Ich solle morgen wieder anrufen, sagt er mehrfach, und eines Morgens dann: Gut, kommen Sie, aber ich gebe dieses Interview gegen meinen Willen. Und wenn Sie mich langweilen, schmeiße ich Sie raus! Er empfängt im Wohnzimmer. Trinkt Tee aus einem Becher mit „Penguin-Books“-Aufdruck. Seine Frau ist nirgends zu sehen, nur ihre Zigarettenschachtel, Marlboro Menthol, liegt auf dem Tisch. Daneben die neue „Zeit“, aufgeschlagen auf der Seite mit dem Marcel-Reich-Ranicki-Interview. Seine Stimmung: genervt, brummig, im Verlauf des Gesprächs ins Gereizte tendierend, schwer zu sagen, ob echt oder gespielt. Oft hat er die Augen lange geschlossen. Manchmal hat man das Gefühl, er muss innerlich selbst grinsen, aber es könnte auch nur eine Hoffnung sein.
Ein Überlebender des Warschauer Gettos wird später zum mächtigsten Mann im deutschen Literaturbetrieb, zum obersten Richter über die Sprache seiner ehemaligen Feinde: Wie kommt Ihnen selbst Ihr Leben vor?
Überraschend. Mit diesem Leben habe ich nicht gerechnet, überhaupt nicht. Das ist so passiert.
Ihre Autobiographie „Mein Leben“ ist 1999 erschienen. Ist in den letzten elf Jahren etwas passiert, das Sie gerne noch hinzugefügt hätten?
Ich könnte noch sehr viel hinzufügen, natürlich. Aber das Buch ist ja ohnehin schon umfangreich genug. Sie fragen, was ich hinzufügen würde - Sie fragen nicht, was ich gestrichen hätte, nach elf Jahren. Auch das gibt es, Sachen, die ich für überflüssig halte und die ich dennoch damals, vor elf Jahren, geschrieben habe.
Können Sie ein Beispiel nennen?
Ich kann, aber ich will es nicht.
Ihre Frau ist Ihnen mutig vorangegangen und wurde bereits im März neunzig. Wie haben Sie ihren Geburtstag gefeiert?
Sehr ungünstig, sehr unangenehm. Es war eine große Feier vorbereitet, die hat es nicht gegeben, denn sie hatte hier in der Wohnung einen Unfall mit dem Bein.
Das tut mir leid zu hören. Geht es ihr wieder besser?
Ja, es geht besser, aber es ist immer noch sehr schwer.
Gibt es irgendetwas am Alter, das positiv ist?
(Lange Pause, 13 Sekunden) Genau betrachtet: nein.
Werden Sie milder? Gelassener? Geduldiger? Gütiger?
Ach, ich weiß es nicht. Ich weiß es nicht.
Welches Alter war das beste, das Sie je hatten?
Ich kann es nicht nennen. Hat verschiedene Gründe.
In Ihrem Buch steht der Satz: „Ich war nie in meinem Leben ein ganzer Jude, ich bin es auch heute nicht.“ Wie meinen Sie das?
Das erkläre ich doch genau, wenn Sie das Buch gelesen haben.
Warum fühlen Sie sich nicht als ganzer Jude?
Es gehört das Religiöse dazu, ein ganzer Jude zu sein, und das existiert in meinem Leben nicht. Ich bin nicht religiös.
Aber man muss doch nicht religiös sein, um Jude zu sein.
Das mag Ihnen nicht klar sein, für mich ist das ganz klar. Man muss religiös sein.
Wird die Frage nach der Identität später im Leben unwichtiger, oder bleiben das große Fragen: Was Sie sind - Deutscher, Pole, Jude?
Das sind große Fragen, aber in meinem Leben spielte die jüdische Religion keine Rolle. Überhaupt keine, Schluss. Damit ist genau erklärt, was ich gesagt habe.
Sie sagen, Sie sind kein ganzer Jude, kein halber Pole, kein halber Deutscher, kein ganzer Deutscher ... Was sind Sie denn?
Ich habe keine positive Definition gefunden. Das heißt, doch: Mein Verhältnis zur Musik, mein Verhältnis zur Literatur, das sind ja positive Definitionen.
Gut, aber das ist nichts, wo man sagen könnte, ich bin ...
... dazu möchten Sie mich zwingen, aber ich lass' mich nicht zwingen.
Würden Sie zustimmen, dass Sprache die Persönlichkeit formt?
Zunächst einmal formt die Persönlichkeit die Sprache. Das ist doch ein gegenseitiger Vorgang.
Es gibt Untersuchungen, dass zweisprachig aufgewachsene Menschen in den jeweiligen Sprachen andere Charakterzüge zeigen.
Vielleicht.
Sind Sie auf Polnisch anders als auf Deutsch?
Nein, nein, ich bin ganz genau gleich.
Mit Ihrer Frau sprechen Sie Polnisch. Ist das für Sie die Sprache des Herzens, während Deu...
Nein, nein, nein, nein, nein, das ist alles Kitsch. Das ist keine Sprache des Herzens. Ich hab' ein anderes Verhältnis zur polnischen, ein anderes Verhältnis zur deutschen Literatur.
Auch zur Sprache? Gibt es zum Beispiel im Polnischen Ausdrücke, die sehr schön sind und nicht ins Deutsche übersetzt werden können?
Ja.
Wollen Sie ein Beispiel nennen?
Nein. Es gibt viele polnische Ausdrücke, die gut sind, sehr viele, die sich nicht ins Deutsche übersetzen lassen, so ist das. Beispiele kann ich nicht geben.
Mit Ihrem Sohn, der in England lebt, sprechen Sie auch Polnisch?
Nein. Wie es gerade kommt.
Also Englisch, Deutsch ...
Jaja, alles, wie es gerade kommt.
Und welche Sprache spricht Ihre Enkeltochter?
Na ja, die spricht natürlich am besten Englisch, gar keine Frage.
Auch mit Ihnen?
Mit mir manchmal Deutsch, manchmal Englisch, manchmal gar nicht.
Sie wissen, dass Sie eine besondere Art haben, Deutsch zu sprechen. Sie betonen es sehr eigen, auch anders als andere Polen, die ich kenne. Woher kommt das?
Ich weiß es nicht.
Träumen Sie vom Warschauer Getto?
Oh ja, sehr oft.
Heute öfter als früher?
Unterschiedlich.
Ich hoffe, die Frage ist nicht zu persönlich - waren Sie je in Treblinka? An dem Ort, an dem Ihre Eltern vergast wurden?
Nein.
In Yad Vashem, der israelischen Holocaust-Gedenkstätte, sind Videos mit Zeitzeugenberichten zu sehen. Sie sind der Einzige, der seine Erlebnisse dort auf Deutsch erzählt. War das eine bewusste Entscheidung?
Ja, es war Deutsch. Bitte. Sie quälen mich, Liebe. Ja, es war so. Vielleicht wollte ich lieber Deutsch als Polnisch sprechen.
Immerhin dreißig Jahre, ein Drittel Ihres Lebens, haben Sie in Polen gelebt. Sprechen Sie lieber Deutsch als Polnisch?
Ja, bestimmt.
Sie haben mehrmals im Leben die Erfahrung machen müssen, nichts mehr zu haben. Nichts als die Kleider, die man trägt. Ich frage mich, hängt man dann später im Leben besonders an Besitz, oder befreit einen diese Erfahrung?
Ich weiß es nicht, es ist eine so künstlich konstruierte Frage.
Wohnen Sie zur Miete?
Liebe, bitte, lassen Sie.
Darf ich etwas zu Ihrer Ehe fragen? Sie sind ja fast siebzig Jahre verheiratet.
Siebzig?
Fast.
Wir haben uns kennengelernt, als wir neunzehn Jahre alt waren.
Sie haben 1942 geheiratet, vor 68 Jahren. Loki Schmidt hat die Frage nach dem Geheimnis ihrer langen Ehe einmal so beantwortet: Getrennte Betten. Haben Sie auch einen Rat?
Also, diese Überlegung war nicht da.
Trennen sich Paare heute zu schnell?
Nein, das weiß ich nicht.
Darf ich fragen, wie Sie beide mit dem Thema Eifersucht umgegangen sind? In Ihrem Buch erzählen Sie, dass es auch Dritte gegeben hat. Vielleicht kann man da etwas von Ihnen lernen?
Es gab auch natürlich Dritte. Und das, was Sie Eifersucht nennen, das gab es auch, ja, natürlich. Bei ihr und bei mir.
Aber Sie sind zusammengeblieben.
Ja.
Was fällt Ihnen leichter: Freundschaft oder Feindschaft?
Freundschaft natürlich.
Eine Frage von Max Frisch: Wovor haben Sie mehr Angst - dass Sie auf dem Totenbett jemanden beschimpfen könnten, der es nicht verdient, oder dass Sie allen verzeihen, die es nicht verdienen?
Beides kommt nicht infrage. Ich möchte mir keine Gedanken machen, was auf dem Totenbett wäre. Es ist sehr traurig, das alles.
Was lesen Sie gerade?
Ach. Ich habe jetzt den „Simplicissimus“ in die Hand bekommen. Von Grimmelshausen.
Und, gefällt's Ihnen?
Nein.
Lesen Sie jeden Tag?
Zeitungen, Zeitschriften, natürlich, jeden Tag.
Sie arbeiten ja auch jeden Tag.
Ja, ja, ja.
Wie sehen Ihre Tage aus? Stehen Sie jeden Tag zur selben Stunde auf ...
Das kann ich nicht beantworten. Manchmal lese ich nach dem Frühstück, ziemlich lange, ich abonniere drei Zeitungen, die F.A.Z., die „Welt“ und die „Süddeutsche“. Ich bekomme darüber hinaus die „Zeit“, den „Spiegel“, „Focus“. Meine Frau liest auch noch manchmal den „Stern“ und die „Bunte“.
Lesen Sie hauptsächlich die Kulturteile und Feuille ...
Ja!
... oder auch Politik?
Nein!
Finden Sie, die Kulturteile werden besser oder schlechter?
In mancher Hinsicht deutlich schlechter.
Alle?
Nein. Welche, will ich nicht sagen.
Ärgern Sie sich oft bei der Zeitungslektüre?
Manchmal ärgere ich mich, oft ärgere ich mich nicht. Sind Sie eine Qual!
Schauen Sie fern?
Ja, ich schaue fern.
Keine Sorge, ich frage Sie nichts mehr zum Fernsehen. Haben Sie ja alles schon gesagt, als Sie den Fernsehpreis abgelehnt haben ... Gehen Sie oft ins Konzert?
Was, wieso? Sie können ja übers Fernsehen mehr fragen, da hab' ich nichts dagegen.
Dann haben wir endlich ein Thema gefunden? Was schauen Sie denn im Fernsehen?
Viele Kultursendungen. Sehr vieles im Fernsehen interessiert mich überhaupt nicht, ich kann mir nicht mehr Fernsehfilme anschauen über Tiere. Tiere jeglicher Art interessieren mich nicht!
Kommen dauernd, das stimmt.
Dauernd, ja.
Oft Haie.
Ja.
Und Shows wie „DSDS“ ...
Nein, nein.
... kommen die Ihnen beim Umschalten unter?
Ja, aber das ist nicht mein Fach.
Finden Sie eigentlich generell, dass das Leben langweiliger wird? Alles ist so politisch korrekt heutzutage, alle ernähren sich gesund und ...
Ich weiß nicht.
Sind Sie immer vernünftig gewesen und haben Alkohol nur in Maßen getrunken, oder ...
Unterschiedlich. In der Zeit, in der ich bei der F.A.Z. gearbeitet habe, passierte es doch nicht selten, wenn ich um sechs etwa nach Hause kam, dass ich dann einen Whiskey getrunken habe.
Haben Sie geraucht?
Ja. Aber: eines Tages bin ich in Hamburg vom Arzt gefragt worden, wie viele Zigaretten ich rauche, ich hab' mehr oder weniger die Wahrheit gesagt, ich glaubte, ich würde zehn, zwölf Zigaretten rauchen. Da hat er mich gefragt, ob es mir möglich wäre, dies bis auf die Hälfte zu reduzieren. Seitdem habe ich keine einzige Zigarette mehr geraucht. Keine einzige. Und das ist sehr lange her.
Ihre Frau raucht noch.
Ja, sehr viel. Leider. Sehr viel.
Haben Sie jemals Drogen probiert?
Niemals. Nie probiert. Ich kenne das nicht. Vielleicht ist mir viel und Gutes entgangen.
Haben Sie jemals irgendeinen Draht zu Popmusik gehabt?
Nein. Interessiert mich nicht.
Auch nicht so was wie die Beatles?
Doch, doch. Die Beatles interessieren mich, rein musikalisch. Die habe ich gerne gehört.
Spielen Sie ein Instrument?
Nein.
Nie Klavier gelernt?
Bisschen. Ganz wenig. Der Krieg, das Getto hat das alles unmöglich gemacht.
Spielt Ihre Frau noch Klavier?
Nein.
Schade.
Ja, schade. Die hat Schreckliches erlebt. Was wollen Sie? Da soll sie noch Klavier spielen? Das ist eine völlig weltfremde Sache, Sie wissen nicht, wie die Welt aussieht! Sie fragen warum meine Frau nicht während des Krieges Klavier gespielt hat!
Nein, ob sie heute noch spielt.
Nein. Sie konnte in ihrer Jugend Klavier spielen.
Mein Großvater hat ein KZ überlebt und hat danach noch Klavier gespielt, insofern ... es gibt alles.
Ja.
Sind Sie sehr wachsam, was Antisemitismus in Deutschland angeht?
Nein, ich kann das nicht sagen. Das ist eine Sache, die mich sehr angeht, sehr interessiert, aber ich kann Ihnen das heute nicht sagen.
Haben Sie in Ihrem Leben viele antisemitische Briefe bekommen?
Nein. Aber: zur Zeit, als ich Chef der Literatur in der F.A.Z. war, müssen Briefe gekommen sein, die ich aber nicht gesehen habe, weil sie von der Sekretärin in den Papierkorb geschmissen wurden. Ob es viele oder wenige waren, weiß ich nicht. Wahrscheinlich sehr wenige.
Sie langweilen sich schnell, oder?
Bitte?
Das ist Ihnen immer sehr wichtig gewesen, oder? Dass man sich nicht langweilt?
Na, natürlich ist das wichtig! Sie können doch nicht eine so unmenschlich langweilige Frage stellen!
Es ist schwierig mit Ihnen. Sie antworten so kurz, ich hab' das Gefühl, Ihnen ungeheuer auf die Nerven zu gehen ... Hm. Wie werden Sie denn Ihren Geburtstag am Mittwoch verbringen?
Das weiß ich nicht, ich habe keine Ahnung. Ich habe nichts vorbereitet, nichts. Ich kann dazu gar nichts sagen. Ich kann dazu und ich will dazu nichts sagen. Ich weiß nicht, wer kommt, wer nicht kommt ...
Wünschen Sie sich etwas zum Geburtstag?
Etwas Leben. Noch etwas Leben.
Ihre Schwester wurde 99. Es kann doch also gut sein, dass ...
Ach, das ist lange her. Weiter.
Haben Sie je eine Psychoanalyse gemacht?
Nein.
Nie drüber nachgedacht?
(Brüllt.) Nein!
Hm. Gucken Sie mal, hier haben Sie länger geantwortet.
Wo?
Hier, in dem Interview mit der „Zeit“, das hier liegt.
Länger?
Ja, längere Antworten gegeben. Über Ulla ... wie heißt sie noch ... Von Suhrkamp ...
Zeigen Sie mal, was habe ich denn da gesagt?
Viel. Berkéwicz. Genau. Hier.
(Liest.)
Die ist Ihnen nicht so sympathisch, oder?
Nein.
Ach, Herr Reich-Ranicki. Wann waren Sie das letzte Mal in Polen?
Ich war das letzte Mal in Polen, als ich Polen verlassen habe.
Nie wieder dort gew...
Nein, nie wieder dort gewesen.
Warum nicht?
Ich will das nicht beantworten! Ich will Ihre Fragen nicht beantworten. Weil ich nicht daran interessiert war, Warschau, Polen noch einmal zu besuchen. Schluss. Ich hab' da Schreckliches erlebt, Herrgott, kapieren Sie denn nicht?
Ja, nur das Schreckliche kam ja eigentlich aus dem Land, in dem Sie heute leben. Deshalb ist Ihre Logik ein biss... um eine Ecke.
Ja, ja. Ich habe in Warschau nichts gesucht. Ich habe in einem bestimmten Augenblick Warschau verlassen, bin nach Deutschland gegangen und hier geblieben. Schluss. Wenn's Ihnen nicht gefällt, dann nicht, aber so ist es.
Fühlen Sie sich wohl in Deutschland?
Weiß ich nicht. Ich habe keine Vergleiche, ich weiß es nicht.
Ich habe gelesen, dass Ihre Frau die Frage mit nein beantwortet. Sie fühlt sich nicht wohl in Deutschland.
Ja, die ist in Lódz geboren und dort aufgewachsen, und ihr Leben ist an Warschau gebunden. Meines nicht.
Können Sie mir etwas über die Stadt erzählen, in der Sie geboren ....
Steht doch im Buch drin!
... ich weiß nicht mal, wie man die ausspricht.
„Wozwawek“. Jetzt wurde die Stadt mehrfach in der Zeitung genannt, wegen der Flut.
Hat es Sie berührt, dass das Flugzeug abgestürzt ist mit dem polnischen Präsidenten darin?
Natürlich hat's mich berührt. Es berührt mich doch auch, wenn ein Flugzeug aus Ungarn abstürzt, oder Dänemark.
Aber Sie fühlen sich nicht mit dem polnis...
Nein, ich fühle mich nicht. Sie können das drehen und wenden, wie Sie wollen.
Sie sind einfach Marcel Reich-Ranicki, kein Land, kein nichts.
Ja.
Aber auch das ist ja so interessant, dass Sie ja eigentlich gar nicht Ranicki heißen. Heißt Ranicki irgendwas auf Polnisch? Oder wie sind Sie auf den Namen gekommen?
Nein, das bedeutet gar nichts.
Kannten Sie jemand, der so hieß?
Ja.
Wer war das?
Das geht Sie nichts an.
Sie machen es mir aber wirklich nicht leicht.
Ich will nicht über diese Dinge reden.
Wenn Sie in den Feuilletons über neue Bücher lesen, erregt das ...
Ja!
... Neugierde, und Sie bestellen sich was?
Ich bestelle gar nichts, die Bücher werden alle hierhergeschickt, unaufgefordert.
Lesen Sie zum Beispiel alle neuen Bücher von Philip Roth?
Oh, da haben Sie einen guten Namen genannt.
Haben Sie ihn mal getroffen?
Ja. Dort in New York.
Und wie war der?
Der war jung. Wir waren beide jung. Das heißt, vor allem er. Er war ein bisschen enttäuscht, weil er gehofft hat, mit mir Jiddisch sprechen zu können. Ich kann kein Wort Jiddisch.
Philip Roth kann Jiddisch?
Ja, er kann es.
Fanden Sie seine letzten Romane alle gut?
Nein, ich fand nicht seine letzten Romane alle gut, aber ich will auch keine Urteile darüber fällen, denn Sie langweilen mich schon so. Finden Sie alle Stücke von Shakespeare gut? Das ist der beste Dramatiker der Welt, aber es gibt Stücke von Shakespeare, die nicht überzeugend sind.
Wir sind fertig. Bitte, ich will Sie nicht noch länger quälen.
Sie haben sehr viel von mir gehört.
Finden Sie?
Wahnsinnig viel!
In den anderen Interviews haben Sie viel mehr gesagt.
Nein.
Nein? Dann las sich das nur so.
Sie haben, das ist nicht Ihre Sc... Ich verstehe den Unterschied, dass Sie davon reden. Weil Sie Dinge rausholen möchten, über die ich mich nicht äußern möchte.
Und gibt es etwas, worüber Sie ganz viel Lust hätten zu reden, dann könnten wir das jetzt tun!
Nein.
Klatsch aus dem Literaturbetrieb?
Nein.
Da sollen Sie so gut informiert sein, heißt es.
Weiß ich nicht. Manchmal ist es so, manchmal ist es nicht so. Es wundert mich übrigens, dass Sie nicht nach meinen Liebesgeschichten gefragt haben.
Darüber hätten Sie gerne gesprochen?
Nein.