Home
http://www.faz.net/-gqz-obdu
Mehr Angebote
| Abo|Hilfe
Montag, 13. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Manuel Vázquez Montalban Aufgewachsen in den Armenvierteln Barcelonas

18.10.2003 ·  Manuel Vázquez Montalban ist gestorben. Am Samstag morgen wurden seine Freunde mit der Nachricht vom überraschenden Tod des Schriftstellers geweckt. Ein Nachruf.

Von Walter Haubrich
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Manuel Vázquez Montalban ist gestorben. Am Samstag morgen wurden seine Freunde mit der Nachricht vom überraschenden Tod des Schriftstellers geweckt. Es war die Spitzenmeldung in allen spanischen Radionachrichten: Vázquez Montalban erlag im Alter von 64 Jahren auf dem Flughafen in Bangkok einem Herzinfarkt. Er befand sich auf dem Rückweg von einer Vortrags- und Lesereise in Australien und Neuseeland. Denn auch dort, auf dem entfernten Kontinent, werden seine Bücher viel und gern gelesen.

Die Romane um den gut kochenden und belesenen Detektiv Pepe Carvalho, aber auch seine politischen und zeithistorischen Bücher haben Vazquez Montalban auf der ganzen Welt bekannt gemacht. Er war ein Vielschreiber, der Jahr für Jahr zwei bis drei Bücher veröffentlichte. Jeden Montag erschien seine gesellschaftskritische Kolumne in "El Pais", dazu schrieb er regelmäßig Beiträge für Wochenzeitschriften. Wenn man ihn als "poligrafo", dem keineswegs abschätzig gemeinten spanischen Wort für Autoren, die viel schreiben, bezeichnete, hatte Montalban nichts dagegen.

Sein Schriftstellerkollege Manuel Vicent mutmaßte einmal, der Erfinder von Pepe Carvalho schriebe oder ließe wohl gleichzeitig an vier oder fünf Computern schreiben, worauf Vazquez Montalban ankündigte, den Kollegen in eines seiner nächsten Werke aufzunehmen und so für die üble Nachrede zu bestrafen. Allerdings, ergänzte er, schreibe und diktiere er tatsächlich gewöhnlich mehrere Bücher gleichzeitig und abwechselnd. Zudem gesellten sich außergewöhnlicher Fleiß und Organisation bei ihm zu einem schon früh vorhandenen Schreibtalent.

Für seine zeitgeschichtlichen Werke, wie die "Autobiographie Francos" oder die Lebensgeschichte der Kommunistenführerin Pasionaria, hatte er ausgiebig recherchiert. Sein wohl bedeutendster Roman ist "Das Spiel der Macht", ein halb dokumentarisches Buch über einen baskischen Republikaner, der im Exil gegen die spanische Diktatur arbeitet und mit Hilfe der Polizei Francos in Santo Domingo gefoltert und getötet wird. Für dieses jetzt gerade verfilmte Werk erhielt er neben Auszeichnungen in Spanien den europäischen Literaturpreis.

Im Ausland kaum bekannt, in seiner Heimat aber sehr geschätzt ist die in mehreren Bänden publizierte Lyrik des aus Katalonien stammenden Dichters. Den Kennern Spaniens bieten die Schlüsselromane "Mord im Zentralkomitee" (1981) und "Undercover in Madrid" (1966) einen besonderen Lesegenuß, erscheinen in diesen Büchern doch leicht identifizierbare Personen des öffentlichen Lebens mit all ihren unangenehmen Eigenschaften.

Vázquez Montalban wuchs in einem Armenviertel Barcelonas auf. Sein Vater, Mitglied der sozialistischen Partei, kam nach dem Bürgerkrieg vor ein Kriegsgericht und ins Gefängnis. Er selbst schrieb schon mit 17 Jahren für eine Enzyklopädie, um so zum Überleben seiner Familie beizutragen. Er verkaufte jahrelang Versicherungspolicen und finanzierte so sein Romanistik-Studium an der Universität Barcelona.

Wegen politischer Aktivitäten in linksgerichteten Gruppen mußte er gleich nach seiner Heirat für zwei Jahre ins Gefängnis. Er war eine Zeitlang Mitglied im Zentralkomitee der kommunistischen Partei Kataloniens, sagte sich nie ganz vom Marxismus los, bewahrte aber in vielen politischen Fragen seine Unabhängigkeit. In öffentlichen Diskussionen beeindruckte er durch sein großes Wissen, feine Ironie und dialektische Schulung. Mit seinen Freunden pflegte er hart, aber immer offen und fair zu diskutieren.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 19.10.2003, Nr. 42 / Seite 25
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Eingeführte

Von Gerhard Stadelmaier

Nachhilfe zuerst: Die „Einführung“ nämlich ist republikweit an allen Theatern das meistgespielte Stück. Es dauert ungefähr eine halbe Stunde. Mehr