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Maigret-Marathon 58 : Die braven Leute

Bild: Diogenes

75 Maigret-Romane hat Georges Simenon geschrieben. Gerade erscheinen sie in revidierter Übersetzung auf deutsch, chronologisch geordnet, ein Roman pro Woche. Tilman Spreckelsen liest mit und vervollständigt das Porträt eines epochalen Kriminalisten.

          75 Maigret-Romane hat Georges Simenon geschrieben. Jetzt erscheinen sie in revidierter Übersetzung auf deutsch, chronologisch geordnet, ein Roman pro Woche. Tilman Spreckelsen liest mit. (Siehe auch: Warum ich jede Woche einen Maigret-Roman lesen werde)

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.

          Jetzt also hat die Tochter der Pardons, der Freunde des Ehepaars Maigret, geheiratet, und das Kind ist im vergangenen Jahr zur Welt gekommen. Jetzt ist es Herbst geworden, wir erfahren, dass Frau Pardon auf den Vornamen Francine hört, die Dinge sind gleichzeitig geerdet und im Fluss, und damit könnte es sein Bewenden haben, litte Maigret nicht unter Träumen, die, sieht man nur seine öffentliche Figur, so gar nicht zu ihm passen. Angstträume sind das, Versagensträume, Prüfungsträume. Aber warum denn auch nicht?

          Die Handlung in einem Satz: Ein Mann wird in seinen vier Wänden ermordet, und wenn seine Angehörigen nicht so eisern mauerten, würde Maigret den Täter schon erheblich früher ermittelt haben - reden wir gar nicht erst von dingfest machen.

          Spielt in: Paris, obwohl die Maigrets ihr Haus in Meung-sur-Loire bereits gekauft haben.

          Neues über Maigret: Eine kindliche Lüge Maigrets wird hier kurz diskutiert, aber auch seine Reue und sein Bedürfnis, die Sache wieder einzurenken. Was auch gelingt.

          Und Frau Maigret? Sie will kein Dienstmädchen, weil sie sich sonst überflüssig fühlt. Immerhin - eine Putzfrau darf kommen, aber auch ihr putzt Madame Maigret hinterher.

          Konsum geistiger Getränke: Cognac mit Wasser. Bier.

          Geschichtenerzählen? Nicht bei uns!

          Von den titelgebenden braven Leuten ist hier viel die Rede, aber die faszinierendste Gestalt, der Bruder einer dieser braven Frauen, bleibt konsequent hinter den Kulissen. Von seiner Existenz ist überhaupt erst ganz am Ende die Rede. Dann aber richtig: Wir erfahren von einem, der eigentlich dem Autor Simenon höchsten Respekt oder doch wenigstens ein gewisses Verständnis abnötigen sollte, von einem Mann nämlich, der es nie leicht hatte und sich gegen eine böse Realität mit gut erfundenen Geschichten wehrte, so gut erfunden, dass nicht nur er selbst, sondern auch andere daran glaubten. Dass der Autor diesem liebenswerten Versager dann trotzdem ein böses Ende beschert, ist verständlich, aber auch sehr schade. Denn was heißt das anderes, als dass für ihn in der Welt der braven Leute kein Platz ist?

          Lieblingssatz: „Aus wem? Aus dem Oberst? Der hat sich eine Kugel in den Kopf geschossen, also damals war hier im Haus ganz schön was los.“

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