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Maigret-Marathon 39 : Lognon und die Gangster

Bild: Natascha Vlahovic, FAZ.NET

75 Maigret-Romane hat Georges Simenon geschrieben. Jetzt erscheinen sie in revidierter Übersetzung auf deutsch, chronologisch geordnet, ein Roman pro Woche. Maigret-Novize Tilman Spreckelsen liest mit.

          75 Maigret-Romane hat Georges Simenon geschrieben. Jetzt erscheinen sie in revidierter Übersetzung auf deutsch, chronologisch geordnet, ein Roman pro Woche. Maigret-Novize Tilman Spreckelsen liest mit. (Siehe auch: Warum ich jede Woche einen Maigret-Roman lesen werde )

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.

          Ganz am Ende läßt Maigret seine Gattin einfach stehen, legt sich, angetrunken und vergrippt wie er ist, ins Bett. Und während er dahindämmert, denkt er noch matt, dass er „es ihnen jedenfalls gezeigt“ hat - „und wie!“ Diese Zufriedenheit nach Abschluß eines Falls ist selten im Maigret-Kosmos. Und wer „die“ sind, ist unklar: Die Bösewichter? Die wohlmeinenden Kollegen aus Ameriak, die ihm suggerieren, dass der Fall seine Fähigkeiten übersteigt? Sowohl als auch? Jedenfalls rettet Maigret hier die Ehre der französischen Polizei, und Simenon, der auch diesen tapferen Roman im Exil in Connecticut verfaßte, mag dabei die eigene kulturelle Situation im Blick gehabt haben.

          Die Handlung in einem Satz: Ein Verbrechen unter Amerikanern, das sich in Paris abspielt, weitet sich aus, so dass auch einer von Maigrets Mitarbeitern misshandelt wird und er die Ermittlungen übernimmt, obwohl jeder, der sonst mit dem Fall befaßt ist, ihn davor warnt.

          Spielt in: Paris, an einem 19. und 20. November (Donnerstag und Freitag)

          Neues über Maigret: Seine Reise in die Vereinigten Staaten bestand unter anderem aus einer Tour durch den kompletten mittleren Westen und fand nach dem Ende der Prohibition statt.

          Und Frau Maigret? Freitags geht sie immer mit ihrem Mann ins Kino. Dass sie es insgesamt nicht leicht hat, zeigt folgender Dialog: Maigret wählt zerstreut die heimische Telefonnummer, seine Frau hebt ab und fragt „Bist du es?“ - „Ich komme heute Nacht wahrscheinlich nicht nach Hause.“ - „Was hast du?“ - „Nichts.“ - „Du scheinst nicht recht auf der Höhe zu sein. Liegt es an deiner Erkältung?“ - „Vielleicht.“ - „Klappt etwas nicht?“ - „Gute Nacht.“

          Konsum geistiger Getränke: Chianti, Zwetschgenwasser, Calvados, Bier, Whisky, Grog, Cognac.

          Sind das Killer?

          Maigret nimmt die Sache persönlich, damit fängt es schon einmal an, er kann es nicht leiden, wenn jemand ihn spüren lässt, dass er auf ihn herabsieht, vor allem, wenn es tatsächlich den Anschein hat, als wäre das alles eine Nummer zu groß. „Das sind Killer“ ist der häufigste Satz dieses Romans, er zielt auf die aus Amerika Mörder, die in diesem Fall interessanterweise gerade keinen Mord begehen, obwohl sie es immer wieder versuchen. Doch Maigret stößt tatsächlich an seine Grenzen, er schwankt, physisch wie psychisch, durch einen Fall, der von einigen Pannen seitens der französischen Polizei geprägt ist. Ein zweites Mal, mag man ahnen, ginge das ganze nicht so glimpflich aus. Vielleicht ahnt das sogar Maigret.

          Lieblingssatz: „Mit halbgeschlossenen Augen versuchte er nachzudenken, aber seine Gedanken, die immer unbestimmter wurden, endeten unweigerlich in der Gewissheit: Ich werde sie kriegen!“

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