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Maigret-Marathon 53 : Die widerspenstigen Zeugen

Bild: Diogenes

75 Maigret-Romane hat Georges Simenon geschrieben. Gerade erscheinen sie in revidierter Übersetzung auf deutsch, chronologisch geordnet, ein Roman pro Woche. Tilman Spreckelsen liest mit und vervollständigt das Porträt eines epochalen Kriminalisten.

          75 Maigret-Romane hat Georges Simenon geschrieben. Jetzt erscheinen sie in revidierter Übersetzung auf deutsch, chronologisch geordnet, ein Roman pro Woche. Tilman Spreckelsen liest mit. (Siehe auch: Warum ich jede Woche einen Maigret-Roman lesen werde)

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.

          Was ist eigentlich mit Simenon los, in jenem Herbst 1958, in dem dieser Roman entstanden ist? Wieder ist alles grau, wieder fühlt Maigret sich alt (doch diesmal mischt sich darin nicht die Sorge um seine Frau), wieder sieht er überall seine Generation verschwinden und eine neue nachdrängen - aber diesmal wird er am Ende die Dinge geschehen lassen müssen. Dass der Fall geklärt wird, verdankt sich seiner Intuition, aber den Ruhm erntet einer dieser jungen Schnösel. Und gibt ihm dann auch noch zu verstehen, dass der Erfolg ganz den neuen Ermittlungstechniken geschuldet sei.

          Die Handlung in einem Satz: Ein Fabrikant ist in seinem Schlafzimmer erschossen worden, seine Angehörigen wollen nichts davon mitbekommen haben, und weil Maigret es auch noch mit einem jungen Untersuchungsrichter zu tun bekommt, sind die Ermittlungen äußerst zäh.

          Spielt in: Paris und Ivry bei Paris

          Neues über Maigret: An jenem Montag, den 3. November (es mag sich um das Jahr 1958 handeln), sind es noch 2 Jahre bis zu Maigrets Pensionierung - seinen Intimfeind Coméliau hat er im Amt bereits überlebt. Seine Bushaltestelle ist an der Ecke zum Boulevard Voltaire.

          Und Frau Maigret? Sie bleibt im Hintergrund.

          Konsum geistiger Getränke: Grog. Bier.

          Die hilfreiche Plaudertasche

          „... und die widerspenstigen Zeugen“: Tatsächlich schweigen die Angehörigen eisern und reden nur in Gegenwart des Anwalts. Dabei stehen sie doch, was den Krieg der Generationen angeht, an Maigrets Seite. Sie repräsentieren eine Waffelfabrik, die alt ist und einmal groß war, aber schon damals, in Maigrets Kindheit, schmeckten die Waffeln nach Pappe, und statt die Rezeptur zu ändern, machte man einfach weiter und verschleppte den Konkurs trickreich bis in die Gegenwart des Romans. Sie schweigen aber, und wer weiß, ob Maigret irgendwie weitergekommen wäre, wer weiß, ob überhaupt irgendjemand den Fall hätte aufklären können, wäre da nicht sein Nimbus, der eine redselige Concierge zum Plaudern bringt. Und was sie alles ausplaudert! Das sind Details, die kein Mieter gern von sich preisgibt, und von denen er vor allem nicht möchte, dass sie jedem Besucher unterbreitet werden. Aber Maigret ist erstens nicht jeder Besucher, und zweitens gehört er eben nicht so ohne weiteres zum alten Eisen unter den Ermittlern.

          Lieblingssatz: „Der junge Beamte, der gerade erst zum Richter ernannt worden war, reichte ihm eine gepflegte, kräftige Hand, und Maigret dachte abermals, dass eine neue Generation dabei war, die alte abzulösen.“

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