ZDF erstellt. Mit der geht es auch künftig weiter, nur vor laufender Kamera Köchen in die Töpfe gucken („Lanz kocht“) wird der Moderator nicht mehr.

Problem gelöst, mit viel Getöse

Damit vollzieht der neue ZDF-Intendant, was er nach dem Abgang des All-inclusive-Moderators Johannes B. Kerner im Frühjahr 2009 eigentlich zu vermeiden trachten wollte - sich von einem Moderator allzu abhängig zu machen. Das heißt: In dem Programm, auf dem ZDF steht, ist Lanz drin, auf dessen eher anwanzenden Moderationsstil sich der Sender wohl sogar - wie auch der Beitrag im „heute journal“ nahelegte - noch etwas einbildet.

Rechtzeitig zur Abschiedsparty des scheidenden Intendanten Markus Schächter am Mittwoch in der Mainzer Phönix-Halle hat dessen Nachfolger also ein Problem gelöst, wenn auch unter größtmöglichem Getöse. Es kommen auf Bellut allerdings größere Aufgaben zu. Die Medienpolitiker von SPD und Union machen dem ZDF gerade einen Strich durch die Pläne für die digitale Zukunft. 75 Millionen Euro sollen an Personalkosten eingespart werden, zahlreiche Mitarbeiter aus dem sogenannten „dritten Kreis“ (mit den unsichersten Verträgen) müssen gehen. Da wird so mancher morgen auf „Weck, Worscht und Woi“ verzichten. Die Champions League hat sich das ZDF für den Rekordpreis von rund fünfzig Millionen Euro pro Saison geleistet, „Wetten, dass..?“ darf nicht sterben. Das Vermächtnis des Intendanten Schächter aber - aus dem ZDF eine eigene Senderfamilie zu machen - steht auf dem Spiel.

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Jahrgang 1965, Redakteur im Feuilleton, zuständig für „Medien“.

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