Nach seinem russischen Kollegen Putin bastelt auch der weißrussische Präsident Alexander Lukaschenka, Europas letzter Diktator, an einer Tandem-Konstruktion. Der Herr des international isolierten, doch erfolgreich befriedeten Weißrusslands verzichtet auf einen dem Westen und der Opposition zumutbaren Platzwärmer wie Medwedjew und demonstriert dynastische Zuversicht. Seit Jahren lässt Lukaschenka sich auf Staatsbesuchen, wie kürzlich bei Hugo Chavez in Venezuela, von seinem jüngsten Spross, dem sieben Jahre alten Nikolai, begleiten. Im Gegensatz zu den älteren Söhnen Viktor und Dmitri, die in der nationalen Außenhandelsbehörde und im Grenzschutz tätig sind, zeige der kleine Nikolai - auch Kolja genannt - ein „unvergleichliches Kind“, wie sein Vater versichert - Talente eines Staatslenkers.
Ein bedrohliches Kind
Der uneheliche Nachkomme von Lukaschenka und seiner Ex-Leibärztin war bei einer Audienz bei Papst Benedikt XVI., er nimmt Militärparaden mit ab, und bei einer Truppenübung schenkte der russische Tandem-Präsident Medwedjew dem in Tarnkleidung auftretenden Dreikäsehoch eine vergoldete Pistole. Koljas Lieblingsspielzeuge seien Waffen, betont Lukaschenka, und zwar echte. Umso elektrisierter waren Journalisten, als jetzt bei seinem Auftritt mit Papa und Chavez in Caracas unter Koljas linker Schulter ein dickes Pistolenhalfter sichtbar wurde. Lukaschenka, der mit Freund Chavez neue Abkommen über die Lieferung von Öl gegen Militärtechnik unterzeichnete, empfahl dem schwerkranken Amtskollegen sein Kind als Symbol für die Dauerhaftigkeit des Bundes ihrer rückständigen Länder, den auch die nächste Generation fortführen werde.
Seine Nicht-Kindheit als Liebling des manischen Despoten hat Kolja gezeichnet. Als der Präsidentensohn einmal mit dem Vater ein Flugzeug bestieg, wollte er die Außentür hinter sich selbst schließen, was ihm eine Stewardess verbot. Da biss der Kleine ihr in die Hand und versprach: „Wenn ich Minister werde, erschieße ich dich.“