Das Gewitter, das wie Kanonendonner über die Menge zog, und das Glockengeläut aus dem Kirchturm von St. Martin's in the Fields wird dem alten Lord Nelson hoch oben auf seiner Säule vertrauter gewesen sein als die multikulturellen Trommelschläge, mit denen Trafalgar Square nach seiner Umgestaltung am Mittwoch abend wieder eingeweiht wurde.
Aber auch diejenigen, die nichts im Sinn haben mit dem penetranten Populismus des Bürgermeisters Ken Livingstone, können sich freuen über die einschneidende städtebauliche Neuerung im Herzen Londons: Die nördliche Seite dieses Knotenpunktes ist in eine Fußgängerzone verwandelt worden. An der Stelle, wo der Tourist bis vor kurzem noch, von den Abgasen des vorbeibrausenden Verkehrs überwältigt, ratlos am Straßenrand stehen und sich fragte mochte, wie er unversehrt von der National Gallery die Fahrbahn überqueren sollte, verbindet jetzt eine Treppe den erweiterten Bürgersteig mit dem Platz.
Fosters Masterplan
Das Projekt ist die erste Phase eines von Norman Foster erstellten Masterplans, der das Umfeld der historischen Stätten zwischen Trafalgar Square und dem Parlament verbessern soll. Für den Platz, der einst den westlichen Rand der angelsächsischen Handelsstadt Lundenwic bildete, später der Stallung der königlichen Pferde diente und schließlich 1840 von Sir Charles Barry als Denkmal für die Schlacht von Trafalgar gestaltet wurde, hat Foster auch ein Café, neue glasüberdachte Toiletten und einen Fahrstuhl für Behinderte entworfen.
Fosters Treppenaufgang, der bereits wirkt, als sei er schon immer dagewesen, soll zu einem späteren Zeitpunkt direkt zu dem neuen Eingang führen, den die National Gallery auf Straßenebene plant. Anders als Livingstone, der sich gerne in den Vordergrund spielt, wirken die architektonischen Neuerungen äußerst zurückgenommen. Die Taxifahrer mögen noch so sehr fluchen: aus der ehemaligen Verkehrsinsel wird nun ein lebendiger Platz, der anders als bisher nicht nur Demonstrationen, trunkenen Silvesterfeiern oder dem obligatorischen Foto jener Touristen vorbehalten sein wird, die die Tauben zu Nelsons Füßen füttern.
Vor der offiziellen Einweihung mit Feuerwerk, Gesang und einem Schauer von rotem Konfetti frotzelte man, daß zur Feier des Tages auch Taubenpastete serviert würde: Die Abschaffung der Vogelpest gehört zu den Wahlversprechen des Bürgermeisters. Statt dessen hüpften die hinterbliebenen Tauben fröhlich herum, als trotzten sie ihrem Widersacher.