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Literaturpreise : Schöne Bescherung

Politisch läufts, literarisch leider nicht mehr so: Was ist da los zwischen Deutschland und Frankreich? Bild: dpa

Anerkennung für die Arbeit der Übersetzer gab es bislang vor allem in Form von Preisen. Ausgerechnet zwischen Deutschland und Frankreich knirscht es nun in der Literaturvermittlung, renommierte Preise werden abgeschafft.

          Der Austausch zwischen Kulturen und Nationen wird gerade in Krisenzeiten gerne beschworen. Was wäre dafür besser geeignet als die Literatur? Doch vor Lektüre haben die Götter den Schweiß des Spracherwerbs gesetzt. Oder die Berufsgruppe der Übersetzer. Doch deren Angehörige sind keine Götterlieblinge. Die Bezahlung für Buchübersetzungen ist notorisch schlecht, das Ansehen gering, die eingeräumte Frist meist dramatisch knapp bemessen.

          Versüßt werden diese bitteren Pillen durch die Freude am zu übersetzenden Text (wenn man sich leisten kann, ihn sich auszusuchen) und die zahlreichen Preise, die in Deutschland an Übersetzer vergeben werden. Rund fünfundzwanzig bedeutendere sind es, vom Albatros- bis zum Wielandpreis. Aber es werden weniger. Einer der mit 10.000 Euro hochdotierten, der von der DVA-Stiftung zur Förderung des Austauschs zwischen Frankreich und Deutschland verliehene André-Gide-Preis für literarische Übersetzungen, wurde nach sieben Verleihungen 2011 eingestellt, sein Nachfolger, der Romain-Rolland-Preis, überlebte gar nur einen Durchgang, und im selben Jahr, 2013, stellte die Stiftung auch ihren Raymond-Aron-Preis für Übersetzungen aus den Geistes- und Sozialwissenschaften ein.

          Sie werden sich im Grabe umdrehen

          Das eingesparte Geld fließt in Übersetzerstipendien, aber die Aufmerksamkeit, die eine Preisverleihung erregt, ist weg. Und gerade der besonders rege literarische Austausch zwischen Deutschland und Frankreich ist von dieser Umschichtung betroffen, wobei es passt, dass die DVA-Stiftung Teil der Robert-Bosch-Stiftung ist, die erst kürzlich die Einstellung ihres Chamisso-Preises verkündete – weil diese berühmte Auszeichnung für Schriftsteller, die auf Deutsch schreiben, ohne es als Muttersprache erlernt zu haben, überflüssig geworden sei, nachdem solche Autoren immer größeren Erfolg hätten.

          Vermutlich hält die Stiftung auch das Lesen von französischen und deutschen Büchern im jeweils anderen Land für verbreitet genug. Warum dann noch fördern? Weil der Anteil übersetzter Bücher an deutschen Neuerscheinungen rückläufig ist: Im Vorjahr waren es nur noch etwas mehr als elf Prozent. Davon wiederum machen Bücher aus dem Französischen (1131 Titel) zwar zwölf Prozent aus, was aber bedeutet, das nur knapp jedes hundertste 2015 in Deutschland erschienene Buch aus dem Nachbarland stammte. Das wird im kommenden Jahr deutlich mehr werden, weil Frankreich Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2017 ist, aber just deshalb sind Übersetzerpreise in diesem Bereich besonders sinnvoll.

          Stattdessen streicht nun, wie die „Süddeutsche Zeitung“ mitteilt, die französische Autorenvereinigung Societé des Gens de Lettres ausgerechnet vom kommenden Jahr an ihren Nerval-Preis für literarische Übersetzungen aus dem Deutschen. Gide, Rolland, Aron, Nerval – sie alle waren große literarische Vermittler zwischen Deutschland und Frankreich. Sie werden sich im Grabe umdrehen.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

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          Quelle: F.A.Z.

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