26.07.2001 · Das Loveparade-Dossier versammelt die wichtigsten Eindrücke und Interviews, Beiträge und Hintergründe zum Techno-Spektakel.
Von Fridtjof KüchemannDie Loveparade stand in Frage. Zunächst ihr Datum, zwischenzeitig ihr Standort und fast endlos ihr Status sind in diesem Jahr diskutiert worden. Am 21. Juli, eine Woche später als gewohnt, wälzte sich der Techno-Umzug die gewohnte Strecke entlang.
Zuerst kam die Party nicht so richtig in Schwung. Dann aber doch. Auch das Wetter kam erst nicht so richtig in Schwung an diesem Samstag. Am Morgen war der Himmel verhangen, ein kühler Wind wehte von der Siegessäule Richtung Brandenburger Tor. Man zog die Schultern hoch und blickte mit gerunzelter Stirn nach oben. Dann kam die Sonne.
Ursprünglich hatte die Loveparade am zweiten Samstag im Juli stattfinden sollen, aber für diesen Tag war auf der selben Strecke bereits ein anderer Demonstrationszug bewilligt worden. Gewitzt war die Bürgerinitiative „Rettet den Großen Tiergarten“ den Veranstaltern der Loveparade zuvorgekommen. Eine Ausweichstrecke kam für das Techno-Spektakel nicht in Frage, und so musste der Termin verschoben werden - sehr zur Verärgerung einiger Wagen- und Clubbetreiber, die ihre DJs umbuchen mussten, der Hotels - und vieler Sponsoren. Die wurden noch zusätzlich genervt durch eine nicht enden wollende Diskussion darüber, ob die Loveparade jetzt eine politische Veranstaltung sei oder nicht.
Finanzen, Vorwürfe und Forderungen
Diese Frage ist nicht neu, die Antwort birgt vor allem für die Veranstalter weitreichende wirtschaftliche Konsequenzen. Für die Folgekosten einer kommerziellen Veranstaltung, etwa die Abfallbeseitigung und die Behebung entstandener Schäden, muss der Veranstalter selbst aufkommen. Einmal mehr wurde in der Öffentlichkeit laut darüber nachgedacht, wohin eigentlich die Einkünfte der Loveparade fließen - und ob ihre Veranstalter wirklich so wenig an der Sache verdienen, wie sie immer behaupten. Undurchsichtig, so der Vorwurf, wäre das Geschäftsgebahren der Loveparade, und undurchsichtig wären auch die Kriterien, nach denen die teilnehmenden Wagen und die DJs, die zur „Abschlusskundgebung“ an der Siegessäule auflegen dürften, ausgewählt wurden.
Schließlich platzte einigen Wagenbetreibern der Kragen. Und das Techno-Magazin „Raveline“ forderte größere Mitsprachemöglichkeiten für „die Szene“ bei diesen Entscheidungen. Die zehn Minuten Stillstand auf der Loveparade, mit denen ursprünglich mehr als die Hälfte aller gemeldeten Wagen hatten protestieren wollen, blieben aber unbemerkt. Vielleicht fanden sie nicht statt, vielleicht verhallte das Schweigen der Wagen auch im allgemeinen Lärm des Techno-Events.
Themen, Trends und Tipps
Lärmig und bunt war die Loveparade auch diesmal. Und auch wenn sie weniger gut besucht wurde als in den Jahren zuvor - selbst die Veranstalter sprachen von insgesamt einer Million gegenüber eineinhalb Millionen Ravern im Vorjahr: Der Stimmung tat das keinen Abbruch. FAZ.NET war vor Ort und berichtete mit fünf Textbeiträgen und vier Bildreportagen vom Geschehen. Im Vorfeld wurden Beiträge zur stilistischen Vielfalt der auf der Loveparade versammelten Musik oder zu den politischen Implikation des Themas „Liebe“ in der Popkultur veröffentlicht, Ausgeh-Tipps für den Abend danach und Interviews mit Szenegrößen.
Das Loveparade-Dossier versammelt diese Beiträge zur größten Techno-Party.