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Markenschutz für übermaltes Ecce-homo-Bild Ecce Affe

 ·  Das spanische Dorf Borja bei Saragossa will ein laienhaft übermaltes Ecce-homo-Wandbild unter Markenschutz stellen, die Restauratoren aber wollen das originale Kirchenbild wiederherstellen. Kostspieliger Ärger, der Spanien bewegt, genauso wie die Frage, ob aus dem Amt geschiedene Minister sich auch in Krisenzeiten für viel Steuergeld porträtieren lassen sollten.

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Das Schöne am Wahnsinn ist, dass er einen immer wieder überrascht. Jetzt will das spanische Dorf Borja bei Saragossa, wo eine einundachtzigjährige Rentnerin in einer Kirche ein Ecce-homo-Wandbild übermalte, um es zu restaurieren, das daraus hervorgegangene braune Äffchengesicht als Markenzeichen registrieren lassen. Verständlich, denn die Überpinselung konkurriert schon fast mit Mickey Maus und Che Guevara. Es dürfe kein „unziemlicher“, kein „grotesker Gebrauch“ mit dem Bild getrieben werden, sagt der Bürgermeister. Auch der Begriff „Ecce homo von Borja“ soll unter Markenschutz gestellt werden. Der Gebrauch ist aber schon so grotesk, dass er alle bösen Vorahnungen über menschliche Dummheit übertrifft. Längst werden T-Shirts mit dem Äffchen darauf verkauft, und eine Madrider Bäckerei, so heißt es, bietet Crêpes an, auf denen die missglückte und eben deshalb erfolgreichste Restauration der jüngeren Kunstgeschichte zu sehen ist, bevor sie zwischen den mahlenden Zähnen der Käufer verschwindet. Während die Persiflagen im Internet unaufhaltsam zunehmen, versucht das Dorf zusammen mit der Stiftung „Sancti Spiritus“ gegenzusteuern. Es hat hat einen religiösen Malwettbewerb zum Thema „Ecce homo“ ausgerufen, aber wer könnte gegen das zum Kult erhobene Witzbild ankommen? Die Restauratoren, die sich mit dem Schlamassel jetzt beschäftigen müssen, haben unterdessen ein salomonisches Urteil gefällt. Sie wollen die Farbschichten der beiden Werke behutsam voneinander trennen, um das Original wiederherzustellen und zugleich das Äffchen der Rentnerin zu retten. Eine „komplexe Aufgabe“ sei das, sagt die zuständige Restauratorin. Als wäre das noch nicht genug Ärger mit Farbe und Pinsel, debattiert Spanien darüber, dass aus dem Amt geschiedene Minister sich von Malern porträtieren lassen und dafür einen Haufen Steuergelder verjubeln. Hier 82 000 Euro für ein Politikergesicht, dort 190 000 Euro für ein anderes, dazu die empirisch belegte Scheußlichkeit der staatlich kommissionierten Ölbilder, all das hat Experten zu dem Urteil bewogen, in Krisenzeiten müsse man mit der Tradition des höfischen Porträts brechen. „Gespenstisch“ nennt eine Galeristin die metergroßen Leinwände und plädiert, wenn ein Abbild denn unbedingt sein müsse, für Fotografien. Wir haben eine bessere Idee, mit der allen gedient wäre: Lasst die einundachtzigjährige Rentnerin aus Borja ran, und aus blassen Politikerköpfen in Öl wird ein Heer populärer Äffchen.

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Jahrgang 1961, Feuilletonkorrespondent für Spanien und Portugal mit Sitz in Madrid.

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