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Löwenherz-Ausstellung : Haben Gefangene Freunde?

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Gleich rutscht die Krone: Richard Löwenherz (oben rechts) und Johann Ohneland (in der Großansicht unten links). Bild: The British Library Board

Kreuzfahrer, Dichter, Schlachtenlenker: Richard Löwenherz ist ein Mythos. Eine Ausstellung in Speyer fragt nun nach dem wahren Kern der Legende.

          Eine Sage vom Rhein geht so: Als der englische König Richard Löwenherz auf der Rückkehr vom Kreuzzug gefangen genommen worden war, machte sich der Barde Blondel auf den Weg, um den Verschwundenen zu finden. Er kam zur Burg Trifels in der Pfalz. An ihren mächtigen Mauern erkannte er, dass sie ein würdiger Ort war, um einen König festzuhalten. Er schlich sich zum Verlies und sang ein Lied, das außer ihm nur Richard kannte. Als von jenseits der Mauer eine zweite Stimme mitsang, wusste Blondel, dass er seinen König gefunden hatte. Vorsorglich hatte er ein reiches Lösegeld mitgebracht, und bald konnte er mit dem freigekauften Richard zurück nach England reisen.

          Abgesehen davon, dass Richard Löwenherz 1193 tatsächlich einige Wochen auf Trifels inhaftiert war, stimmt an der Geschichte praktisch nichts. Ihr Kern ist eine mittelenglische Romanze, entstanden um 1260, also sechs Jahrzehnte nach Richards Tod, und sie ist außer an den Trifels auch an andere Orte geknüpft, vor allem an die österreichische Burg Dürnstein. Dabei hätte niemand den Monarchen suchen müssen, seine Gefangenschaft war kein Geheimnis und auch nicht sein jeweiliger Aufenthaltsort, im Gegenteil: Richard war in der Haft von einem kleinen Hofstaat umgeben, er ging aus der Ferne seinen Amtsgeschäften in England und auf dem Kontinent nach, so gut das eben ging, und lebte einigermaßen komfortabel. Allerdings gibt es Berichte, nach denen die Haftbedingungen verschärft wurden, wenn Besucher aus Richards Heimat davon überzeugt werden sollten, das unerhört hohe Lösegeld von 100.000 Mark in Silber endlich aufzubringen.

          Darstellung der Gefangenschaft und des Todes Richards Bilderstrecke
          Darstellung der Gefangenschaft und des Todes Richards :

          Trotzdem ist die Blondel-Sage gut erfunden. Sie betont einen Zug Richards, der ihn mit wenigen Monarchen seiner Zeit verbindet: Der Erbe des südfranzösischen Aquitanien, der Heimat der Troubadoure, war an deren Schaffen so interessiert, dass er auch selbst als Autor von Liedern auftrat. Zwei haben sich erhalten, darunter der Klagegesang „Ja nus hons pris ne dira sa raison“. Es schildert die Situation des Gefangenen, der sich von allen verlassen fühlt, weil niemand das Lösegeld aufbringen will: „Nun weiß ich es genau und wahrlich sicher“, singt er, „dass man, ob tot oder gefangen, weder Freunde noch Verwandte hat, da man es an Gold oder Silber für mich fehlen lässt.“ Es gehe ihm übrigens nicht um die eigene Person, sondern um seine Pflichten gegenüber seinen Untertanen. In der Gefangenschaft könne er sie nicht vor den Feinden beschützen: „Es ist kein Wunder, dass es mich im Herzen schmerzt, wenn mein Herr mein Land quält und unterdrückt. Wenn er sich nur unseres Eides erinnern würde, den wir beide uns gegenseitig geleistet haben!“

          Kurznachrichten von Richard Löwenherz

          Diese Liedzeilen Richards führen in den Kern der politischen Wirren, denen er seine Haft und später seinen Tod auf dem Schlachtfeld verdankte. Denn sein eidbrüchiger „Herr“ ist der französische König Philippe II. Augustus, der aber nur einen kleinen Teil des Landes direkt kontrollierte. Richard war offiziell sein Vasall, weil er auf französischem Boden einen riesigen Besitz geerbt hatte, der von der Bretagne bis an die heutige spanische Grenze reichte. Das komplizierte Verhältnis der beiden Könige, die in jungen Jahren so sehr befreundet gewesen waren, dass sie, wie es in zeitgenössischen Berichten heißt, im selben Bett schliefen, mündete in offene Feindschaft: Während Richards Haft stiftete Philippe II. die französischen Untertanen seines Rivalen zur Aufruhr an, was der ihm nach Kräften heimzahlte, und Richards Tod im Frühjahr 1199 ist eine Folge: Der König starb durch einen Armbrustbolzen, der auf ihn abgefeuert wurde, während er eine abtrünnige Burg im Limousin belagerte.

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