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Lobrede Die Legende vom RAF-Spender Wolf Biermann

Hat Klaus Wowereit in seiner Lobrede auf Wolf Biermann gelogen? Biermann habe einst, so Wowereit, Preisgeld auf ein Konto der RAF überwiesen. Was ist an der Sache dran?

© ddp Vergrößern Nicht nur Gutes erzählte Wowereit über Biermann

Hat Klaus Wowereit, wie konservative Blogger behaupten, in seiner Lobrede auf den Berliner Ehrenbürger Wolf Biermann gelogen? Der Regierende Bürgermeister und Kultursenator erinnerte bei der Zeremonie im Roten Rathaus am vergangenen Montag an die erste öffentliche Ehrung Biermanns durch das Land Berlin und wahrscheinlich überhaupt, den ihm 1969 für seine erste Langspielplatte „Chausseestraße 131“ verliehenen „Fontane-Preis“, einen 1948 gestifteten Berliner Kulturpreis, der heute eher ein Schattendasein fristet, und erzählte wie nebenbei, Biermann habe sein Preisgeld der RAF gespendet, „zu treuen Händen von deren Anwalt Horst Mahler“.

Ist das wahr? Oder auch nur gut erfunden? Hätte es nicht den Grundsätzen des damals überzeugten Marxisten widersprochen? „Terror, individueller / ist nach Marx ein grober Feller“, sollte Biermann doch wenig später in seiner Ballade „Die Stasi war mein Eckermann“ reimen. Und hatte die Rote Armee Fraktion, deren Name erst 1970 auf einem Bekennerschreiben erscheint, überhaupt ein Spendenkonto? Tatsächlich hat Biermann die fünfstellige Preissumme dem „Republikanischen Club Westberlin“ gespendet, der aus der von Horst Mahler 1966 gegründeten „Novembergesellschaft“ hervorgegangen war.

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Die Logik ging nicht auf

Richtig ist, dass Mahler 1969 bereits Mandanten hatte, die als RAF-Mitglieder prominent werden sollten; er vertrat als Fachmann für Wirtschaftsrecht allerdings auch gänzlich andere Mandanten, beispielsweise Abschreibungsgesellschaften („GmbH & Co KGs“) aus Westdeutschland. Über Biermanns Spende frohlockte Anfang 1970 das Berlin-Heft der bei Hoffmann & Campe erscheinenden Zeitschrift „Merian“: Die „Logik, wer gegen die ist“, die DDR, „ist für uns“, die Bundesrepublik, „sie ging nicht auf“. Als demonstrative Widerlegung dieser vermeintlichen Logik interpretierten die Spende des ehemaligen Mathematikstudenten wohl die meisten seiner damaligen westdeutschen Freunde.

Auf der ersten LP nach der Ausbürgerung („Trotz alledem“) kamen dann tatsächlich Mitglieder der RAF vor, die damals allerdings schon nicht mehr am Leben waren. Von der Liedzeile „was damals noch der Jud' war / ist heute der Sympathisant“ hat sich der Dichter später wortmächtig und überzeugend distanziert.

Man mag es dem Chef des rot-roten Senats nachsehen, dass er sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen wollte, die CDU ein wenig vorzuführen, die ihm diesen undankbaren Lobadressaten aufgenötigt hatte, und ein Quentchen zeithistorischer Wahrheit steckte jedenfalls in Wowereits kritischer Würdigung der damaligen Einstellung westdeutscher Konservativer gegenüber dem DDR-Oppositionellen Biermann. Aber zu einem RAF-Spender musste man ihn deswegen nicht gleich machen, und was Mahler angeht, der als verurteilter Volksverhetzer und Holocaust-Leugner seinen Anwaltsberuf heute nicht mehr ausüben darf, sitzt die SPD in einem Glashaus. Als Ende der siebziger Jahre in der Technischen Universität Berlin ein Kongress zu Ehren von Biermanns Freund Rudolf Bahro stattfand, trug dort auch ein Bundesvorsitzender der Jungsozialisten ein Grußwort vor, der von Bahro sehr wenig, von Horst Mahler dagegen sehr viel Gutes zu berichten wusste: Gerhard Schröder.

Quelle: F.A.Z., 03.04.2007, Nr. 79 / Seite 38

 
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