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London vor den Spielen : Hier geht’s zum englischen Olymp

Freie Bahn den Mächtigen: Auf der „Olympia Lane“ werden die Offiziellen während der Spiele Vorfahrt genießen. Der gemeine Londoner steckt daneben im Stau Bild: Getty Images

In der nächsten Woche beginnen in London die Olympischen Spiele. Lange hatte sich die britische Hauptstadt um die Vergabe bemüht - auch weil sie das verkommene East End revitalisieren wollte.

          Schon wieder eine freundliche E-Mail von „Transport for London“, die den Londonern die Vorfreude vergällt. Der Verkehrsverbund warnt regelmäßige Nutzer des ohnedies überlasteten Systems, bei täglich bis zu einer Million zusätzlicher Besucher während der Olympischen Spiele werde „mehr von der Stadt betroffen sein, als Sie denken“. Also: nicht Auto fahren, kurze Strecken zu Fuß oder auf dem Rad zurücklegen. „Lassen Sie sich nicht auf dem falschen Fuß erwischen.“ Zwischen den Zeilen lautet die Empfehlung, am besten daheim zu bleiben und „die größte Party, die London und in Wahrheit der ganze Planet je erlebt hat“ - so der für seine extravaganten Übertreibungen bekannte Bürgermeister Boris Johnson -, den Touristen zu überlassen.

          Gina Thomas

          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

          In Hinblick auf das gesteigerte Aufkommen haben Bus- und U-Bahn-Personal dem Verkehrsverbund das Messer an die Kehle gesetzt und zusätzlich zum Überstundenlohn einen Olympia-Zuschlag erstreikt. Viele Firmen führen eigens flexible Zeiten ein, erlauben ihren Mitarbeitern, von zu Hause aus zu arbeiten, oder legen ihnen nahe, Dienstreisen und Urlaub in die Zeit der Spiele zu legen. Einige Unternehmen weichen sogar auf Geschäftsräume außerhalb der Stadt aus. Das kommunale Lampenfieber beginnt zu steigen. London macht sich auf den Ausnahmezustand gefasst.

          Fahrbahnsperrungen und Halteverbote

          In den vergangenen Tagen ist es, als seien Heinzelmännchen am Werk gewesen. Wie aus dem Nichts sind auf dreißig Meilen des Straßennetzes plötzlich dicke weiße Striche und Olympiaringe im Asphalt aufgetaucht. Sie kennzeichnen die exklusiven Sonderspuren, die das ungehinderte Fortkommen der „Mitglieder der olympischen Familie“ - so heißen die Teilnehmer und Funktionäre im euphemistischen Bürokratenjargon - zwischen Hotels und Sportstätten gewährleisten sollen. Nichts bringt den hochmütigen und leicht erregbaren Londoner Taxifahrer so zur Weißglut wie die Vorstellung, dass er sich in den kommenden Wochen mit allen anderen im bestenfalls zähflüssigen Verkehr einordnen muss, während die Olympiabonzen in ihren Limousinen an ihm vorbeirollen.

          Fahrbahnsperrungen, Halteverbote und andere Sondermaßnahmen stellen die Stadt vor logistische Herausforderungen, wie sie sie in Friedenszeiten noch nie zuvor bewältigen musste. Das geht bis hin zur Lebensmittelversorgung, die durch beschränkte Anlieferungsmöglichkeiten behindert wird. Kneipen treffen besondere Vorkehrungen, um Nachtzustellungen entgegenzunehmen, damit ihnen das Bier vom Fass nicht ausgeht.

          Lust an der nationalen Demütigung

          Der skeptische Volksgeist, dem das Silvesterchaos zur Jahrtausendwende noch in lebendiger Erinnerung ist, fragt sich, wie das alles gutgehen soll - nach den Pannen der vergangenen Wochen. Überschwemmung der U-Bahn-Station für den Olympiapark, Schließung der Autobahn vom Flughafen Heathrow in die Stadt wegen eines Risses in einer Brücke, Zusammenbruch eines der größten Mobilfunknetze, stundenlange Warteschlangen an der Passkontrolle und der andauernde Skandal um das Versagen der privaten Sicherheitsfirma G4S, das die kurzfristige Mobilisierung von 3500 zusätzlichen Soldaten für die Bewachung der Spiele erfordert und den Eindruck verstärkt, das Olympiagelände sei eine militarisierte Zone. Davor gab es das Fiasko der Kartenverlosung, bei der so viele Briten leer ausgingen, dass sich schon damals ein Gefühl der Ausgrenzung breitmachte.

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