Marcel Reich-Ranicki erhält für seine Rede im Deutschen Bundestag, die er am 27. Januar dieses Jahres anlässlich des Holocaust-Gedenktages hielt, die Auszeichnung „Rede des Jahres“. Der 1920 geborene Literaturkritiker schilderte dort seine Erlebnisse im Warschauer Getto – nach Meinung des Rhetorischen Seminars der Universität Tübingen mit einer Eindringlichkeit, die sich „der konventionellen Gedenkrhetorik verweigert und auf Appelle, Mahnungen oder Forderungen verzichtet“ habe.
„Die detailgetreue, von subjektiven Wahrnehmungen und atmosphärischen Eindrücken durchzogene Erinnerung führt den Zuhörern die Grausamkeit der Judenvernichtung direkt vor Augen.“ Reich-Ranickis Schilderung sei kunstvoll und ergreifend gewesen, aber an keiner Stelle pathetisch. Die jährlich verliehene Auszeichnung ist undotiert. Unter den früheren Preisträgern sind Papst Benedikt XVI., die ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Margot Käßmann, und der SPD-Chef Sigmar Gabriel.