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Luther-Teilung : Wutprobe mit Wedel

Zu viel Wut in den Kulissen: Paulus Manker, ehemals Viertel-Luther Bild: dpa

Bei den Bad Hersfelder Festspielen hat der Luther-Darsteller Paulus Manker seine Rolle bei Dieter Wedel verloren. Halb so schlimm, es gab vier Thesen-Anschläger auf der Bühne. Doch Manker will klagen.

          Singe den Zorn, o Göttin, des Manker Paulus und des Wedel Dieter, die vor den Toren der stolzen hessischen Kreisstadt Bad Hersfeld aufeinander eindroschen, aber nicht, als wären sie Hektor und Achill oder Luther und der Papst, sondern eher wie Bierkutscher, Kesselflicker und andere Künstlernaturen, denen im Streit schon mal der Kamm schwillt. Wie es halt so ist, wenn sich zwei gegenüberstehen, die nicht anders können und nicht anders wollen. Der Reformator weiß, wovon ich rede. Dann werden aus großen Geistern böse Gespenster, denen die Brust bebt, die Gesichtszüge entgleisen und die Adern an den Denker- und Lenkerstirnen hervorquellen.

          Schauspieler können so was, Intendanten aber auch. Ein Wort gibt das andere, Tintenfässer fliegen hin und her, wollen doch mal sehen, wer hier der Stärkere ist, wo du eine Kapelle hinsetzt, baue ich eine Kathedrale, aber Teufel auch, keiner von beiden gibt nach. Handfester Krach also, jedoch nicht, wie am Theater üblich, hinter den Kulissen, sondern auf der Bühne, bei den letzten Proben zur Uraufführung des Dramas „Martin Luther – Der Anschlag“, mit dem am Freitagabend die 67. Bad Hersfelder Festspiele eröffnet wurden.

          Aber noch bevor die illustren Premierengäste aus den umliegenden Dörfern und Metropolen anreisten, nagelte der Wedel Dieter dem Manker Paulus dessen außerordentliche Kündigung mit mächtigen, weithin hallenden Schlägen seiner bloßen Faust an die Pforte der Stiftskirche, die zwar erzitterte, aber schon zuvor, da soll man dem Wedel Dieter nichts Falsches nachsagen, nurmehr eine Ruine war, nämlich die größte romanische Kirchenruine der Welt. Wer gibt in solch erhebendem Gemäuer schon gern klein bei? Der Manker Paulus und der Wedel Dieter jedenfalls nicht. Also setzte der Intendant, der die Rolle des Luther auf vier Schauspieler verteilt hat, den Manker Paulus vor die Tür. Wegen wüster Widerworte während der Wutproben. Denn naturgemäß sollte der Manker Paulus die Wutbürger-Seite des Reformators verkörpern, die jetzt – Erlösung in höchster Not – der Nickel Christian übernimmt, der bislang nur ein Viertel-Luther war, es nun aber immerhin schon auf den halben Luther bringt. Der Manker Paulus will jetzt klagen. Der Wedel Dieter nimmt aber bestimmt kein Wörtchen zurück. So ein Krieg kann lange dauern. Homer weiß, wovon ich rede.

          Hubert Spiegel

          Redakteur im Feuilleton.

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