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Marine Le Pen in Châteauroux : Der ewige Käse

  • -Aktualisiert am

Ein Muss für Präsidentschaftskandidaten: Der Besuch auf der Pariser Landwirtschaftsmesse Bild: dapd

Aus der Tiefe des französischen Raums: Wenn Marine Le Pen ihre Anhänger versammelt, ist viel vom Essen die Rede und davon, wie Brüssel alles verdirbt. Vor allem den Geschmack.

          In Châteauroux muss sich niemand langweilen! Am 12.März beginnt die Woche der psychischen Gesundheit, am 26. gibt das 517.Versorgungsregiment ein Konzert, ein paar Tage vor der Eröffnung des Seniorentreffs. Dazwischen findet noch ein Fechtturnier statt und im Kiwanis-Club ein Markt für Loire-Weine. An diesem milden, sonnigen, fast frühlingshaften Sonntag empfängt Châteauroux, die Geburtsstadt Gérard Depardieus, im mittelfranzösischen Departement Indre gelegen, 46386 Einwohner nach der Volkszählung von 2009, heute also empfängt Châteauroux Marine Le Pen.

          Um zu der Versammlung mit der Vorsitzenden des Front National zu gelangen, muss ich ein Taxi nehmen, und wenn ich noch rechtzeitig im ehemaligen Stadion ankommen will, muss der Chauffeur sich beeilen. Er muss eine List anwenden: Eine Gegendemonstration aufgebrachter Linker und die in großer Zahl angerückten Ordnungskräfte zwingen ihn, einen Umweg zu nehmen, um den Stadtrand zu erreichen. Kurz vor der Mehrzweckhalle mit dem seltsamen Namen Mach 36, einem futuristisch anmutenden, silbrigen Raumschiff in Gestalt einer ermatteten Nacktschnecke, stoßen wir auf eine imposante Sicherheitsabsperrung aus Sondereinheiten der Polizei und Gendarmen, abschreckend. Am Himmel kreist ein Hubschrauber.

          Fünf Euro für die gute Sache

          Solcherart geschützt, nähern sich die Anhänger Marine Le Pens den Sicherheitsabsperrungen. Ich warte mit ihnen. Es sind in der Mehrzahl, aber doch nicht ausschließlich Senioren. Es gibt auch Jüngere in Trainingsanzügen, ein paar Punks mit Irokesenschnitt, Eltern mit Kindern, brave Paare mit Rundkragen, Gutsherren in Cordsamt und Tweed, Provinznotabeln in weiten Kamelhaarmänteln und in Begleitung ihrer herausgeputzten Gattin, auch ärmere Leute wie dieser fast zahnlose, schlecht gekleidete Mann gleich vor mir. Hinter mir zwei Frauen in den Vierzigern. Die eine trägt auf der Brust ein Bild von Marine Le Pen und erzählt begeistert von dem Fernsehauftritt ihres Idols vor ein paar Tagen, bei dem Marine, in den Augen ihrer Verehrerin „meisterhaft“, diesen „Scheißlinken Mélenchon zermalmt“ habe. Das war, als Marine demonstrativ in der Zeitung las, um nicht mit ihrem Gegner von der Linksfront sprechen zu müssen.

          Als wir die erste Absperrung hinter uns haben, müssen wir nochmals warten, dicht gedrängt in der frischen Wintersonne im Schutz der Gitter des Mach36, unter den finsteren Blicken des Sicherheitsdienstes des Front National, untersetzte Typen mit dicken Armen und runden Köpfen. Alle tragen stolz die marineblauen Krawatten des Département de protection et de sécurité (DPS) des Front National und ein Abzeichen mit der Devise des DPS: „Ehre und Treue“. Es folgt eine letzte Kontrolle mit Metalldetektoren, dann geht es zur Kasse. Fünf Euro Eintritt für die gute Sache und gratis dazu ein Ansteckbutton, „Ich liebe Marine“, rotes Herz, blaue Schrift auf weißem Grund, blinkend.

          Jung, brav und die Fähnchen in der Hand

          In der Eingangshalle herrscht eine Stille wie im Beichtstuhl. Da ist nichts - nichts zu trinken, nichts zu essen, keine Musik, nur zwei kleine Stände von kaum zu überbietender Nüchternheit. Der eine für jene, die sich bemüßigt fühlen sollten, dem Front National beizutreten - dreißig Euro Jahresbeitrag für Mitglieder unter 25 Jahren, sechzig für ein Paar, fünfzig für einen Erwachsenen.

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