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Loriot-Ausstellung in München Das hat Loriot nicht verdient

 ·  Bespielung einer Marke: Das Münchner Literaturhaus stellt den Nachlass Loriots aus. Das ist schön anzusehen, mehr aber auch nicht. Dem Meister und seinem Werk wird die Ausstellung so nicht gerecht.

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Als Loriot im August 2011 starb, hatte der 1923 als Bernhard Victor Christoph-Carl von Bülow geborene Zeichner, Schauspieler und Regisseur den Status eines deutschen Denkmals erreicht. Keiner, der ihn nicht mag, viele, die passagenweise Szenen auswendig können. Der kleinste und gleichzeitig größte gemeinsame Humor-Nenner, auf den sich die Nation in allen Altersklassen einigen kann. Inklusive des Missverständnisses, Loriot sei ein rein deutsches Phänomen. Man mache den Test mit europäischen Nachbarn: Die erkennen das „typisch Deutsche“, aber auch die universale Botschaft der Knollennasenwelt.

Die Ausstellung mit Werken aus dem Nachlass, die Peter Geyer und O.A. Krimmel jetzt im Literaturhaus München kuratiert haben, hält das Interesse an Loriot mit 250 Objekten wach. Optisch intimer gemacht hat man den langen, schwer zu bespielenden Ausstellungsraum mittels Kabinetten. Durch die zur Pappfassade aufgeblasene „MiezKaserne“ (eine Zeichnung, die ein Mehrparteienhaus voller Katzen zeigt) betritt man den Raum mit den „Frühstücken“. Hier sind Loriots erste Gehversuche auf dem Gebiet der Witzzeichnung zu sehen, dazu eine Handvoll Briefe, die er an Redaktionen der Zeitschriften „Weltbild“ und „Quick“ schrieb.

Kein Meister fällt vom Himmel

Die Antworten beweisen, dass er nicht als Meister vom Himmel fiel. Am 6. Oktober 1952 bietet er eine „Witzserie“ an, die „Weltbild“ zwei Tage später als „nicht geeignet“ ablehnt. Zwei Jahre später liefen die Geschäfte besser, Loriot wohnt in Hamburg in der respektablen Parkallee, die Redakteurin Gullan Schündler findet die Zeichnungen „ganz himmlisch“. Rückschläge bleiben nicht aus, nicht immer findet er den richtigen Ton für das „hochwassergeschädigte“ Publikum. Am 5. März 1956 schreibt Helmut Wahl, „in der ganzen Redaktion“ sei „kein Mensch hinter die Pointe gekommen“. Es sei eben bedauerlich, „daß der liebe Gott es Dir versagt hat, Frauen zu zeichnen“. Gezeichnet „Dein Helmut“.

Der Chronologie dieser Künstlerbiographie folgt die Schau bewusst nicht. Parallel zu den Anfängen im Magazin-Bereich werden nebst Vorstudien die acht ausgeführten Köpfe der als eigenes Buch geplanten „Deutschen Köpfe“ gezeigt. Witziger als diese weithin bekannten Knollennasen-Porträts von Dürer bis Arno Schmidt ist freilich die handschriftliche Liste der Deutschen, die Loriot zu zeichnen plante. Darauf die Namen Hegel, Kant, Bach, Fontane, Kopernikus, Einstein und Kleist; dann die Beutedeutschen Maria Theresia, Freud und (Gottfried) Keller – sowie die orthographisch unsauberen Herren „Nitzsche“ und „Humbold (Wilh.)“ sowie ein moderner Jedermann namens „Schultze (unbekannt)“.

© Loriot Vergrößern Oben rechts lächelt der Humorist, der sich den Schatten stellt: Ausschnitt aus einem „Nachtschattengewächs“ von 2009.

Widmungsblätter aus Briefen und Büchern zeigen „Privates und Halbprivates“ und dass Loriot neben Familie und Freunden und Künstlerkollegen auch seinem Postboten die Reverenz erwies. Neue Möpse sind auch aufgeboten. Wie er seine Gäste beim Abschied inszenierte, hat unlängst das „Loriot Gästebuch“ dokumentiert, auch diese hübsche Idee erhält ausreichend Raum. Die ersten Versuche mit der Super-8-Kamera zeigt ein Kurzfilm aus dem Jahr 1961, den die Eheleute von Bülow mit Gästen drehten. Die Persiflage auf Edgar Wallace „Die toten Augen von Gauting“ wird nicht in die Filmgeschichte eingehen, zeigt aber schon die Präsenz, die Loriot mitbringt.

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Loriot: Spätlese. Literaturhaus München, bis zum 12. Januar 2014. Der gleichnamige Begleitband liegt bei Diogenes vor, hat 374 Seiten und kostet 39,95 Euro.

Quelle: F.A.Z.
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