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Maria Theresia : Wie stolz und herrlich diese Frau!

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Wären doch die Preußen nur zu ihr bekehrt worden! Kaiserin Maria Theresia war als Mutter der Nation die Keimzelle des österreichischen Selbstverständnisses. Heute wäre sie 300 Jahre alt geworden.

          Der Mythos der mütterlichen Kaiserin ist die Urzelle aller Bemühungen um das österreichische Selbstverständnis. Es konnte sich nicht anders artikulieren als im Widerstreit zu Preußen und dessen historischer Ikone, König Friedrich II. Die Kaiserin bezeichnete den König als „bösen Mann“, der König die Kaiserin unverschämterweise als eine der „drei größten Huren Europas“ neben der Zarin Elisabeth II. und Madame Pompadour. Er sprach ihr sogar im Namen der Bibel die Legitimität als Herrscherin von Gottes Gnaden ab. Denn in seiner Dankpredigt für den Sieg von Mollwitz zitierte er aus dem Paulusbrief an Timotheus (2,12): „Zu lehren aber verstatte ich dem Weibe nicht, noch sich zu erheben über den Mann, sondern sich ruhig zu verhalten.“

          Ohne Zweifel ist der Gegensatz zwischen „männlich-soldatisch-deutsch“„ und „weiblich-mütterlich-österreichisch“ das wirkungsvollste und langlebigste Stereotyp im „Kampf um die österreichische Nation“ (Friedrich Heer). Ein Kampf, der nach der Niederlage von Königgrätz 1866 einsetzte, im Ersten Weltkrieg einen ersten Höhepunkt erreichte, zwischen 1933 und 1938 intensiviert wurde, 1938 obsolet geworden zu sein schien und nach 1945 eine neue Blüte, nicht zuletzt im Namen Maria Theresias erlebte.

          Das schwache Geschlecht führt sieben Jahre Krieg

          Doch Maria Theresia wurde nicht nur als liebende Mutter gesehen. Kronprinz Rudolf beschwor 1888 leidenschaftlich seinen halbherzigen Vater Franz Joseph I., es im Kampf gegen Bismarck der heldenhaften Ahnin, der „stolzen und herrlichen Frau“ gleichzutun, „die von dem Hohenzollern Friedrich überfallen und beraubt ward. Und was that Maria-Theresia?“ Sie habe, „eine Frau also, dem weichherzigen und schwachen Geschlecht angehörend“, sieben Jahre Krieg geführt, während Franz Joseph I. „einen verderblichen Bund“ mit dem Sieger eingegangen sei. Eine Konsequenz dieser Missehe, „Zweibund“ geheißen, war die „Nibelungentreue“ im Ersten Weltkrieg.

          Überlebensgroß: In Bronze thront sie heute in Wien zwischen dem Kunsthistorischen und dem Naturhistorischem Museum.
          Überlebensgroß: In Bronze thront sie heute in Wien zwischen dem Kunsthistorischen und dem Naturhistorischem Museum. : Bild: dpa

          Die Konfrontation „preußisch-männisch“ mit „österreichisch-verweiblicht“ wurde besonders intensiv in der Literatur ausgetragen. Wenig taktvoll hatte Thomas Mann 1914 den Bündnispartner in seinem Essay „Friedrich der Große und die Koalition“ behandelt. Um den Bruch der belgischen Neutralität zu rechtfertigen, berief er sich auf den „dämonischen“ Preußenkönig und rechtfertigte die Untaten des „bösen Manns“ gegen die „keusche und hochsinnige Frau“, in Friedrichs Augen Vertreterin eines „Weiberjahrhunderts“, ja einer „Verschwörung der Unterröcke“.

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