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Mantua, eine Schadensbilanz : Ein Erdstoß noch, dann fällt der Turm

  • -Aktualisiert am

Skyline von Mantua mit dem Palazzo Ducale in der Mitte Bild: Rainer Meyer

Das Beben hat in Oberitalien auch einige Hauptwerke der Renaissance in Gefahr gebracht. In Mantua sind die Schäden jetzt sichtbar. Das öffentliche Leben steht nahezu still.

          Man trifft sich in Mantua aus Gewohnheit auf den Stufen der Basilika Sant’Andrea. In der Kunstgeschichte gilt die Kirche als Meisterwerk des Architekten Leon Battista Alberti und als Durchbruch der Renaissance in der Baukunst, aber es ist auch ein guter Ort, um sich zu verabreden.

          Die Kirche liegt in der Mitte der Stadt, und von hier aus kann man alles schnell erreichen, einfach ums Eck, am Haus der Tuchhändler vorbei, einem phantastisch verzierten Bürgerhaus der Renaissance, auf den Corso Umberto 1., wo man sieht und gesehen wird.

          Der erwähnte Durchgang von der Piazza Mantegna zur Via Roma

          Hinter dem Haus der Tuchhändler steht ein alter Geschlechterturm. Als gestern zwei Erdstöße Mantua erreichten, einer um 9 Uhr und ein weiterer um 13 Uhr, ist die Aussenwand des Turms von oben bis unten aufgerissen. Er hat über 600 Jahre gehalten. Sollte noch ein Erdstoß kommen, könnte er leicht fallen, hinunter auf die Piazza Mantegna, und jene erschlagen, die es wagen, heute auf einen Sprizz in die Bar Venezia gehen, oder die Schulkinder, die hier normalerweise entlangradeln, oder wer sonst wie gewohnt diese Lebensader der Stadt begehen möchte.

          Deshalb sind die Straßen gesperrt. Das Leben in Mantua hängt davon ab, ob der Turm steht oder fällt.

          Blick aus den Arkaden des Palazzo Ducale auf die Piazza Sordello

          Die Bewohner von Mantua sind stolz auf ihre kleine Stadt, die es auf die Liste des Weltkulturerbes geschafft hat. Verona ist größer, Florenz berühmter und Rom einzigartig, aber Mantua hatte das Glück, in der Phase zwischen später Gotik und frühem Barock ein besonderer Ort zu sein: Hier ist eine Ansammlung der Hauptwerke der Renaissance in wenigen Minuten zu erreichen. Die Stadt hat die Sensationen der Kunstgeschichte ohne den üblichen Trubel, es ist schön, lebenswert und unaufgeregt. Die Bewohner haben die Aufnahme in die Liste mit einer Tafel am Rathausturm gefeiert.

          Davor stehen heute nicht mehr die Stühle des Restaurants, und morgen auch nicht die Stände des Wochenmarktes. Dort steht ein Baufahrzeug mit Kran. Auch dieser Turm, der zur Stadtverteidigung angelegt wurde, hat das Erdbeben nicht ohne Schaden überstanden. Teile sind schon abgebrochen, noch eine Erschütterung, und er droht einzustürzen. Vielleicht, wenn die nächsten Stöße nicht zu schlimm werden, reicht der Kran, um ihn zu stabilisieren. Der Turm ist recht hoch; je nachdem, wohin er fällt, kann es schlimm ausgehen.

          Der inzwischen schwer beschädigte Campanile von Santa Barbara, vom Garten des Palazzo Ducale aus gesehen

          Die Laterne auf dem Glockenturm von Santa Barbara ist um 13 Uhr heruntergefallen. Santa Barbara ist die Hofkapelle der Gonzaga; der Campanile ist zusammen mit dem Turm des Rathauses ein Teil der Silhouette der Stadt. Zum Glück sind die Trümmer auf den Hof gestürzt, und nicht in die Richtung der Gebäude. Trotzdem hat die Kuppel der Kirche, in der viele Gonzaga ihre letzte Ruhe zu finden gedachten, schwere Schäden davongetragen. Es ist ein sehr leichtes, delikates Gebäude, das Hauptwerk des Architekten Giovan Battista Bertani. Letzte Woche fand dort ein Benefizkonzert zugunsten der Erdbebenopfer in Japan statt.

          Skyline von Mantua mit dem Palazzo Ducale in der Mitte

          Der Palazzo Ducale hat wenig von der Leichtigkeit, die man von einem Palast erwarten würde. Die Gonzaga waren eine kriegerische Familie und nicht immer auf Seiten der Gewinner in den Konflikten um Oberitalien.

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